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Nach Jahren der Flaute benötigt die deutsche Wirtschaft dringend einen Aufschwung. Doch trotz massiver Investitionspläne der Regierung sehen viele Wirtschaftsexperten wenig Grund für Optimismus.
Die Rückkehr zum Wirtschaftswachstum in Deutschland wird im Jahr 2026 verschiedenen Wirtschaftsprognosen zufolge langsamer und schwächer ausfallen als bisher erwartet. Die einstige Wirtschaftsmacht Europas befindet sich mitten in einer anhaltenden Konjunkturflaute.
Schon seit Ende 2022 steckt das Land in einer Rezession. Für 2025 wird von einem moderaten Wachstum von etwa 0,1 Prozent ausgegangen.
Deutsche Bundesbank senkte Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent
Viele Wirtschaftsexperten gehen von einem stärkeren Wachstum im Jahr 2026 aus, doch Zweifel an den geplanten Investitionsvorhaben der Berliner Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz lassen die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung schwinden.
Vor Weihnachten senkte die Deutsche Bundesbank ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,7 Prozent im Juni auf 0,6 Prozent. Die Zentralbank geht jedoch davon aus, dass sich das Tempo der Wirtschaftstätigkeit ab dem zweiten Quartal 2026 beschleunigen wird und hob ihre Vorhersage für 2027 auf 1,3 Prozent an.
„Die deutsche Wirtschaft passt sich nur langsam und kostspielig an“
Diese zurückhaltende Wachstumsprognose der Bundesbank deckt sich mit anderen Analysen. Auch das deutsche ifo-Institut korrigierte vor kurzem seine Wachstumsprognose für 2026 nach unten, auf 0,8 Prozent.
„Die deutsche Wirtschaft passt sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle nur langsam und kostspielig an“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung und -prognosen beim ifo Institut.
In den vergangenen Jahren hatte die deutsche Wirtschaft an mehreren Fronten zu kämpfen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine legte offen, wie abhängig die Wirtschaft von russischem Gas ist, und die Abkehr davon erweist sich als schwierig und kostspielig.
US-Zölle und Veränderungen der geopolitischen Beziehungen zu China, das über Jahre Deutschlands wichtigster Markt war, belasten das exportorientierte deutsche Wirtschaftsmodell ebenfalls.
China, das früher ein williger Abnehmer deutscher Produkte zum Beispiel der Autoindustrie war, konkurriert mittlerweile nicht nur in verschiedenen Bereichen mit Deutschland, sondern überflügelt es.
Die allgemeinen Probleme, die Deutschland mit der Deindustrialisierung und unzureichenden Investitionen hat, werden dadurch nur verschärft. Erschwert durch strenge Ausgaben- und Kreditregeln wurden Investitionen jahrzehntelang vernachlässigt.
Das führte zu zahlreichen Schwierigkeiten, angefangen mit der bröckelnden Infrastruktur bis hin zu einer nur schleppend vorankommenden Digitalisierung.
Die Regierung verspricht Investitionen
Friedrich Merz und seine Partei, die CDU, gewannen die Wahlen im Februar 2025 auch wegen ihres Versprechens, eine groß angelegte Investitionsoffensive zu starten. Die Schuldenbremse wurde gelockert, um Pläne für Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur in Höhe von bis zu einer Billion Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre durchzusetzen.
Doch nicht nur in Deutschland bestehen Zweifel daran, wie effektiv diese Offensive sein wird. Die Einschätzung der Wachstumsaussichten Deutschlands durch den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der die Regierung unabhängig berät, fiel im November düster aus. Vor den Ausgabeplänen wurde gewarnt.
„Wachstumschancen könnte verspielt und die langfristige Schuldentragfähigkeit des deutschen Staates gefährdet werden“
Die Regierung riskiere, die Investitionen zu verspielen, da zu viele der zusätzlichen Finanzmittel darauf verwendet würden, für Renten und Sozialausgaben aufzukommen – eine Kritik, die auch schon von der Bundesbank und verschiedenen deutschen Wirtschaftsinstituten geäußert wurde.
Ändere die Regierung ihren Kurs nicht, „könnten Wachstumschancen verspielt und die langfristige Schuldentragfähigkeit des deutschen Staates gefährdet werden“.
Der potenzielle Erfolg der eine Billion Euro teuren Investitionsoffensive von Merz spielt in vielen Wirtschaftsprognosen für 2026 eine zentrale Rolle. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, geht davon aus, dass es mit dem Wachstum ab dem zweiten Quartal 2026 nach oben geht, hauptsächlich aufgrund von Ausgaben der Regierung und einem Wiederaufleben der Exporte.
Die staatliche Nachfrage werde durch zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stark angekurbelt, sobald die Konjunkturprogramme ab der zweiten Hälfte des Jahres 2026 greifen.
88 Ökonomen sicher: Hoffnungen Europas auf wirtschaftliche Erholung von deutschen Plänen abhängig
Die Deutsche Bank äußert in ihrer Prognose Zweifel an der Geschwindigkeit, mit der die staatlichen Ausgaben zum Einsatz kommen und wie nachhaltig ihr Effekt auf das Wachstum des Bruttoinlandprodukts sein wird. Zwar dürfte die expansive Fiskalpolitik kurzfristig zu einem Aufschwung führen, ihre Auswirkungen auf das potenzielle Wachstum seien jedoch möglicherweise begrenzt, merkt sie an. Dies sei darauf zurückzuführen, dass große Teile der zusätzlichen Schulden für höhere Sozialausgaben und Subventionen verwendet würden.
Nicht nur Deutschland hofft auf einen Booster durch die fiskalische Expansion. Die „Financial Times“ befragte kürzlich 88 Ökonomen, von denen viele der Ansicht waren, dass die Hoffnungen Europas auf eine wirtschaftliche Erholung von den deutschen Plänen abhingen.
Aktuelle Umfragen zur Stimmung in der Wirtschaft lassen keinen großen Optimismus erkennen, viele Unternehmen blicken weiterhin pessimistisch auf das erste Halbjahr 2026. Es hat jedoch den Anschein, als würden sich die Dinge langsam verbessern. Etwa 40 Prozent der in den letzten Wochen des Jahres 2025 vom Institut der deutschen Wirtschaft befragten Unternehmerverbände erwarten für 2026 einen Anstieg von Verkaufszahlen und Produktion, während weitere 40 Prozent davon ausgehen, dass das Niveau unverändert bleibt.
Mehr Arbeitstage im Jahr 2026
Ein potenzieller Wachstumsimpuls für 2026, der noch keinen Eingang in die Prognose der Bundesbank gefunden hat, ist der Anstieg der Arbeitstage. 2026 müssen deutsche Arbeitnehmer im Schnitt 250,5 Tage arbeiten, 2,4 mehr als 2025, weil mehrere Feiertage auf das Wochenende fallen. So hoch war die Anzahl der Arbeitstage laut Statistischem Bundesamt seit 2022 nicht mehr.
Dieses Mehr an Arbeitstagen könnte das Bruttoinlandsprodukt 2026 um 0,3 Prozent steigen lassen, so die Bank ING, doch ein langfristiger Trend ist das nicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft, das die zusätzlichen Arbeitstage ebenfalls nicht berücksichtigt, sagt für 2026 ein Wachstum von 0,9 Prozent voraus.
Neuverschuldung und Staatsschulden
Beim Blick über das Jahr 2026 hinaus gibt ein Bereich Anlass zu anhaltenden Zweifeln: die Verschuldung Deutschlands. Bis 2035 könnten die Staatsschulden von jetzt 63 Prozent auf 85 Prozent des Bruttoinlandprodukts steigen, hatten die Wirtschaftsweisen im November gewarnt. Würden Wachstumschancen verpasst, könnte „die langfristige Schuldentragfähigkeit des deutschen Staates gefährdet werden“.
Die Neuverschuldung der deutschen Regierung wird 2026 voraussichtlich die Marke von 180 Milliarden Euro überschreiten, also mehr als 4 Prozent des BIP betragen. Annahmen der Regierung zufolge wird das Haushaltsdefizit – die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen in einem bestimmten Jahr – dann 4,75 Prozent des BIP erreichen.
Die Deutsche Bank und andere warnen davor, dass die Verschuldung und langfristigen Finanzierungspläne Deutschlands angesichts der deutlich steigenden Renten- und Zinskosten in den kommenden Jahren unter Druck geraten werden.
Die Verhandlungen für den Haushalt 2027 könnten angesichts des schrumpfenden Haushaltsspielraums zu einer weiteren Bewährungsprobe für den Zusammenhalt der Regierung werden, so die Bank.
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.
Von Arthur Sullivan
Das Original zu diesem Beitrag „Kann Deutschland 2026 der Wirtschaftsflaute entkommen?“ stammt von Deutsche Welle.
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22 Kommentare
Es ist gut, dass die Schuldenbremse gelockert wurde, aber reicht das wirklich aus, um die dringend benötigten Investitionen zu finanzieren? Ich befürchte, es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ich bin skeptisch, ob die Investitionsoffensive der CDU unter Merz die erhofften Ergebnisse bringen wird. Bisher sehe ich wenig konkrete Maßnahmen, die wirklich etwas bewegen.
Ich teile Ihre Skepsis. Die Ankündigungen sind groß, aber die Umsetzung scheint schwierig zu sein, besonders angesichts der bürokratischen Hürden.
Die Abhängigkeit von russischem Gas war ein strategischer Fehler. Wir müssen jetzt verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, um unsere Energieversorgung zu sichern.
Die Tatsache, dass China Deutschland mittlerweile in einigen Bereichen überflügelt, ist ein Weckruf. Wir müssen dringend unsere Innovationskraft stärken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Tatsache, dass Deutschland sich ‚langsam und kostspielig‘ anpasst, deutet auf mangelnde Flexibilität hin. Wir müssen schneller und effizienter werden, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt zu halten.
Die Veränderungen in den geopolitischen Beziehungen zu China belasten die deutsche Exportwirtschaft erheblich. Wie können wir unsere Märkte diversifizieren, um weniger abhängig von China zu werden?
Die Prognose von 1,3% Wachstum für 2027 durch die Bundesbank klingt optimistisch, angesichts der aktuellen Lage. Worauf stützt sich diese Annahme?
Die Deindustrialisierung ist ein besorgniserregendes Zeichen. Was können wir tun, um den Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie zu verhindern?
Die Senkung der Wachstumsprognose durch die Bundesbank auf 0,6% für 2026 ist alarmierend, besonders wenn man bedenkt, dass bereits im Juni noch 0,7% erwartet wurden. Das deutet auf eine zunehmende Unsicherheit hin, oder?
Ich finde es gut, dass das ifo Institut die Probleme offen anspricht und auf den Strukturwandel hinweist. Nur so können wir die richtigen Maßnahmen ergreifen.
Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie leidet unter dem Aufstieg Chinas. Wir müssen uns auf neue Technologien und Geschäftsmodelle konzentrieren, um wieder die Führung zu übernehmen.
Ein Wachstum von 0,1% für 2025 ist ja fast ein Stillstand. Wie können wir da überhaupt von einer Erholung sprechen? Das ist weit entfernt von dem, was andere europäische Länder erreichen.
Die vernachlässigten Investitionen in die Infrastruktur sind ein hausgemachtes Problem. Jahrelang wurde gespart, und jetzt zahlen wir den Preis dafür. Wie lange dauert es, bis die versprochenen Investitionen überhaupt Wirkung zeigen?
Ich bin besorgt über die langfristigen Auswirkungen der Konjunkturflaute auf den deutschen Wohlstand. Wir müssen alles tun, um das Wachstum wieder anzukurbeln.
Ihre Sorge ist berechtigt. Eine anhaltende Flaute könnte zu sozialen Spannungen und einem Verlust an Lebensqualität führen.
Die Aussage des ifo Instituts, dass sich die deutsche Wirtschaft ‚langsam und kostspielig‘ anpasst, klingt wenig ermutigend. Was genau sind denn die größten Kostenfaktoren bei dieser Anpassung?
Es ist bezeichnend, dass Deutschland seit Ende 2022 in einer Rezession steckt. Das zeigt, wie tiefgreifend die Probleme sind und wie dringend eine Lösung benötigt wird.
Die Abhängigkeit von russischem Gas hat die deutsche Wirtschaft wirklich verwundbar gemacht. Die Suche nach Alternativen ist zwar notwendig, aber offenbar auch sehr teuer.
Die Senkung der Wachstumsprognose für 2026 ist ein Warnsignal. Die Regierung sollte jetzt handeln und die Investitionen beschleunigen.
Ich frage mich, ob die Regierung Merz‘ wirklich die Ursachen für die Konjunkturflaute versteht. Die Abhängigkeit von russischem Gas und der Wettbewerb mit China scheinen tiefgreifende Probleme zu sein, die nicht einfach durch Investitionen gelöst werden können.
Die Digitalisierung kommt in Deutschland offenbar zu langsam voran. Das ist ein Wettbewerbsnachteil, der dringend behoben werden muss. Welche konkreten Schritte sind hier notwendig?