Listen to the article
Kernaussagen
🌐 Translate Article
📖 Read Along
💬 AI Assistant
Chinas E-Auto-Offensive ist in Südamerika in vollem Gange, die Europäer stehen sich beim EU-Mercosur-Freihandelsvertrag noch immer selbst im Weg. Das Rennen um den Zukunfgtsmarkt ist eröffnet.
Jung, smart und zukunftsorientiert sind Philipe (23) und Carlos Alberto Andrade (26). Außerdem sind sie die Erben des brasilianischen Andrade-Autoimperiums CAOA. Das wurde1979 von ihrem Vater Carlos Alberto de Oliveira Andrade gegründet – der Firmenname steht für die Initialen des Gründers. CAOA verteibt verschiedene asiatische Automarken, darunter auch der chinesische Autobauer Chery.
Die nachfolgende Generation stellt schon jetzt die Weichen für die Zukunft. Wie das Magazin „Valor“ jüngst berichtete, plant der Konzern in diesem Jahr mit der Produktion von Fahrzeugen einer weiteren chinesischen Marke zu beginnen: Changan
Ende 2030 soll jeder fünfte Neuwagen in Brasilien aus China stammen
Im zentralbrasilianischen Anápolis gelang es, die Produktion von 30.000 Wagen 2023 im Folgejahr zu verdoppeln. Für das gerade zu Ende gegangene Jahr 2025 wird eine Steigerung auf 70.000 Fahrzeuge erwartet. Gearbeitet wird hier rund um die Uhr.
Das Unternehmen ist noch kein Gigant am Markt, aber es zeigt, dass die Dinge in Bewegung geraten. Ende 2030 wird jeder fünfte Neuwagen in Brasilien aus China stammen, berichtet die Zeitung „Estadao“ unter Berufung auf eine Studie von Bright.
Argentinien erlebt historische Ankunft
Das gilt auch für Argentinien. Dort legte vor wenigen Tagen der chinesische Autofrachter „BYD Changzhou“ an.
Bis zu 7000 Fahrzeuge finden auf dem riesigen Schiff Platz, das speziell für den Transport der Autos aus chinesischer Produktion gebaut ist.
BYD begann 2025 mit dem Vertrieb seiner Fahrzeuge in Argentinien
Insgesamt sind laut Medienberichten 5841 Fahrzeuge am wichtigsten Binnenhafen in der Provinz Buenos Aires angekommen, strategisch günstig gelegen am Fluss Paraná. Darunter nicht nur reine E-Fahrzeuge, sondern auch ein hybrides SUV-Modell.
BYD begann im vergangenen Jahr mit dem Vertrieb seiner Fahrzeuge in Argentinien, verzichtet dabei auf nationale Partner, sondern vertraut einer Tochtergesellschaft. Die Wertschöpfungskette bleibt also nahezu komplett in chinesischer Hand.
E-Auto-Boom in Uruguay
Mittelfristiges Ziel ist der Export von 50.000 Autos pro Jahr. Das hat einen handfesten Hintergrund. Die Regierung des libertären Präsidenten Javier Milei liberalisierte den Markt für Hybrid- und Elektroautos Stück für Stück und setzte eine Quote von 50.000 Autos pro Jahr fest, für die kein 35-prozentiger Einfuhrzoll bezahlt werden muss. Das von der Regierung organisierte Programm könnte bis einschließlich 2029 laufen, damit könnten 250.000 Autos zollfrei ins Land eingeführt werden.
Auch das Mercosur-Land Uruguay verzeichnet einen Boom beim Verkauf von Elektroautos: 147 Prozent Wachstum im Jahr 2025. Das berichtet der uruguayische Automobilverband ACAU, in dem 26 der größten Unternehmen der Automobilbranche vertreten sind, in seinem Jahresbericht.
„Für die Automobilindustrie eröffnet ein EU-Mercosur-Abkommen erhebliche Chancen”
Die Ankunft der chinesischen Fahrzeuge bedeutet den Beginn eines harten Wettbewerbs auf dem lateinamerikanischen Markt. Die europäischen Unternehmen hatten gehofft, dass durch den EU-Mercosur-Freihandelsvertrag ihre Position in den südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay gestärkt werden könnte.
Doch dann machte das EU-Parlament den Plänen vorläufig einen Strich durch die Rechnung und schickte das Abkommen zur rechtlichen Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof. Zwar soll das Abkommen trotzdem erst einmal gelten, doch es bleibt ein rechtlicher Unsicherheitsfaktor und das Signal, dass Europa kein zuverlässiger Partner bei ausgehandelten Abkommen ist.
Zollabbau durch Freihandel
„Für die Automobilindustrie eröffnet ein EU-Mercosur-Abkommen erhebliche Chancen. Besonders bedeutsam ist der Abbau bislang hoher Zölle im Mercosur. Diese liegen derzeit bei 14 bis 18 Prozent auf Kfz-Teile und bei bis zu 35 Prozent auf Pkw. Gleichzeitig schaffen die Zollsenkungen der EU neue Exportmöglichkeiten für Mercosur-Länder und stärken deren wirtschaftliche Entwicklung“, teilte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) der Deutschen Welle mit.
Im Wettbewerb um den globalen Automarkt verschieben sich die Kräfteverhältnisse
Für die Entscheidung des EU-Parlaments hat der Verband wenig Verständnis. Der DW sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller: „Die Annahme der Resolution zur gerichtlichen Überprüfung des EU-Mercosur-Abkommens im Europäischen Parlament ist ein verheerendes Zeichen. Sie kann das Inkrafttreten des Abkommens nun erheblich, eventuell sogar um Jahre, verzögern.“
Die müsse rasch endgültige Klarheit über eine vorläufige Anwendung des Abkommens zu schaffen.
Deutschland hat viel zu verlieren
Laut VDA-Angaben gibt es derzeit 310 Standorte deutscher Automobilunternehmen in der Mercosur-Zone. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Zuliefererbetriebe mit lokalen Arbeitsplätzen.
Deutsche Hersteller haben im ersten Halbjahr 2025 in Mercosur – konkret in Brasilien und Argentinien – 289.200 Pkw produziert, 18.400 Fahrzeuge wurde aus Europa in den Mercosur-Raum exportiert.
Im Wettbewerb um den globalen Automarkt verschieben sich die Kräfteverhältnisse ähnlich schnell wie die geopolitischen Machtstrukturen. Der Kampf um die beiden größten südamerikanischen Märkte ist eröffnet.
Von Tobias Käufer (Buenos Aires)
Das Original zu diesem Beitrag „Der Kampf um den E-Automarkt Südamerika“ stammt von Deutsche Welle.
Den vollständigen Artikel hier lesen


5 Kommentare
Great insights on News. Thanks for sharing!
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Solid analysis. Will be watching this space.
Interesting update on Der Kampf um den gigantischen E-Auto-Markt in Südamerika ist eröffnet. Looking forward to seeing how this develops.
Good point. Watching closely.