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Der erste Schock blieb aus, die Kurse an den Börsen halten sich weitestgehend stabil. Ist das die große Wette auf schnelle Deeskalation?
Der Iran-Krieg eskaliert. Doch an den Börsen bleibt der große Schock bislang aus. Zwar gaben die Kurse zum Wochenstart nach, doch panikartige Verkäufe blieben aus. Ein Teil der Verluste wurde schnell wieder aufgeholt.
Seitdem verharren die Märkte im Wartemodus. Anleger bleiben weitgehend investiert. Viele scheinen darauf zu wetten, dass es zu einem schnellen Kriegsende kommt. Und genau darin liegt das Risiko.
Iran-Krieg: Märkte setzen auf Deeskalation
Die vergleichsweise gelassene Marktreaktion lässt sich durch mehrere Faktoren erklären:
- Steigende Ölpreise lösen heute nicht mehr automatisch eine Rezession aus wie in den Siebzigerjahren. Die Weltwirtschaft verbraucht weniger Energie pro Produktionseinheit, zudem gibt es mehr Alternativen und große strategische Reserven.
- Die klassische Flucht in sichere Anlagen in großem Stil blieb nach Kriegsbeginn bislang aus. Das ist ein Hinweis darauf, dass viele den Konflikt noch nicht als großen Marktschock einordnen.
- Der Ölpreis steigt zwar, aber ohne Panik. Zuletzt lag der Preis für ein Barrel Brent bei rund 83 Dollar – weit entfernt von den Spitzenwerten von über 120 Dollar während der Energiekrise 2022.
- Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Nach Pandemie, Energiekrise und Ukrainekrieg haben Staaten und Unternehmen ihre Lieferketten breiter aufgestellt und ihre Energieversorgung diversifiziert. Wirtschaft und Märkte gelten deshalb als widerstandsfähiger gegen geopolitische Schocks.
All das trägt zur Gelassenheit bei. Doch genau darin liegt das Problem: Die Märkte verhalten sich, als sei der Konflikt kurz und wirtschaftlich beherrschbar.
Was spricht für die Wette auf ein schnelles Kriegsende?
Ganz unbegründet ist die Zuversicht der Anleger nicht. Ökonomen von „Oxford Economics“ halten etwa eine dauerhaft vollständige Blockade der Straße von Hormus für schwer durchzuhalten. Extrem negative Szenarien gelten daher als möglich, aber eher unwahrscheinlich.
Auch der Ölmarkt kann zeitlich begrenzte Störungen abfedern. Eine panikartige Preisdynamik bleibt demnach bislang aus.
Hinzu kommt ein militärischer Faktor: Auch die Ressourcen der Kriegsparteien sind nicht unbegrenzt. Analysten weisen darauf hin, dass moderne Raketenabwehrsysteme und Präzisionsmunition schnell verbraucht werden können.
Gerade die USA haben deshalb ein Interesse daran, den Konflikt kurz und kontrolliert zu halten. Ein längerer Krieg würde enorme Kosten verursachen und amerikanische Truppen stärker gefährden.
Zugleich wollen Washington und seine Verbündeten verhindern, dass Iran die Kontrolle über die wichtigsten Energie- und Handelsrouten der Region gewinnt. Besonders die Straße von Hormus ist strategisch entscheidend: Durch die Meerenge fließt rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls.
Die militärische Logik vieler Strategen lautet deshalb: schnelle militärische Dominanz, aber kein langer Abnutzungskrieg.
Ein Funke könnte die Stimmung kippen
Die Stimmung könnte jedoch schnell kippen. Dafür braucht es nicht einmal eine große militärische Eskalation. Schon kleinere Ereignisse könnten reichen, um die Annahme eines kurzen Konflikts infrage zu stellen.
Ein möglicher Auslöser wären weitere, verschärfte Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Golfregion, etwa auf Ölterminals, Exporthäfen oder LNG-Anlagen. Schon einzelne Treffer könnten die Energiepreise spürbar bewegen.
Auch Irans Strategie der asymmetrischen Kriegsführung birgt Risiken. Drohnenangriffe, Sabotage an Pipelines oder Attacken auf Handelsschiffe könnten wichtige Transportwege länger stören als derzeit angenommen.
Hinzu kommt die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts. Sollten weitere Staaten militärisch eingreifen oder wichtige Schifffahrtsrouten wie die Straße von Hormus länger blockiert werden, müsste der Markt seine Erwartungen schnell neu bewerten.
Wette mit hohem Risiko
Die Europäische Zentralbank warnt bereits, dass ein längerer Krieg die Preise erhöhen könnte. Zinssenkungen würden damit deutlich schwieriger. Zudem bestehe die Gefahr, dass das Wachstum gebremst wird.
Der neue „Wirtschaftsweise“ Gabriel Felbermayr hat ebenfalls vor einer möglichen Ausweitung des Kriegs mit dem Iran gewarnt. „Bei einem länger anhaltenden Krieg sind die Folgen kaum auszumalen“, sagte der Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. „Wenn der Weltwirtschaft dauerhaft 20 Prozent der Kapazitäten bei Öl und Gas fehlen, wäre das heftig.“ Zugleich machte Felbermayr deutlich, dass es sich dabei um ein Extremszenario handelt.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Bewertungen an den Aktienmärkten sind vielerorts bereits extrem hoch. Besonders in den USA liegen viele Indizes nahe ihren Höchstständen.
In einem solchen Umfeld reichen oft schon kleinere negative Nachrichten – oder ein Social-Media-Post des US-Präsidenten –, um starke Kursbewegungen auszulösen.
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6 Kommentare
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