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Das Altersvorsorgedepot verspricht höhere Erträge. Doch schon ein Prozent Kosten kann die staatliche Förderung über Jahrzehnte vollständig aufzehren.
Mit der Entscheidung vom 27. März stellt der Bundestag die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend neu auf. Künftig sollen Sparer stärker von Aktien und ETF-Sparplänen profitieren können. Doch während die Reform mehr Renditechancen eröffnet, setzt der Gesetzgeber zugleich eine harte Grenze: die jährlichen Kosten dürfen ein Prozent nicht überschreiten.
Was auf den ersten Blick nach Verbraucherschutz klingt, könnte sich langfristig als trügerisch erweisen. Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox zeigen, dass selbst dieser gedeckelte Kostensatz die Renditevorteile der Förderung vollständig neutralisieren kann, insbesondere bei langen Anlagehorizonten.
Altersvorsorgedepot: Förderung wirkt – zumindest auf den ersten Blick
Die staatlichen Zuschüsse erhöhen die Sparleistung deutlich. Die Beispiel-Rechnung von Verivox verdeutlicht das:
- Ein 25-jähriger Anleger investiert monatlich 150 Euro in einen ETF-Sparplan
- Unterstellt wird eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent
- Bei einem kostenfreien Depot ergibt sich bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren ein Vermögen von rund 496.000 Euro
- Mit staatlicher Förderung steigt die monatliche Sparleistung rechnerisch auf 195 Euro.
- Komplett ohne Kosten würde das Endvermögen auf etwa 645.000 Euro anwachsen – ein Plus von rund 149.000 Euro.
Auch bei kürzeren Laufzeiten zeigt sich zunächst ein positiver Effekt:
- Ein heute 45-Jähriger käme ohne Förderung auf rund 98.000 Euro
- Mit Förderung wären es etwa 127.000 Euro
Der Mechanismus dahinter ist simpel: Zuschüsse erhöhen die investierte Summe, die wiederum vom Zinseszinseffekt profitiert.
Ein Prozent Kosten mit massiver Langzeitwirkung
Der entscheidende Faktor ist jedoch die Kostenquote. Denn diese wirkt nicht einmalig, sondern Jahr für Jahr auf das gesamte angesparte Vermögen. Sobald die gesetzlich erlaubte Kostenobergrenze ausgeschöpft wird, verschiebt sich das Bild deutlich:
- Beim 45-jährigen Sparer sinkt das Endvermögen auf rund 111.000 Euro
- Zwar liegt das noch über dem ungeförderten Szenario, doch fließen in 22 Jahren rund 16.000 Euro an Gebühren ab
Noch gravierender ist der Effekt bei jungen Sparern:
- Ein 25-Jähriger erreicht bei ein Prozent Kosten (mit Förderung 195 Euro monatlich) nur etwa 480.000 Euro
- Ungefördert (150 Euro monatlich, 0,2 Prozent Kosten) käme er auf rund 500.000 Euro
- Das sind rund 20.000 Euro weniger als beim Sparen ohne Förderung mit Kosten von beispielsweise 0,2 Prozent auf einen ETF-Sparplan
Der Grund ist der exponentielle Charakter der Kapitalanlage. Kosten reduzieren nicht nur das vorhandene Vermögen, sondern auch die zukünftigen Erträge darauf. Über Jahrzehnte entsteht so ein erheblicher negativer Zinseszinseffekt.
Paradigmenwechsel mit Nebenwirkungen
„Das neue Altersvorsorgedepot ist ein echter Paradigmenwechsel in der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Anders als bei der alten Riester-Förderung können Anleger ihr Geld künftig ohne teure Beitragsgarantien anlegen und zum Beispiel in einen breit gestreuten ETF-Sparplan investieren“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Die staatlichen Zuschüsse hebeln die eigenen Einzahlungen spürbar, so dass Anleger bis zur Rente im besten Fall deutlich mehr Vermögen aufbauen, als sie es aus eigener Kraft könnten.“
Doch die neuen Freiheiten gehen mit einer zentralen Bedingung einher: niedrige Kosten. Wird der Kostendeckel systematisch ausgereizt, kehrt sich der Vorteil der Förderung um.
Bei der Auswahl ihres Altersvorsorgedepots sollten Verbraucher daher die Kosten sehr genau im Blick haben, sagt Maier. „Es ist wichtig, ein Produkt zu wählen, das den gesetzlichen Deckel nicht voll ausreizt.“
Warum ein Prozent entscheidend ist
Ein Prozent klingt zunächst gering, entspricht aber bei langfristigen Anlagen einem erheblichen Eingriff in die Rendite. Bei langen Laufzeiten wirkt der Zinseszinseffekt gegen den Anleger, Gebühren fallen auf das gesamte Vermögen an, nicht nur auf Einzahlungen und der reale Vermögensverlust summiert sich über Jahrzehnte.
Damit wird der Kostensatz zur zentralen Stellgröße der Reform, wichtiger noch als die Höhe der Förderung selbst.
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6 Kommentare
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