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Die Ermittlungsakten im Fall Epstein werden ausgewertet und immer mehr Details seiner Machenschaften kommen ans Licht. Das bringt die Deutsche Bank, die Dutzende Konten für ihn geführt hat, in Bedrängnis.
Rückblickend muss man sagen, dass es keine gute Idee der Deutschen Bank war, mit Jeffrey Epstein in geschäftlichen Kontakt zu treten. Der soll rund 40 Konten bei der Bank unterhalten und einen Großteil seines Vermögens dort verwaltet haben. Das fällt der größten deutschen Bank gerade schmerzhaft auf die Füße. So sank der Aktienkurs am 4. Februar nach Bekanntwerden der ersten Informationen aus den „Epstein Files“ laut Wallstreet online um 5,49 Prozent.
Zur Erinnerung: Jeffrey Epstein war ein bereits verurteilter Sexualstraftäter, der noch in weiteren Fällen beschuldigt wurde und in Untersuchungshaft saß, als er im August 2019 starb. Nach offiziellen Angaben durch Suizid.
Obwohl nach langem Hin und Her mutmaßlich alle Untersuchungsakten zum Fall Epstein veröffentlicht worden sind, kann man immer noch nicht ermessen, wer wie tief in den Dschungel des Missbrauchsskandals verwickelt ist – und ob nicht noch andere andere Verbrechen ans Licht kommen werden. Es wird lange dauern, alle Akten gerichtsfest auszuwerten.
Und mitten drin die Banker aus Frankfurt
Bislang sind weltweit viele Prominente in den Strudel der Ermittlungen geraten. Dass in diesem Umfeld auch die Deutsche Bank auftaucht, befremdet zunächst. Wird aber verständlich, wenn man die jüngere Geschichte des Bankhauses in den USA betrachtet und die gerichtlichen Auseinandersetzungen, in die die Frankfurter in den letzten Jahren verwickelt waren. Wer einmal durch unsaubere Geschäfte und Manipulationen aufgefallen ist, hat keinen großen Vertrauensvorschuss mehr.
Wie andere bedauert auch die Deutsche Bank ihr Verhalten. Am 9. Februar zitierte die Nachrichtenagentur dpa einen Unternehmenssprecher: „Wie seit dem Jahr 2020 immer wieder betont, erkennt die Bank ihren Fehler an, Jeffrey Epstein 2013 als Kunden aufgenommen zu haben.“
Blauäugigkeit war es nicht
Der Bank wird derzeit nicht vorgeworfen, dass etwa ein Banker an einer der notorischen „Partys“ von Epstein teilgenommen habe oder auf dessen Privatinsel verkehrt hätte. Somit scheinen die Probleme der Bank zunächst eher moralischer Natur.
Um die beurteilen zu können, haben wir mit dem Wirtschaftsethiker und Philosophen Bernd Villhauer gesprochen. Er ist Senior Advisor Finance für das Weltethos Institut an der Universität Tübingen und ist ganz entschieden der Ansicht, dass „Banken eine Verpflichtung haben, das Umfeld Ihrer Geschäftspartner zu prüfen“, und zwar „unabhängig von gesetzlichen Regelungen und Compliance Richtlinien“.
Gerade im vorliegenden Fall hätte „man tatsächlich sehr vorsichtig sein müssen mit jemanden wie Herrn Epstein überhaupt Kontakt aufzunehmen beziehungsweise dessen Geschäfte zu unterstützen, indem man Konten für ihn führt – und es ging hier ja um erhebliche Summen.“
Laut dem Handelsblatt habe die Bank ganz genau gewusst, mit wem sie sich da einließ. Die Deutsche Bank begann das Geschäftsverhältnis mit Epstein nämlich, nachdem seine vormalige Hausbank, JPMorgan, die Beziehungen mit ihm aufgelöst hatte. JPMorgan hatte in der Folge 290 Millionen Dollar im Rahmen eines Vergleichs an Opfer der Missbrauchshandlungen Epsteins gezahlt.
Bernd Villhauer ist zurückhaltend mit einem Urteil, „wie die Deutsche Bank und andere Banken auf dem internationalen Markt agieren.“ Im konkreten Fall aber „muss man leider sagen, dass die Deutsche Bank in mehreren Fällen vielleicht etwas unvorsichtig war.“
Steht der Profit über allem?
Eine Bank ist keine Anstalt, die über Gesetz und Anstand zu richten hat. Eine Bank muss Geld verdienen. Dem stimmt auch Bernd Villhauer zu und ergänzt: „Deswegen ist es ganz wichtig, dass sie prüfen, ob eine Geschäftsbeziehung kurz-, mittel- und langfristig profitabel ist.“
Das gelte es abzuwägen und daher gebe es „gute Argumente zu sagen, dass bestimmte dubiose, grenzwertige Geschäftsbeziehungen vielleicht kurzfristig Profite, aber mittel- und langfristig eher Gefahren mit sich bringen, nämlich Reputationsschäden, wie wir es jetzt erleben.“
Hellhörig genug?
Schaut man sich die Vorwürfe an, die gegen die Deutsche Bank erhoben werden, erschließt sich nicht sofort, was hier denn verwerflich ist. Die Bank, so ist nun zu hören, habe nicht reagiert, wenn Epstein große Summen Bargeldes von seinem Guthaben abgehoben hat. Ist das per se verdächtig?
Nein, meint Villhauer, es käme auf den Kontext an: „Es gibt Kundenbeziehungen, da ist es aus meiner Sicht vollkommen unproblematisch, wenn jemand 200.000 Dollar oder mehr in bar abhebt. Ich finde, da sollte die Bank sich nicht zum Richter aufwerfen.“
„Aber“, wiederholt er, „der Kontext ist entscheidend. Wenn ich zum Beispiel weiß, daß jemand schon in Drogenhandel verwickelt war, um nur ein Beispiel zu nennen, und dann hebt so jemand eine höhere Summe ab, dann muss ich natürlich hellhörig werden.“ Etwas anderes sei es, wenn jemand sage, aus diesem oder jenem Grund „brauche ich jetzt eine größere Menge Bares, ich kann auch zeigen, wozu ich das verwende. Ich finde, wir sollten ein bisschen vorsichtig sein, grundsätzlich zu sagen: Barabhebungen sind kriminell. Das ist nämlich nicht der Fall.“
Verräterische Verwendungszwecke
Das kennt man von jeder Überweisung: Da soll man den Zweck des Geldtransfers erklären. Im vorliegenden Fall stolpern einige Beobachter über Angaben wie „Miete“, „Studiengebühren“, oder „Einwanderungsangelegenheiten“. Das scheint aber erst dann verdächtig, wenn man über die eigentlichen unseriösen Geschäfte Epsteins schon recht genau Bescheid weiß. Soll die Bank generell erst prüfen und dann – gegebenenfalls – überweisen?
Bernd Villhauer meint, eine Bank solle „möglichst transparent vermitteln können, was sie prüft und in welchen Situationen sie das tut.“ Hier aber sollten strenge Regeln gelten, sagte er: „Gerade eine Bank wie die Deutsche Bank, die ja auch schon in verschiedenen Kontexten in der Diskussion war, tut gut daran, etwas genauer hinzuschauen.“
Ist die Bank schon vom Haken?
Die Deutsche Bank hat bereits Geld gezahlt: An die New Yorker Finanzaufsicht eine Strafe von 150 Millionen Dollar wegen mangelhafter Geldwäschekontrollen und im Rahmen eines Vergleiches 75 Millionen Dollar an die Opfer von Jeffrey Epstein. Haben sich die Frankfurter damit schon freigekauft? Grundsätzlich nein, meint Bernd Villhauer: „Wenn ein Haus auf sich hält und auch im moralischen Sinn gute Geschäfte machen will, dann ist es nie ‚vom Haken‘. Die Bank muss sich immer selbst prüfen.“
Der Philosoph und Finanzethiker hat da einen klaren Standpunkt: „Es gibt kein ’sich freikaufen‘, das gibt es einfach nicht im moralischen Bereich“. Die Frage sei: „Welchen Anspruch habe ich an mich selbst ethisch? Und daran dürfen wir die Deutsche Bank dann auch messen.“
Diese Betrachtungen beziehen sich auf den Stand vom Anfang Februar und haben so lange Bestand, wie es keine neuen Enthüllungen gibt. Sollte bei der gerade begonnenen Auswertung der „Epstein Files“ die Deutsche Bank weitergehend belastet werden, könnte die Bank in größte Schwierigkeiten geraten. In Frankfurt wird man die Entwicklung sehr genau verfolgen.
Von Dirk Kaufmann
Das Original zu diesem Beitrag „Jeffrey Epstein lässt Deutsche Bank zittern“ stammt von Deutsche Welle.
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6 Kommentare
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This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Interesting update on Bank räumt Fehler ein
Deutsche Bank zittert vor Epstein-Akten: "Es gibt kein sich freikaufen"
Finanzen100
10. Feb.. Looking forward to seeing how this develops.