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Kernaussagen
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Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest erklärt, warum es nur ein Mini-Wachstum geben wird. Langfristig sieht er wegen der Energiepolitik für einen ganzen Sektor keine Zukunft in Deutschland.
Früher gab es Wahrsager, Sterndeuter und Propheten: Heute gibt es Prof. Clemens Fuest.
Der Chef des ifo-Instituts liest keine Handlinien und schaut nicht in die Sterne – er verdichtet die von seinen Forschern abgefragte Stimmung in der deutschen Wirtschaft und die Zahlen der Statistikbehörden zu einer Konjunkturprognose, die für den Kanzler, die Wirtschaftsministerin und die Vorstände der großen Firmen den Nordstern bildet.
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Gestern korrigierte er die Wachstumsprognose auf 0,8 Prozent in 2026 und die Inflation sieht er zwischen 2,2 und 2,5 Prozent. Deutschland würde ohne die staatliche XXL-Verschuldung gar nicht wachsen, sondern schrumpfen. Grund genug, ihn detailliert zu befragen – immerhin hat er die Verschuldung (mit seinem wissenschaftlich grundierten Plädoyer für eine Reform der Schuldenbremse) gewissermaßen freigezeichnet.
Herr Prof. Fuest, Deutschland wächst kaum noch. Aber woher kommt das Mini-Wachstum?
Prof. Clemens Fuest: Das bisschen Wachstum, das wir jetzt sehen, diese 0,8 Prozent, kommt im Grunde ausschließlich aus Staatsausgaben, aus den Ausweitungen des staatlichen Engagements. Wir haben keinen Aufschwung im privaten Sektor.
Die Staatsquote beträgt schon heute 50 Prozent. Kann man das noch Marktwirtschaft nennen?
Fuest: Tatsächlich waren wir nie eine reine Marktwirtschaft, sondern schon immer ein Mischsystem. Und man kann schon die Frage stellen, wie lange das funktioniert, wenn der öffentliche Sektor sich immer weiter ausbreitet.
Wären Massenentlassungen in der staatlichen Bürokratie dem Land nicht bekömmlicher als Massenentlassungen bei Bosch, VW und Mercedes?
Fuest: Das könnte die Konsequenz sein.
Die Wirtschaft hat versprochen, dem Kanzler zu helfen – mit über 600 Milliarden Investitionen beim großen Investitionsgipfel. Glauben Sie daran, dass dieses zusätzliche Geld fließt?
Fuest: Die waren schlau genug, das Wort „zusätzlich“ nicht zu verwenden. Fakt ist: Die Investitionen in Deutschland sinken, und zwar die Investitionen des privaten Sektors. Und die sind auch im letzten Quartal weiter gesunken. Also, da ist noch nichts gekommen.
Die globalen Gewichte verschieben sich: Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Entwicklung Chinas?
Fuest: China hat ein strukturelles Problem. Das Land investiert etwa 40 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, wächst aber nur um etwa fünf Prozent. Das deutet darauf hin, dass viel Kapital ineffizient eingesetzt wird – etwa im Immobiliensektor. Das kann eine Zeit lang funktionieren, besonders in einem autoritären System. Aber langfristig ist das schwer durchzuhalten.
Infolge des Iran-Kriegs haben sich die Aussichten für Wachstum und Inflation weiter eingetrübt. Wie wird die EZB reagieren?
Fuest: Die Inflation könnte steigen. Die EZB hat dann zwei Möglichkeiten: Sie kann sagen, der Effekt ist vorübergehend und wir reagieren nicht. Oder sie greift ein, um Zweitrundeneffekte zu verhindern, etwa steigende Lohnforderungen. Ich vermute, dass die EZB dazu neigen wird, die Zinsen früh zu erhöhen. Sie hat beim letzten Mal zu spät reagiert und möchte diesen Fehler nicht wiederholen.
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In der öffentlichen Debatte geht es oft um die Arbeitszeit als Allheilmittel für Wirtschaftswachstum. Die Jüngeren würden weniger arbeiten als die Älteren. Mythos oder Wahrheit?
Fuest: Mythos. Alle arbeiten weniger, aber dass die junge Generation nicht arbeiten will, ist eine Sache, die man wissenschaftlich nicht nachweisen kann.
Und dass die hohen Schulden hohes Wachstum erzeugen: Mythos oder Wahrheit?
Fuest: Mythos. Schulden sind eine Sache, die man irgendwann zurückzahlen muss, die also mit Zinsen belastet ist. Das ist etwas, was das Wachstum verlangsamt. Wenn Leute über Schulden reden, meinen sie oft Investitionen. Das sind aber zwei verschiedene Dinge. Investitionen sind gut fürs Wachstum, wenn sie effizient sind, aber Schulden sind eigentlich nur schlecht.
Blick nach vorne: Wenn Sie einen Zauberstab besitzen würden, was würden Sie als Kern vom Kern einer Reformpolitik tun?
Fuest: Wir haben uns überreguliert, wir sind kaum bewegungsfähig und ich glaube, wir könnten schon viel bewegen, wenn wir das ändern.
Und die Energiefrage, die sich angesichts der Turbulenzen an den Ölmärkten nochmal verschärft stellt?
Fuest: Man kann das jetzt bedauern, dass wir die Energie verknappt haben in Deutschland. Aber das ist nicht reversibel, da hat Kanzler Friedrich Merz recht. Jetzt neue Kernkraftwerke zum Beispiel bauen, das wäre sehr, sehr teuer, das würde ewig dauern. Das hilft uns jetzt nicht.
Was hilft dann?
Fuest: Wir müssen den Ausbau der erneuerbaren Energien anders organisieren, wie Frau Reiche zu Recht sagt. Aber auch das wird dauern. Wir haben uns entschieden, ein Land zu sein, in dem Energie knapp ist. Das haben wir politisch alle gemeinsam so gewählt und die Konsequenzen müssen wir jetzt tragen.
Heißt was?
Fuest: Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns.
Das ist eine brutale Durchsage.
Fuest: Ich würde gern etwas anderes sagen. Aber das hat Deutschland so entschieden.
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6 Kommentare
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"Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns"
Finanzen100
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