Zwischen den Kapitalströmen in börsengehandelte Bitcoin-Fonds und der Kursentwicklung der Kryptowährung klafft derzeit eine Lücke. Die US-Spot-ETFs nahmen in einer Woche rund 857 Millionen Dollar auf, nachdem in der Vorwoche noch 61 Millionen Dollar abgeflossen waren. Der Kurs reagierte darauf kaum: Bitcoin notiert bei rund 65.100 Dollar und damit weiter unterhalb einer Marke, die er seit Wochen nicht überwinden konnte.
Stärkste Zuflusswoche seit Mitte April
Nach Daten des Analysehauses SoSoValue verbuchten die in den USA notierten Spot-ETFs zwischen dem 3. und 7. August netto 853,54 Millionen Dollar an Zuflüssen. Das ist die stärkste Woche seit Mitte April. Am Freitag kamen laut dem Finanzportal Benzinga weitere 98 Millionen Dollar hinzu. Die Verteilung ist dabei stark konzentriert: Auf BlackRocks IBIT entfielen 693 Millionen Dollar der Wochensumme, also rund 81 Cent von jedem eingesammelten Dollar. Die übrigen Anbieter teilten sich den Rest.
Trotz der Zuflüsse bleibt die Jahresbilanz der Produkte negativ. Auf Jahressicht liegen die Fonds 4,5 Milliarden Dollar im Minus – die Erholung der vergangenen Woche reicht also nicht aus, um die vorangegangenen Abflüsse auszugleichen.
Der Auslöser kam vom Arbeitsmarkt
Als Treiber der Zuflüsse gelten weniger charttechnische Signale als die US-Konjunkturdaten. Die US-Wirtschaft verlor im Juli 23.000 Stellen, erwartet worden waren 85.000 neue Stellen. Eine so deutliche Abweichung verschiebt die Erwartungen an die Geldpolitik: Nach Einschätzung des zugrunde liegenden Marktkommentars ist damit eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr praktisch vom Tisch. Für Anlageklassen ohne laufende Erträge – dazu zählt Bitcoin – gilt ein Umfeld sinkender oder stabiler Zinsen üblicherweise als günstiger, weil die Opportunitätskosten gegenüber verzinslichen Anlagen sinken.
Ein zweiter Faktor bleibt vorerst offen: Die Abstimmung über das als wichtigstes Vorhaben gehandelte Kryptogesetz in den USA findet erst im September statt. Bis dahin fehlt dem Markt ein regulatorischer Impuls.
Charttechnik ohne Richtung
Technisch zeigt sich ein Markt ohne klaren Trend. Bitcoin bleibt unter dem Widerstand bei 67.000 Dollar, im Kursverlauf hat sich ein Doppeltop gebildet – eine Formation aus zwei ähnlich hohen Verlaufshochs, die Analysten als Hinweis auf nachlassende Kaufkraft lesen. Zusätzlich ist der Trendstärkeindikator ADX auf 11 gefallen. Der ADX (Average Directional Index) misst nicht die Richtung, sondern die Stärke einer Bewegung; Werte im niedrigen Zehnerbereich gelten als Ausdruck eines richtungslosen Marktes.
Nach unten liegt die nächste Unterstützung bei rund 63.900 Dollar. Gibt diese Zone nach, rückt die Marke von 60.000 Dollar in den Blick. Nach oben müsste der Kurs zunächst die 67.000-Dollar-Hürde überwinden, um das Doppeltop zu entkräften.
Die Abstände in Zahlen
Vom aktuellen Niveau aus lassen sich die Distanzen nüchtern beziffern: Von 65.100 auf 80.000 Dollar sind es 23 Prozent, bis zum alten Hoch bei 126.000 Dollar wären es 94 Prozent. Der Marktwert von Bitcoin wird im Quellmaterial mit 1,3 Billionen Dollar angegeben. Diese Größe ist ein zentraler Punkt für die Einordnung von Zuflusszahlen: Ein dreistelliger Millionenbetrag pro Woche fällt gegenüber der Gesamtkapitalisierung nur begrenzt ins Gewicht – ein Grund, warum sich starke ETF-Wochen nicht zwangsläufig unmittelbar im Kurs abbilden.
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Was den Markt kurzfristig bewegen dürfte
Für die kommenden Wochen bleiben zwei Beobachtungsgrößen bestimmend: die Entwicklung der ETF-Nettoflüsse, die zuletzt binnen einer Woche von 61 Millionen Dollar Abfluss auf einen dreistelligen Millionenzufluss umschwenkten, und die anstehende Zinssitzung. Hinzu kommt der Gesetzgebungstermin im September. Solange der Kurs zwischen der Unterstützung bei 63.900 Dollar und dem Widerstand bei 67.000 Dollar verharrt und der ADX auf niedrigem Niveau bleibt, ist die Datenlage laut den zitierten Auswertungen richtungsoffen.
Quelle: Nachrichten Ticker – www.wallstreet-online.de
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