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China verknappt gezielt die Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Dazu gehört auch Wolfram. Ein Unternehmen hält dagegen.

Vor fast einem Jahr hat die chinesische Regierung neue Exportbeschränkungen auf eine Reihe von kritischen Rohstoffen gelegt. Unter anderem traf diese Entscheidung das Metall Wolfram. Im Westen begannen die Händler, massiv zuzukaufen, um die Bestände zu decken. Eine drastische Preissteigerung folgte. Jetzt hat in Südkorea eine neue Mine den Betrieb aufgenommen – und könnte für Entlastungen sorgen. 

Was Wolfram so wichtig macht

Dabei stellt sich zuerst die Frage: Was ist Wolfram? Das Schwermetall zeichnet sich durch hohe Hitzebeständigkeit aus. Es kommt in Bohrern und in der Metallverarbeitung vor, daneben spielt Wolfram eine Rolle in Stahllegierungen für die Rüstungsindustrie, in Munition und in Panzerungen. Hier eine kurze Übersicht für Wolfram-Anwendungen:

  • Hartmetallwerkzeuge (Bohrer, Schneidgeräte)
  • Glühfäden in Lampen
  • Raketendüsen
  • Bauteile in der Röntgentechnik und im Strahlenschutz
  • Schmuckelemente
  • Zahnbohrer

Die Medizintechnik, die Chipfertigung und moderne Batterietechnologie kommen ohne Wolfram ebenfalls nicht aus. Ähnlich verhält es sich mit vielen seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen. Es braucht zwar oft nur vergleichsweise geringe Mengen pro Produkt, aber ohne die würden ganze Zweige der Wirtschaft nicht mehr funktionieren. Bei deutlichen Preissteigerungen der Basisrohstoffe besteht stets ein Risiko, dass die Hersteller diese erhöhten Kosten an die Kunden weitergeben.

Wolfram-Markt in der Krise: China nutzt Quasi-Monopol aus

Der ganze Markt steckt seit Monaten in der Krise. Grund dafür ist die Verknappung des Angebots durch China. Seitdem sich der Handelskrieg zwischen den USA und China hochschaukelt, hat Peking zunehmend von seiner Marktmacht im Bereich kritische Rohstoffe Gebrauch gemacht und versucht, geopolitische Interessen durchzusetzen. Meistens ist dabei von den berüchtigten seltenen Erden die Rede, zu denen Wolfram nicht gehört. Allerdings steht es gleichermaßen auf der Liste der kritischen Rohstoffe der Europäischen Union. China kontrolliert sowohl beim Abbau als auch bei der Verarbeitung hohe Anteile der globalen Kapazitäten.

Die Ausfuhr aus China ist zwar nicht direkt verboten, aber Exporteure müssen bei der chinesischen Regierung eine Erlaubnis einholen, wenn sie das Material ausfahren wollen. Das sorgt seit Monaten für teils massive Verzögerungen oder gar Ablehnungen beim Export.

Dieses Unternehmen will bei Wolfram entlasten

Darum versucht die Europäische Union derzeit, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen und seltenen Erden auch ohne eine Abhängigkeit von China zu sichern. Der Critical Raw Materials Act legt fest, dass langfristig bestimmte inner-europäische Anteile beim Einkauf, bei der Produktion und beim Recycling wichtiger Rohstoffe gelten sollen. Zum Beispiel sollen bis 2030 etwa 40 Prozent der Rohstoffe in der Verarbeitung aus heimischer Kapazität stammen. Im selben Jahr dürfen nicht mehr als 65 Prozent des jährlichen Verbrauchs innerhalb der EU von einem einzelnen Drittland stammen.

„Die Situation hat sich kaum verändert“, sagt Lewis Black, CEO des in New York ansässigen Minenunternehmens Almonty Industries, zu FOCUS online. Sein Unternehmen will in einer koreanischen Mine Wolfram abbauen und so den Markt entlasten. „Abgesehen von Almonty gibt es im Westen keine neuen Wolframprojekte, die kurzfristig Wolfram liefern könnten.“ Was er bemerkenswert findet: In den Kaufverträgen basieren die Bedingungen oft auf aktuellen Weltmarktpreisen. Das zeige, „dass die Versorgung mit Wolfram für die Industrie Priorität hat und der Preis zweitrangig ist“.

Innerhalb Europas sind es vor allem Portugal und Spanien, die Wolfram-Projekte anziehen. Ein Beispiel ist das spanische El-Moto-Projekt, das aber erst 2027 mit der Förderung beginnen will und auf massive weitere Investments angewiesen ist.

Minenunternehmen will in Korea Wolfram abbauen

Almonty will die Sangdong-Mine in der koreanischen Gangwon-Provinz wiederbeleben. In den Neunzigern hatte sie wegen Preis-Dumping aus China ihren Betrieb eingestellt. Nun soll sie etwa 90 Jahre lang wieder arbeiten und wirft nach Angaben des Unternehmens Erz mit einem dreimal so hohen Wolframoxid-Gehalt ab als im internationalen Durchschnitt. 

Davon soll auch Europa profitieren. Zwar bestehen die Kaufverträge mit Kunden in den Vereinigten Staaten und Südkorea, aber Black erklärt: „Da jedoch auch die europäischen Nato-Mitglieder Rüstungsgüter in den Vereinigten Staaten erwerben, tragen wir indirekt auch zu einer Verbesserung der Lage in der EU bei.“ Das ist jedoch keineswegs garantiert. Durch die Politik des US-Präsidenten Donald Trump haben mehrere europäische Länder bereits Misstrauen gegenüber Käufen von US-Equipment geäußert.

Außerdem plant Almonty den Ausbau der portugiesischen Panasqueira-Mine. Das soll die Kapazität weiter erhöhen, was dringend notwendig sei, aber auch mit einer etwas entspannteren Lage steht der Wolframmarkt noch unter Druck. „Der Preis für Wolfram ist allein in den letzten zwölf Monaten von 335 US-Dollar auf annähernd 1000 US-Dollar gestiegen“, mahnt Black. Ein Fall unter 1000 Euro sei auf mehrere Jahre nicht in Sicht.

„Ablehnende Haltung“ der Behörden bei Wolfram-Abbau

Mit der Panasqueira-Mine gibt es jedoch einige speziell europäische Schwierigkeiten. „Der Westen im Allgemeinen, aber insbesondere die EU, muss damit beginnen, Genehmigungen für neue Bergwerke zu erteilen“, bemängelt Black. Es gehe dabei nicht um ESG-Standards, diese können die modernen Bergwerke problemlos erreichen, aber die Genehmigungsverfahren seien zu langsam und zu unberechenbar. 

„Almonty verfügt über Wolframvorkommen in Spanien, die nicht in Produktion sind, weil die spanischen Behörden uns seit Jahren im Genehmigungsverfahren blockieren“. Black wirft den Regulierungsbehörden eine „tief verwurzelte ablehnende Haltung“ gegenüber dem Bergbau vor.

Lösen von China – Europas Strategie braucht Zeit

Um die Abhängigkeit von China zu lösen, sucht Europa, wie eingangs erwähnt, nach anderen Handelspartnern. Unter anderem steht bereits ein entsprechendes Abkommen mit Kanada. Wirtschaftsvertreter haben sich außerdem schon an einige Russland-Anrainerstaaten in Asien gewandt. Wegen ihrer Bedeutung für Zukunftstechnologien sind seltene Erden im 21. Jahrhundert mit die wichtigsten Rohstoffe.

Wie geht es mit der südkoreanischen Mine weiter? Die kommerzielle Produktion in Sangdong soll noch im ersten Quartal 2026 beginnen und, aufs Jahr gerechnet, rund 640.000 Tonnen an Erz pro Jahr produzieren. Der Wolframoxid-Output soll sich auf 230.000 Tonnen im Jahr belaufen. Schon im zweiten Jahr plant Almonty, den Output sowohl beim Erz als auch beim Wolframoxid zu verdoppeln.

Lars-Eric Nievelstein

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18 Kommentare

  1. Der Critical Raw Materials Act der EU, der bis 2030 40% der Verarbeitungskapazität aus heimischen Quellen sichern will, klingt ambitioniert. Welche konkreten Maßnahmen werden ergriffen, um diese Ziele zu erreichen, und wie realistisch sind sie angesichts der aktuellen Situation?

  2. Die neue Mine in Südkorea ist ein Hoffnungsschimmer, aber es ist fraglich, ob sie den steigenden Bedarf decken kann, der durch die ‚massiven Zukäufe‘ der westlichen Händler entstanden ist. Eine genauere Analyse der Produktionskapazität wäre interessant.

  3. Jonas M. Schmidt am

    Es ist besorgniserregend, dass die Preissteigerungen bei Wolfram potenziell an die Kunden weitergegeben werden. Das könnte zu einer Inflation in verschiedenen Branchen führen.

  4. Der Artikel erwähnt den Handelskrieg zwischen den USA und China als einen Auslöser für die chinesische Strategie. Wie hat sich dieser Konflikt konkret auf die Verfügbarkeit von Wolfram ausgewirkt?

  5. Die Tatsache, dass nur geringe Mengen Wolfram pro Produkt benötigt werden, aber ohne ihn ganze Wirtschaftszweige nicht funktionieren, macht die Situation besonders prekär. Eine kleine Störung kann also große Auswirkungen haben.

  6. Ich frage mich, ob die Hersteller von Produkten, die Wolfram benötigen, bereits alternative Materialien erforschen. Die langfristige Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten ist offensichtlich riskant.

  7. Die Beschreibung der Verzögerungen und Ablehnungen von Exportgenehmigungen in China klingt nach einer gezielten Strategie, um den Preis zu treiben. Gibt es Beweise für eine direkte Verbindung zwischen geopolitischen Spannungen und diesen Entscheidungen?

  8. Die Tatsache, dass China die Exporterlaubnis für Wolfram benötigt, um Exporte zu ermöglichen, erinnert stark an eine wirtschaftliche Erpressung. Wie zuverlässig sind die Angaben zur tatsächlichen Verfügbarkeit von Wolfram in China, wenn die Regierung solche Kontrollen ausübt?

  9. Es ist beunruhigend, dass China seine Marktmacht bei kritischen Rohstoffen wie Wolfram nutzt, um geopolitische Interessen durchzusetzen. Das zeigt, wie anfällig wir für solche Praktiken sind und wie wichtig Diversifizierung ist.

  10. Emma E. Wagner am

    Ich bin gespannt, wie sich die Situation mit Wolfram weiterentwickelt und ob die EU ihre Ziele im Critical Raw Materials Act erreichen kann. Die Abhängigkeit von China ist eine große Herausforderung.

    • Ich stimme zu. Die 65%-Grenze für den Eigenanteil bis 2030 wird schwer zu halten sein, wenn nicht massiv in neue Kapazitäten investiert wird.

  11. Ich finde es gut, dass Südkorea mit der neuen Mine versucht, eine Alternative zu China aufzubauen. Aber wird die Kapazität dieser einen Mine ausreichen, um den Bedarf des Westens signifikant zu decken, insbesondere wenn man die 23% Tourismussteigerung in Zypern als Beispiel für steigende Nachfrage betrachtet?

  12. Die Abhängigkeit von China bei sowohl Abbau als auch Verarbeitung von Wolfram ist ein großes Problem. Wie können europäische Unternehmen in diese Bereiche investieren, um die Kontrolle zurückzugewinnen?

  13. Die Erwähnung von Hartmetallwerkzeugen, Glühfäden und Rüstungsanwendungen zeigt, wie breit gefächert die Abhängigkeit von Wolfram ist. Das bedeutet, dass die Preissteigerungen nicht nur eine Branche treffen, sondern potenziell die gesamte Wirtschaft beeinflussen könnten.

  14. Die Tatsache, dass Wolfram in der Chipfertigung benötigt wird, macht die Verknappung besonders kritisch im Hinblick auf die technologische Souveränität des Westens. Hier muss dringend gehandelt werden.

  15. Die Tatsache, dass Wolfram in der Röntgentechnik und im Strahlenschutz verwendet wird, unterstreicht seine Bedeutung für sensible Bereiche. Wie werden diese Bereiche durch die Verknappung und Preissteigerungen beeinflusst?

  16. Die Verwendung von Wolfram in Munition und Panzerungen erklärt, warum die Rüstungsindustrie besonders von der Verknappung betroffen ist. Das hat auch Auswirkungen auf die geopolitische Sicherheit.

  17. Die Information, dass Wolfram zwar kein seltenes Erdmetall ist, aber dennoch auf der Liste der kritischen Rohstoffe der EU steht, ist wichtig. Das zeigt, dass auch Rohstoffe, die nicht extrem selten sind, strategisch relevant sein können.

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