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Eine der ältesten Börsenregeln lautet: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“ Doch im aktuellen Iran-Krieg könnte ein Handeln nach dieser Weisheit gefährlich sein.

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“ Die Idee dahinter ist einfach. In Zeiten von Krieg, Panik und geopolitischen Schocks fallen Aktienkurse häufig übertrieben stark. Wer dann einsteigt, profitiert später überproportional von der Erholung.

Historisch stimmte diese These oft. Untersuchungen der Bank of America zeigen, dass sich Aktienmärkte nach geopolitischen Schocks im Durchschnitt innerhalb von knapp 50 Tagen stabilisieren. Doch der aktuelle Konflikt im Nahen Osten könnte eine andere Qualität haben.

Stefan Feulner verfügt über rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und ist heute Head of Content führender Finanzportale wie wallstreetONLINE.de. Zudem tritt er als Börsenexperte für Smartbroker+ auf. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Der Krieg gegen den Iran trifft nicht nur einen weiteren Krisenherd der Weltpolitik. Er trifft einen der empfindlichsten Punkte der globalen Wirtschaft, nämlich den Energiemarkt. 

Dass der Konflikt nur wenige Tage, wie von US-Präsidenten Donald Trump angekündigt, andauere, ist recht unwahrscheinlich. Denn der Iran ist nicht im Geringsten mit Venezuela vergleichbar.

Ein solcher Energieschock wirkt weit über den Ölmarkt hinaus

Über die Straße von Hormus werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert, wie Daten der US-Energiebehörde EIA zeigen. 

Seit Beginn der militärischen Eskalation meiden jedoch zahlreiche Reedereien die Route, nachdem iranische Einheiten Handelsschiffe angegriffen haben.

Die Folgen zeigen sich bereits am Markt. Der Preis für die Nordsee-Referenzsorte Brent explodierte in der Spitze auf rund 120 US-Dollar pro Barrel. Ein Preissprung, der an die Dynamik der Ölkrisen der 1970er-Jahre erinnert.

Ein solcher Energieschock wirkt weit über den Ölmarkt hinaus. Höhere Energiepreise treiben Transportkosten, Produktionskosten und schließlich auch Lebensmittelpreise.

Es braut sich ein gefährlicher Cocktail zusammen

Der Internationale Währungsfonds hat die Wirkung bereits modelliert. Steigt der Energiepreis um 10 Prozent und bleibt dieses Niveau ein Jahr bestehen, erhöht sich die globale Inflation um rund 0,4 Prozentpunkte. Demgegenüber sinke das Wirtschaftswachstum um etwa 0,2 Punkte.

Dadurch braut sich mit steigender Preise bei gleichzeitig schwächerer Konjunktur ein gefährlicher Cocktail zusammen. Ökonomen sprechen in solchen Situationen von Stagflation.

Steigende Energiepreise treiben die Inflation nach oben

Besonders heikel wird diese Entwicklung für die Geldpolitik. Noch vor wenigen Wochen rechneten viele Investoren damit, dass die US-Notenbank im Jahr 2026 mehrere Zinssenkungen vornehmen würde, um die Konjunktur zu stabilisieren.

An den Terminmärkten waren zeitweise zwei Zinssenkungen der Federal Reserve um jeweils 0,25 Prozentpunkte eingepreist. Der neue Ölpreisschock könnte diese Erwartungen nun kippen.

Steigende Energiepreise treiben die Inflation nach oben. Genau das begrenzt den Handlungsspielraum der Notenbanken. Ökonomen warnen bereits, dass höhere Ölpreise die US-Inflation wieder über 3 Prozent treiben könnten.

Ein Aufschub von Investitionen kann die Folge sein

In diesem Umfeld wird es für die Fed deutlich schwieriger, die Zinsen zu senken.

Bleiben die Zinsen länger hoch, verteuern sich Kredite für Unternehmen, Immobilienkäufer und Staaten. Investitionen werden verschoben, das Wachstum verlangsamt sich spürbar und Aktienmärkte geraten global unter Druck. Sollte der Konflikt länger anhalten, könnten steigende Energiepreise und höhere Zinsen eine Rezession auslösen, mit fatalen Folgen für den Arbeitsmarkt.

Für Anleger gibt es dennoch Chancen

Genau deshalb könnte die klassische Börsenregel diesmal nur eingeschränkt gelten. Kaufen in der Krise funktioniert vor allem dann, wenn es sich um einen kurzfristigen Schock handelt. Ein struktureller Inflationsschub ist jedoch eine andere Geschichte.

Zudem besteht eine enorme Fallhöhe, da sich viele Aktienmärkte, insbesondere in den USA, weiterhin auf historisch hohen Bewertungsniveaus befinden. Treffen hohe Bewertungen auf steigende Zinsen und schwächere Konjunktur, kann daraus schnell eine größere Korrektur entstehen.

Wer investieren will, sollte nicht blind den Gesamtmarkt kaufen

Historisch führten Ölpreisschocks häufig zu Marktrückgängen von über 20 Prozent, bevor sich die Lage stabilisierte.

Für Anleger bedeutet das jedoch nicht, dass es keine Chancen gibt. In Inflationsphasen verschieben sich lediglich die Gewinner.

Rohstoffe und rohstoffnahe Branchen profitieren traditionell von steigenden Preisen. Besonders interessant sind derzeit Energie- und Rohstoffunternehmen, deren Kurs stark mit den Energiepreisen korrelieren.

Die Börsenweisheit vom Kaufen in der Krise bleibt also grundsätzlich richtig. Doch diesmal könnte sie eine wichtige Einschränkung haben. Wer investieren will, sollte nicht blind den Gesamtmarkt kaufen. Von überteuerten KI-Unternehmen ist auf aktuellem Niveau eher abzuraten.

Stefan Feulner

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6 Kommentare

  1. Laura Hoffmann am

    Interesting update on Durch den Krieg braut sich ein gefährlicher Börsen-Cocktail zusammen. Looking forward to seeing how this develops.

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