Berkshire Hathaway hat im abgelaufenen Quartal eigene Aktien für 4,5 Milliarden Dollar zurückgekauft. Das teilte das Konglomerat aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska am Samstag mit. Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg handelt es sich um die größten Rückkäufe seit 2021. Zusätzlich erwarb der Konzern Aktien in Milliardenhöhe für sein Beteiligungsportfolio.

Gleichzeitig legte Berkshire beim laufenden Geschäft zu: Der operative Gewinn stieg um 16 Prozent. Diese Kennzahl umfasst die Ergebnisse der operativ tätigen Beteiligungen – etwa aus Versicherung, Bahn und Energie – ohne die Buchgewinne und -verluste aus der Bewertung des Aktienportfolios. Buffett hatte über Jahre darauf hingewiesen, dass der operative Gewinn die Entwicklung des Konzerns besser abbildet als der ausgewiesene Nettogewinn, der durch Kursschwankungen stark verzerrt werden kann.

Cash-Reserve sinkt um mehr als 30 Milliarden Dollar

Als Folge der Rückkäufe und Zukäufe sank die Cash-Reserve auf 365,5 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal hatte der Bestand an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen noch 397 Milliarden Dollar betragen. Der Rückgang markiert eine Wende: Über mehrere Jahre war der Liquiditätsberg des Konzerns immer weiter gewachsen, weil Buffett kaum Investments fand, die er für angemessen bepreist hielt.

Bei Anlegern kommt der Kurswechsel gut an. Viele Investoren hatten seit Jahren darauf gedrängt, dass Berkshire einen Teil der ungewöhnlich hohen Barmittel arbeiten lässt. Buffett hatte stattdessen große Teile des viel beachteten Aktienportfolios abgebaut und dabei Gewinne realisiert. Nach seinen eigenen Angaben suchte er durchaus nach Gelegenheiten – sei es über Übernahmen oder über Aktienkäufe –, hielt die Preise aber häufig für zu hoch.

Alphabet-Beteiligung ausgebaut

Bei den Investments setzt der Konzern erkennbar neue Schwerpunkte: Die Beteiligung an Alphabet wurde ausgebaut. Die Google-Mutter zählt damit zu den Positionen, die im Portfolio an Gewicht gewinnen. Berkshire hatte in der Vergangenheit lange gezögert, in großem Stil in Technologiekonzerne zu investieren, ehe sich das Portfolio unter Buffett schrittweise öffnete.

Abel drückt dem Konzern seinen Stempel auf

Greg Abel übernahm den Posten des Vorstandschefs im Januar von Warren Buffett. Der 95-jährige Starinvestor stand 60 Jahre lang an der Spitze von Berkshire Hathaway und ist weiterhin Chef des Verwaltungsrats. Der Übergang war über Jahre vorbereitet worden; Abel verantwortete zuvor die nicht zum Versicherungsgeschäft gehörenden Konzernbereiche.

Nach zwei Quartalen im Amt zeigt Abel nun, dass er eigene Akzente setzt – vor allem bei der Kapitalanlage. Aktienrückkäufe sind dabei ein direktes Signal an den Kapitalmarkt: Ein Unternehmen erwirbt eigene Anteile und zieht sie aus dem Umlauf. Dadurch verteilt sich der Gewinn auf weniger Aktien, der Gewinn je Aktie steigt rechnerisch. Berkshire zahlt traditionell keine Dividende, sodass Rückkäufe der wesentliche Weg sind, um Kapital an die Anteilseigner zurückzugeben. Buffett hatte solche Rückkäufe stets an eine Bedingung gebunden: Sie sollten nur erfolgen, wenn der Kurs aus Sicht des Managements unter dem inneren Wert des Konzerns liegt.

Was die Zahlen zeigen – und was nicht

Die Kombination aus höherem operativem Gewinn, größeren Rückkäufen und einer sinkenden Liquiditätsreserve beschreibt einen Konzern, der wieder stärker Kapital einsetzt, statt es zu parken. Wie nachhaltig dieser Kurs ist, lässt sich aus einem einzelnen Quartal nicht ableiten. Der hohe Barmittelbestand war für Berkshire über Jahre auch ein strategischer Puffer: Er erlaubte es, in Marktphasen mit fallenden Kursen kurzfristig große Summen zu bewegen, ohne auf Fremdkapital zurückgreifen zu müssen. Selbst nach dem Rückgang liegt die Reserve mit 365,5 Milliarden Dollar auf einem Niveau, das kaum ein anderer Konzern erreicht.

Berkshire Hathaway ist ein Beteiligungskonglomerat, das über Jahrzehnte Dutzende Unternehmen vollständig erworben hat und parallel ein börsennotiertes Aktienportfolio hält. Die Struktur macht die Quartalsberichte für den Kapitalmarkt aus zwei Gründen interessant: Sie geben Auskunft über die Ertragslage der operativen Töchter und offenbaren zugleich, welche Aktien das Management kauft oder verkauft. Genau diese Signalwirkung hat unter Abel nun eine neue Richtung erhalten – hin zu Rückkäufen im eigenen Haus und einem Ausbau der Alphabet-Position.

Quelle: Handelsblatt Schlagzeilen

Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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