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Die Blockade der Straße von Hormus hält an, diplomatische Fortschritte bleiben aus – doch die Aktienmärkte setzen weiter auf Entspannung. Gleichzeitig steigen Energie-, Dünger- und Transportkosten, während sich die militärische Lage zuspitzt. Eine gefährliche Diskrepanz, die das Risiko neuer Turbulenzen deutlich erhöht.
Die Straße von Hormus bleibt nahezu komplett geschlossen – und genau das ist der entscheidende Punkt. Während die Aktienmärkte weiterhin so tun, als sei der Nahost-Konflikt auf dem Weg zur Lösung, spricht die Realität vor Ort eine andere Sprache. Geplante Gespräche zwischen den USA und dem Iran wurden abgesagt.
Offiziell wird weiter der Eindruck erweckt, als liefen diplomatische Bemühungen auf Hochtouren. Tatsächlich sieht es jedoch eher danach aus, als habe der Iran derzeit wenig Interesse daran, ernsthaft mit den USA zu verhandeln.
Carsten Stork ist Rohstoffexperte mit über 25 Jahren Erfahrung im institutionellen Trading. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Krisenmodus bleibt bestehen – noch über Monate?
Trump versucht gleichzeitig, das Narrativ zu kontrollieren. Zuletzt sprach er davon, der Iran habe unmittelbar einen neuen Zehn-Punkte-Plan übermittelt. Damit soll der Eindruck entstehen, Teheran sei unter Druck und suche dringend einen Friedensschluss.
Für mich passt dieses Bild jedoch nicht zur tatsächlichen Lage. Vielmehr wirkt es so, als würden die Iraner die Amerikaner diplomatisch weiter hinhalten. Ein schneller Durchbruch in den kommenden Tagen oder Wochen erscheint zunehmend unwahrscheinlich.
Ich gehe aktuell davon aus, dass wir noch längere Zeit in diesem Krisenmodus bleiben. Mehrere Hinweise aus der Region sprechen dafür, dass sich der Konflikt noch über Monate hinziehen kann.
Gefährliche Sorglosigkeit an den Aktienmärkten
Das ist für die Märkte entscheidend, weil die wirtschaftlichen Folgen der Blockade erst nach und nach sichtbar werden. Besonders bemerkenswert ist dabei die Reaktion der Aktienmärkte. Der Nasdaq-Future ist seit Ende März beziehungsweise Anfang April um fast 20 Prozent gestiegen, der S&P 500-Future im gleichen Zeitraum um mehr als 13 Prozent.
Die großen Indizes handeln damit so, als wäre der Konflikt weitgehend gelöst. Genau diese Sorglosigkeit halte ich für gefährlich.
Die Straße von Hormus bleibt blockiert, der Schiffsverkehr ist weiterhin massiv eingeschränkt, und die physischen Folgen für Energie, Düngemittel und Lieferketten beginnen erst jetzt, sich durch das System zu arbeiten.
Auswirkungen auf Pakistan
Pakistan zeigt bereits, wie ernst die Lage ist. Das Land erhält seit Mitte März praktisch kein LNG mehr über die normalen Routen. Die Importe, die vor der Krise noch bei rund 120.000 bis 180.000 Tonnen pro Tag lagen, sind faktisch auf null gefallen. Die Folge sind Stromausfälle und wachsender innenpolitischer Druck. Gleichzeitig fürchtet Pakistan, dass eine längere Eskalation zu größeren Flüchtlingsbewegungen aus dem Iran führen könnte. Genau deshalb versucht Islamabad, die USA und den Iran wieder an einen Verhandlungstisch zu bringen.
Bab el-Mandeb als weiterer Engpass
Hinzu kommt die zweite kritische Meerenge: Bab el-Mandeb. Dieses Nadelöhr ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, weil sie das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet und damit den Zugang zum Suezkanal sichert – rund 10–12 % des globalen Seehandels sowie ein erheblicher Teil des Öl- und LNG-Transports zwischen Asien, Europa und Europa laufen über diesen strategischen Engpass.
Steigende Düngemittelpreise
Auch bei Düngemitteln wird die Krise immer sichtbarer. Ein erheblicher Teil der globalen Düngemittelproduktion kommt aus dem Nahen Osten und ist auf funktionierende Transportwege durch Hormus angewiesen. Der Urea-Preis ist seit Beginn der Krise von knapp 400 auf fast 700 US-Dollar um über 50% angestiegen.
Maispreise könnten stark steigen
Urea ist einer der weltweit wichtigsten Stickstoffdünger und wird vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, um das Pflanzenwachstum und die Erträge bei Kulturen wie Mais, Weizen und Reis deutlich zu steigern. Das ist kein Randthema. Urea ist einer der wichtigsten Stickstoffdünger weltweit. Wird Dünger teurer oder knapper, wirkt sich das direkt auf die Aussaat, die Erträge und letztlich auf die Preise bei Agrarrohstoffen aus.
Militärische Lage verschärft sich
Gleichzeitig wird die militärische Lage nicht entspannter. Mit der George Bush ist ein weiterer US-Flugzeugträger in der Region eingetroffen. Damit befinden sich nun drei Flugzeugträgergruppen im Umfeld des Nahen Ostens und der Golfregion. Das ist kein Signal der Entspannung. Im Gegenteil: Es erhöht das Risiko, dass der derzeitige Waffenstillstand jederzeit wieder unter Druck geraten kann – insbesondere, wenn es erneut zu Angriffen der USA oder Israels auf iranische Ziele kommen sollte.
Zentralbanken im Fokus
In der kommenden Woche kommt ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: die Zentralbanken. Die Bank of Japan hat die Zinsen am heutigen Dienstag unverändert gelassen, am Mittwoch folgt die Fed mit Zinsentscheid und Pressekonferenz, am Donnerstag stehen die Bank of England und die EZB im Fokus. Die entscheidende Frage lautet: Wie reagieren die Notenbanken auf steigende Energiepreise, höhere Transportkosten und zunehmenden Inflationsdruck?
Märkte handeln Hoffnung statt Realität
Für die Märkte ist das eine heikle Kombination. Aktien preisen Entspannung ein. Energie- und Agrarmärkte zeigen dagegen weiter Stress. Gleichzeitig könnten die Notenbanken weniger Spielraum für Zinssenkungen haben, wenn sich die Energie- und Rohstoffpreise weiter nach oben bewegen.
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6 Kommentare
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