Der US-Dienstleistungskonzern Amentum wird über ein Gemeinschaftsunternehmen am Aufbau einer Werft für atomgetriebene U-Boote in Australien mitwirken. Australian Naval Infrastructure hat das Joint Venture von Amentum und Laing O'Rourke als Capability Partner ausgewählt. Die Auswahl bezieht sich auf die Unterstützung bei der Errichtung eines Bauhofs für nukleargetriebene Unterseeboote in South Australia. Grundlage ist nach Unternehmensangaben ein langfristiger Vertrag; ein Auftragswert wurde nicht genannt.
Standort Osborne nördlich von Adelaide
Die neue Werft entsteht in Osborne nördlich von Adelaide. Dort sollen Australiens atomgetriebene U-Boote im Rahmen des trilateralen AUKUS-Abkommens gebaut werden – der Sicherheitspartnerschaft zwischen Australien, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich. Die Anlage soll die Einrichtungen für Montage, Ausrüstung, Test und Inbetriebnahme der künftigen Flotte vom Typ SSN-AUKUS umfassen.
Nach Darstellung von Amentum wird Australien damit erstmals in die Lage versetzt, konventionell bewaffnete, nukleargetriebene U-Boote selbst zu bauen und instand zu halten. Die Boote erhalten also einen Reaktorantrieb, führen aber keine Nuklearwaffen mit.
Rolle des Capability Partners
Die Aufgaben des Konsortiums sind im Integrated Delivery Office von Australian Naval Infrastructure (ANI) angesiedelt. Das Joint Venture übernimmt dort Programm- und Baumanagement mit Nuklearbezug sowie die Sicherheitsführung. Vorgesehen ist eine enge Zusammenarbeit mit ANI bei der Koordinierung von Arbeitspaketen, der Einbindung von Auftragnehmern und dem Schnittstellenmanagement zwischen den nuklearen und den nicht-nuklearen Bereichen der Werft.
Kim Katheklakis, Managing Director von Amentum Australia, benannte die Felder, in denen das Team operative Führungsaufgaben übernehmen soll:
„Unser Team wird praktische Führungsarbeit in zentralen Lieferbereichen leisten, darunter Governance, Assurance, Logistik, Inbetriebnahme, Digital Engineering, Lieferkettenqualität und die Einbindung von Baukompetenz in die Entwurfsphase.“
Mark Whitney, President von Amentum Energy & Environment, verwies auf die Erfahrung des Konzerns in nuklearen U-Boot-Programmen. Das Unternehmen bringe mehr als 60 Jahre Erfahrung in U-Boot-Programmen mit Nuklearantrieb sowie Erfahrung als Nuklearlizenznehmer und im Umgang mit unabhängigen Aufsichtsbehörden ein. Whitney bezeichnete das Vorhaben als Aufgabe, die Australiens souveräne Nuklearfähigkeit über Jahrzehnte prägen werde.
Industriepolitischer Hintergrund
Das Projekt ist Teil der australischen Bemühungen, eine eigene Rüstungsindustriebasis für den Bau und Betrieb atomgetriebener U-Boote aufzubauen. Nach Angaben des Unternehmens soll das Vorhaben die langfristige nationale Sicherheit stärken, die verteidigungsindustriellen Fähigkeiten des Landes ausbauen und tausende hochqualifizierte Arbeitsplätze in South Australia entstehen lassen. Im Rahmen der AUKUS-Partnerschaft mit den USA und Großbritannien soll Australien zu einem wesentlichen Beitragszahler für die Stabilität im indopazifischen Raum werden.
Konkrete Angaben zum Zeitplan des Werftbaus, zur Laufzeit des Vertrags oder zur Zahl der beteiligten Beschäftigten auf Seiten des Konsortiums wurden in der Mitteilung nicht gemacht. Auch zur Aufteilung der Leistungen zwischen Amentum und dem Baukonzern Laing O'Rourke enthält die Bekanntgabe keine Details.
Was das Mandat einordnet
Amentum ist an der New Yorker Börse notiert und in den Bereichen Ingenieurdienstleistungen, Nukleartechnik sowie Technik- und Managementdienstleistungen für staatliche Auftraggeber tätig. Das Mandat als Capability Partner ist keine Bauleistung im klassischen Sinne, sondern eine Steuerungs- und Beratungsfunktion: Das Konsortium arbeitet innerhalb der Projektorganisation des staatlichen Infrastrukturträgers ANI und soll dort das nukleartechnische Know-how sowie die Baukompetenz für die Entwurfs- und Umsetzungsphase bereitstellen.
Für die Bewertung der finanziellen Bedeutung fehlen aus der Mitteilung die entscheidenden Kennzahlen. Ohne Vertragsvolumen und Laufzeit lässt sich der Umsatzbeitrag nicht beziffern. Langfristige Rahmenverträge im Bereich staatlicher Nuklear- und Verteidigungsinfrastruktur zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass Leistungen über mehrere Jahre abgerufen werden und die tatsächlichen Erlöse vom Projektfortschritt abhängen.
Die Aktie von Amentum Holdings wies zuletzt über verschiedene Betrachtungszeiträume negative Kursveränderungen aus; in der Übersicht des Handelsplatzes lag der Kurs bei 17,640 Euro. Die Mitteilung zur Auswahl als Capability Partner wurde über Business Wire verbreitet.
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