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Gewinnlücke gegenüber US-Titeln bleibt hoch
Allein 2025 waren es knapp 250 Milliarden, die in europäische ETFs geflossen sind. Und im Januar noch
einmal 56,5 Milliarden. Denn Aktien aus Europa gelten als günstig bewertet mit entsprechendem Aufholpotential. Aber Achtung: Der Bewertungsabschlag schmilzt, während die Gewinnlücke bleibt! Aus
europäischer Sicht erfreulich: Der europäische STOXX 600 hat den technologielastigen NASDAQ-100-Index seit Anfang letzten November währungsbereinigt zeitweise um knapp 18 Prozent übertroffen.
Historisch ist das selten: In den vergangenen 20 Jahren erzielte Europa nur sieben Mal innerhalb von vier Monaten einen ähnlichen Vorsprung. Danach, so eine Analyse der Deutschen Bank, verlor der
STOXX 600 in den folgenden zwölf Monaten relativ zum NASDAQ-100 aber durchschnittlich rund 21 Prozent. Zwar startete Europa zuletzt mit einem ungewöhnlich hohen Bewertungsabschlag, gemessen am
erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis der nächsten zwölf Monate, entspricht dieser mit rund 40 Prozent aber wieder dem Zehn-Jahres-Durchschnitt.
NASDAQ 100 glänzt mit Gewinnwachstum von erwarteten 19 Prozent
Eine weitere Outperformance wird damit schwieriger, zumal sich die Gewinntrends deutlich
unterscheiden: Für 2026 bis 2028 erwarten Analysten beim NASDAQ-100 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von rund 19 Prozent, beim STOXX 600 sind es dagegen nur knapp elf
Prozent. Beim S&P 500 sind es immerhin 15 Prozent. Ohne eine strukturelle Verbesserung der europäischen Gewinnperspektiven, etwa durch eine deutlich stärkere konjunkturelle Erholung,
dürfte es europäischen Aktien zunehmend schwerer fallen, ihre seit November aufgebaute Outperformance gegenüber den wachstumsstarken NASDAQ-Titeln auszubauen.
Moderates Wachstum in Europa
Nun, eine starke konjunkturelle Erholung ist derzeit nichts in Sicht. Denn die europäische Wirtschaft
befindet sich 2026 nur auf einem moderaten Wachstumskurs. Nach aktuellen Prognosen der EU-Kommission wird das BIP 2026 voraussichtlich um 1,4 Prozent wachsen. Das ist nicht gerade berauschend.
Deshalb bleiben wir auch in den USA investiert.
Aber: auch 11 Prozent sind nicht zu unterschätzen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der
Technologiesektor im STOXX Europe 600 nur mit rund 8 Prozent gewichtet ist. Hier dominieren industrielle Dienstleistungen, das Gesundheitswesen, sowie Banken und Versicherungen. In diesen Bereichen
sind unserer Meinung die Risiken deutlich geringer als an der NASDAQ und der Wallstreet insgesamt. Und das kommt unserem Modern-Value-Ansatz entgegen. So haben wir in unseren Mandaten wie dem
Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value den Versicherungssektor relativ hoch gewichtet. Etwa mit einer Allianz, die
gerade wieder sehr solide Zahlen vorgelegt hat, oder auch einer Münchner Rück, der französischen SCOR oder dem norwegischen Finanzkonzern Storebrand, um nur einige zu nennen. Aber auch im
Gesundheitswesen sind wir investiert, hier allerding in erster Linie in der zweiten Reihe, wie etwa bei der spanischen Laboratorios Farmaceuticos Rovi, Diasorin aus Italien, oder der französischen
bioMerieux.
US-Sonderzölle verunsichern die Märkte
Aber die Unternehmen aus der Gesundheitsbranche werden wir genauer beobachten müssen. Denn hier
kommen die von Donald Trump angekündigten US-Sonderzölle ins Spiel. Der Supreme Court, der oberste Gerichtshof der USA, hatte einen Großteil der von Trump Anfang April vergangenen Jahres verhängten Importzölle als verfassungswidrig erklärt. Trump
reagierte prompt und kündigte aufgrund einer Ausnahmeregel (Section 122) umgehend Sonderzölle von zunächst zehn, dann 15 Prozent auf einer anderen Rechtsgrundlage an. Die französische Großbank
BNP Paribas hat errechnet, dass insbesondere
die Sektoren Medizintechnik und Luxusgüter betroffen sind, die rund 25 Prozent beziehungsweise 20 Prozent ihrer Umsätze in den USA erwirtschaften. Nun, der Luxussektor spielt in unseren Portfolios
eine eher untergeordnete Rolle. Aber bei der Medizintechnik sieht das anders aus. Hier werden wir genau hinschauen müssen.
Der Irankrieg treibt Energiewerte
Noch ein Wort zu den Folgen des Krieges, den die USA und Israel gegen den Iran führen: Es wird die
Märkte in Atem halten, vor allem auch deshalb, weil das Mullah-Regime offenbar den Schiffsverkehr durch die vor allem für den Ölhandel so wichtige Straße von Hormus blockiert und damit den Ölpreis treibt. Doch wir sind weder im Öl- noch im Gas- oder Rüstungssektor investiert. Das schließen unsere Nachhaltigkeitskriterien aus.
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6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Interesting update on Europa holt auf, aber die Gewinnlücke gegenüber US-Titeln bleibt. Looking forward to seeing how this develops.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
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