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Kernaussagen
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Paris will langfristig Strom aus Atomkraft beziehen. Das setzt massive Investments voraus. Außerdem braucht das Land Uran.
Europaweit ist seit Monaten ein Schwenk hin zu mehr Atomkraft zu beobachten, und das trotz des deutschen Atomkraft-Aus. Jetzt will Frankreich Milliarden in die Sanierung seiner Kernkraftwerke stecken. Einzelne Reaktoren sollen viele Jahre länger laufen als ursprünglich geplant. Das bringt einige Probleme mit sich, gleichzeitig aber auch Chancen für Anleger.
Paris will Atomkraft für Energiesektor ausbauen
In Frankreich setzt sich die Atomkraft-Rennaissance weiter fort. Nicht nur hat das Land vor, neue Reaktoren zu bauen, es will auch diejenigen, die bereits arbeiten, restaurieren und noch viele Jahrzehnte länger laufen lassen. Nach Aussagen des französischen Rechnungshofs sollen sich die Kosten geplanter Restaurierungen der Bestandsreaktoren auf rund 100 Milliarden Euro belaufen. Medienberichte sprechen davon, dass Frankreich eine Mindestlaufzeit von 60 Jahren ins Auge gefasst hat.
Problematisch dabei ist, dass viele der französischen Reaktoren aus den Achtzigern und Neunzigern stammen. Der französische Stromanbieter Electricité de France (EDF) will mit Nachrüstung und Erneuerung gegen den Verschleiß ankämpfen. „Solange Wartungsarbeiten und die Sicherheitsprüfungen regelmäßig durchgeführt und Teile wie Pumpen, Röhren und Turbinen ausgewechselt werden, kann eine Anlage problemlos 100 Jahre laufen“, zitierte das Handelsblatt dazu den Energieexperten Marc-Antoine Eyl-Mazzega vom Institut français des relations internationales (Ifri).
Bestimmte Teile können allerdings gar nicht oder nur unter hohem Aufwand ausgetauscht werden. Frankreich hat aber keine Wahl: Ohne den nuklearen Strom würde das Land seine Energiewirtschaft verkrüppeln.
Frankreichs Uran-Abhängigkeit
Laut der World Nuclear Association (WNA) zieht Frankreich rund 70 Prozent seiner Elektrizität aus Nuklearenergie. Ursprünglich hatte das Land (genau wie Deutschland) eine Reduzierung des Anteils von Atomstrom geplant, die ursprünglichen Strategien jedoch 2023 wieder verworfen.
Stattdessen passiert jetzt das Gegenteil. Frankreich gab 2022 bekannt, sechs neue Kernkraftreaktoren bauen zu wollen, weitere acht waren zumindest in Planung. Wegen der enormen Stromproduktion der Grande Nation ist sie einer der größten Netto-Exporteure von Strom weltweit. Jährlich bekommt Frankreich rund drei Milliarden Euro an Exporteinnahmen. Dabei gibt es jedoch ein Problem: Für all die Kernkraftwerke braucht das Land große Mengen an Uran.
Russland als Übermacht beim Uran
Hier kommt Russland ins Spiel. Zwar liegen die größten Uran-Reserven in Australien (28 Prozent) und Kasachstan (15 Prozent), und Kasachstan ist zugleich der größte Hersteller. Im Jahr 2020 galt das Land als das mit dem größten weltweiten Uran-Output. Bei der Anreicherung der Rohstoffe führt jedoch kein Weg an Russland vorbei.
Der russische Atomkonzern Rosatom kontrolliert laut der WNA rund die Hälfte der globalen Kapazitäten an der Uran-Anreicherung. Zum 12. Dezember 2025 waren sieben Rosatom-Reaktoren innerhalb Russlands in Bau, weitere 20 weltweit. Weil auch die USA auf Rosatoms Anreicherungs-Kapazitäten angewiesen sind, ist der russische Megakonzern bis heute von härteren Sanktionen ausgenommen.
Uran aus Russland: Europa zahlt Milliarden
Positiv für Europa: Russland braucht das meiste angereicherte Uran selbst. Trotzdem bezieht die EU immer noch 20 Prozent seines angereicherten Urans aus Russland. Genau wie bei Seltenen Erden und Gas gilt es, neue Lieferanten zu finden.
Das hat die EU längst erkannt. Zwischen 2023 und 2024 hat die Europäische Union eine Summe von einer Milliarde Euro in Uran-Importe von Rosatom-Mitgliedern gezahlt. Im Rahmen des REPowerEU-Frameworks soll langfristig jedoch auch eine Trennung von russischem Atomstrom stattfinden. Zum Beispiel könnte die EU sich verstärkt an andere große Uran-Verarbeiter wenden, darunter Kasachstan oder Australien. „Dabei gilt es aber zu bedenken, dass sich Russland bemüht, sich strategisch an Minen im Ausland, etwa in Kasachstan, zu beteiligen“, warnt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkunden Deutschland bei der Deutschen Bank.
Uran bleibt voraussichtlich fester Bestandteil im europäischen Energiemix: Eine Regulation sorgte dafür, dass Atomstrom wegen seines geringen CO2-Fußabdrucks als nachhaltig eingestuft werden kann. Das hat unter anderem dazu geführt, dass die Internationale Energieagentur (IEA) Frankreich als eine der Nationen mit dem geringsten CO2-Ausstoß in der Energiebranche aufführt.
In Uran anlegen
Eine Prognose der WNA geht davon aus, dass der Bedarf für Uran bis 2030 und 2040 drastisch steigen soll. Ein Bericht spricht dabei von einem Anstieg auf zunächst 79.400 metrische Tonnen elementares Uran und später auf 112.300 metrische Tonnen.
Das bietet Chancen für eine Rohstoff-Anlage. Stephan zufolge interessieren sich Kunden immer wieder für Kernenergie als CO2-freier Energiequelle. Für einen Boom müsse sich aber zunächst ein Durchbruch bei den Small Modular Reactors (SMR) ergeben. Entweder können Anleger in Aktien im Bergbau-Bereich oder Energie investieren. Darüber hinaus wären Investments in die Aufbereitung von Uran möglich, oder indirekt über die Produzenten und Betreiber von Atomanlagen.
„Allerdings sollten Anleger unbedingt auf Diversifikation, also breite Streuung der Investments, achten“, rät der Stratege. Zuletzt warnt er davor, dass Uran und Atomkraft immer noch Risikotechnologie sind. Das Problem Endlagerung besteht nach wie vor. „Insofern ist es wichtig, seriöse Unternehmen zu wählen und potentielle Regulierungen genau zu beobachten.“
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6 Kommentare
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