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Von der Geopolitik zum langfristigen Anlagethema
Das Thema Verteidigung erfährt derzeit eine tiefgreifende Neubewertung in den Köpfen von politischen Entscheidungsträgern, Industriestrategen und Anlegern. Was früher oft als zyklischer und mitunter umstrittener Bereich der Aktienmärkte betrachtet wurde, gilt heute zunehmend als strukturelles Thema, das mit nationaler Widerstandsfähigkeit, strategischer Autonomie und technologischer Führungsrolle verbunden ist. Trotz dieser Verschiebung machen Rüstungsunternehmen nach wie vor nur etwa 2,5 %1 des MSCI World Index aus, was verdeutlicht, wie unterrepräsentiert dieses Thema in breit angelegten globalen Aktienallokationen sein kann.
Die weltweiten Militärausgaben beliefen sich 2024 auf rund 2,7 Billionen US-Dollar2. Das war der zehnte Jahresanstieg in Folge und zugleich die stärkste Zunahme seit dem Ende des Kalten Krieges. Vor allem handelt es sich hierbei nicht lediglich um einen kurzfristigen Nachschubzyklus im Anschluss an die jüngsten Konflikte. Die Verteidigungshaushalte werden zunehmend in mehrjährigen Beschaffungsplänen, industriepolitischen Rahmenwerken und Kapazitätsausbauten verankert, was die Ertragsprognosen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Verteidigungsbereich über Jahre hinweg absichern könnte.
Strukturelle Kräfte, die den Verteidigungssektor weltweit vorantreiben
Der erste Faktor ist ein beständigeres und geografisch weit gestreutes Bedrohungsszenario. Russlands Einmarsch in die Ukraine hat die Wiederaufrüstung in Europa forciert, während Spannungen im indopazifischen Raum und instabile Verhältnisse im Nahen Osten die Notwendigkeit von Abschreckung, Einsatzbereitschaft und dem Wiederaufbau von Lagerbeständen auf globaler Ebene noch verstärkt haben. Das Ergebnis ist ein höheres Ausgangsniveau für Verteidigungsausgaben, nicht nur in Ländern, die unmittelbar von Konflikten betroffen sind, sondern auch bei Verbündeten, die ihre Streitkräftepräsenz, Widerstandsfähigkeit und Versorgungssicherheit neu bewerten.
Abbildung 1: Geopolitische Spannungen und Sicherheitsbedrohungen treiben Verteidigungsausgaben in die Höhe
Quelle: SIPRI Stockholm International Peace Research Institute, WisdomTree, Stand: 10. Februar 2026.
Der zweite Grund ist, dass sich die Art der Verteidigungsausgaben verändert. Der aktuelle Zyklus beschränkt sich nicht auf herkömmliche Plattformen zu Land, zu Wasser und in der Luft. Neue Investitionen fließen zunehmend in die Bereiche Luft- und Raketenabwehr, Drohnen und autonome Systeme, Cyber- und elektronische Kriegsführung, weltraumgestützte Ressourcen sowie C4ISR3-Fähigkeiten. Dadurch erweitern sich die Möglichkeiten über die Hauptauftragnehmer hinaus und umfassen nun auch Unternehmen, die in Sensorik, Software, Elektronik, sicherer Kommunikation und missionskritischen Subsystemen tätig sind.
Der dritte Faktor ist, dass die Verteidigungshaushalte eher durch nationale Strategien und Bündnisverpflichtungen als durch Ad-hoc-Maßnahmen gestützt werden. Auf die zehn Länder mit den höchsten Militärausgaben entfallen rund 75 %4 der weltweiten Verteidigungsausgaben. Das unterstreicht, wie politische Entscheidungen einer relativ kleinen Gruppe von Ländern die Umsatzaussichten der Branche beeinflussen können. Die NATO-Staaten wenden unterdessen durchschnittlich 58 %2 ihres gesamten Verteidigungsbudgets für Ausrüstung, Forschung und Entwicklung sowie Instandhaltung auf, was die These untermauert, dass Beschaffung und Modernisierung im aktuellen Zyklus weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Abbildung 2: Die 10 Länder mit den höchsten Verteidigungsausgaben weltweit 2024
Quelle: SIPRI Stockholm International Peace Research Institute, Morningstar, WisdomTree, Stand: 30. Juni 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Für Anleger deutet diese Kombination aus anhaltenden geopolitischen Spannungen, technologischem Wandel und längeren Finanzierungshorizonten auf eine Entwicklung hin, die nachhaltiger ist als ein kurzlebiger Stimmungstrade. Unserer Ansicht nach befinden sich die globalen Verteidigungsmärkte offenbar in der Anfangsphase eines neuen Superzyklus, der sowohl durch die Nachfrage staatlicher Stellen als auch durch Investitionen der Industrie gestützt wird.
Wie lässt sich der globale Verteidigungszyklus erschließen?
In Anlehnung an das Rahmenkonzept der regionalen Verteidigungsstrategien von WisdomTree Global Defence UCITS ETF (Ticker: WDGF) darauf ausgelegt, ein gezieltes Engagement in börsennotierten Unternehmen zu bieten, die maßgeblich an der globalen Verteidigungsindustrie beteiligt sind, deckt dabei jedoch ein wesentlich breiteres Spektrum an Anlagemöglichkeiten ab. Die Strategie erstreckt sich über einzelne Regionen hinaus und umfasst die USA, Europa sowie ausgewählte andere Industrie- und Schwellenländer, in denen die heimische Verteidigungsfähigkeit und die industrielle Tiefe zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der WisdomTree Global Defence UCITS ETF bildet den WisdomTree Global Defence UCITS Index (Ticker: WTGDEFUN Index) ab, dessen Bestandteile mindestens 25 % ihres Umsatzes aus Verteidigungsaktivitäten erzielen müssen. Dieser Schwellenwert ist bedeutsam. Er trägt dazu bei, die Verwässerung durch diversifizierte Luftfahrt- und Industrieunternehmen zu verringern, bei denen die Verteidigung möglicherweise nur einen marginalen Beitrag leistet. Stattdessen richtet er das Portfolio stärker auf Unternehmen aus, die direkter von den Ergebnissen der Verteidigungsausgaben beeinflusst werden.
Die infrage kommenden Unternehmen müssen zudem Mindestanforderungen hinsichtlich Größe und Liquidität erfüllen, darunter eine Marktkapitalisierung von mindestens 200 Millionen US-Dollar und ein mittleres tägliches Handelsvolumen von wenigstens 1 Million US-Dollar über einen Zeitraum von drei Monaten. Der Index wendet darüber hinaus strenge Ausschlusskriterien für umstrittene Waffen an und nimmt Unternehmen aus, die bestimmte Atomwaffenprogramme außerhalb des Rahmens des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen unterstützen.
Um das Engagement weiter zu präzisieren, wird jedem ausgewählten Unternehmen ein Exposure Score zugewiesen, der auf dem Umsatzanteil basiert, der mit Verteidigungsaktivitäten verbunden ist.
- Exposure Score 3 umfasst Unternehmen, deren Umsatz zu mehr als 50 % aus dem Verteidigungsbereich stammt
- Exposure Score 2 umfasst Unternehmen mit einem Umsatzengagement von 25 % bis 50 % im Verteidigungsbereich
Die Bestände werden dann nach Marktkapitalisierung gewichtet und um den Exposure Score bereinigt, vorbehaltlich Obergrenzen. Titel mit Exposure Score 3 sind auf 5 % und übrige Unternehmen auf 2,5 % begrenzt. Der Index wird vierteljährlich neu gewichtet. Die Konzeption zielt darauf ab, ein Gleichgewicht zwischen Reinheit, Skalierbarkeit und Diversifikation herzustellen. Sie räumt Unternehmen mit stärkerem Engagement im Verteidigungssektor – wie in Abbildung 3 zu sehen – einen höheren Stellenwert ein, berücksichtigt dabei jedoch weiterhin die Bedeutung von Investierbarkeit und Liquidität für die Umsetzung als börsengehandelter Fonds (ETF).
Abbildung 3: Reinheit des Engagements – Unternehmen mit einem höheren Anteil an Verteidigungserlösen erhalten eine höhere Gewichtung
Quelle: WisdomTree, Bloomberg, FactSet. Daten zur Marktkapitalisierung mit Stand 19. September 2025, dem letzten Datum der Neugewichtung. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
So wird zudem die regionale Präsenz über die führenden US-Unternehmen hinaus erweitert und umfasst auch Marktführer und Zulieferer im Verteidigungsbereich in Europa sowie weiteren strategischen Märkten wie Indien und Korea. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das den zunehmend globalen Charakter der Modernisierung und Beschaffung im Verteidigungsbereich widerspiegelt.
Abbildung 4: Geografische Allokation
Quelle: WisdomTree. Positionen basieren auf Zielgewichtungen mit Stand 31. Dezember 2025. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Warum ein gezielter globaler Ansatz gerade jetzt wichtig ist
Eine rein regionale Verteidigungsallokation kann wirkungsvoll sein, doch in dieser Phase des Zyklus könnte ein globaler Ansatz besonders attraktiv sein. Die USA spielen nach wie vor eine zentrale Rolle in Verteidigungstechnologie und Beschaffung. Europa treibt die Wiederaufrüstung und industrielle Zusammenarbeit weiter voran. Gleichzeitig gewinnen andere Märkte sowohl als Abnehmer als auch als Lieferanten von Verteidigungsgütern immer mehr an Bedeutung. Eine globale Strategie kann daher ein breiteres Spektrum an Hauptauftragnehmern, Herstellern von Teilsystemen und aufstrebenden Industrieführern abdecken, die von steigenden Verteidigungshaushalten, Modernisierungsprogrammen und der Exportnachfrage profitieren dürften.
Der WisdomTree Global Defence UCITS Index (Ticker: WTGDEFUN Index) hat derzeit mit 18,1 % die höchste geschätzte langfristige Wachstumsrate unter den Vergleichsangeboten. Zwar erscheint das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 33,2 auf den ersten Blick hoch, doch relativiert sich dies angesichts des erwarteten Gewinnwachstums. Auf dieser Grundlage beträgt das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (KGWV) 1,8, was unter dem Wert der Referenzindizes liegt.
Abbildung 5: Langfristige Wachstums- und Bewertungskennzahlen (zukunftsgerichtetes KGV und KGWV)
Quelle: WisdomTree, FactSet, Bloomberg, Stand: 31. Dezember 2025. Die Bestände der Vergleichswerte wurden von Bloomberg bezogen. Die Fundamentaldaten stammen von FactSet. Die KGWV basieren auf dem zukünftigen KGV und dem geschätzten langfristigen Wachstum. MSCI World steht für den MSCI World Index. MSCI World Aerospace & Defence steht für den MSCI World Aerospace & Defence Index. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Im Vergleich zu breiter gefassten Referenzindizes für die Luftfahrt- und Verteidigungsbranche konzentriert sich der Ansatz von WisdomTree auf Unternehmen mit einem höheren direkten Umsatzengagement in der Verteidigung, während gleichzeitig eine bedeutendere Allokation auch außerhalb der USA und Europas vorgenommen wird. Das könnte Anlegern helfen, Zugang zu einem breiteren Spektrum an Chancen zu erhalten und das Thema gezielter abzubilden als mit herkömmlichen Indizes.
Abbildung 6: WisdomTree gewichtet Unternehmen außerhalb der USA und Europas stärker
Quelle: WisdomTree. Positionen basieren auf Zielgewichtungen mit Stand 31. Dezember 2025. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Fazit
Da Sicherheitsprioritäten an Bedeutung gewinnen und Verteidigungshaushalte immer stärker in nationale Industriestrategien eingebunden werden, verändert sich die Anlagethese für den Sektor. Verteidigung entwickelt sich zunehmend von einem nischenhaften Satellitenengagement zu einem eher strategischen Allokationsziel in globalen Aktienportfolios.
1 Quelle: MSCI Inc., letzte verfügbare Daten vom Februar 2026.
2 uelle: SIPRI Stockholm International Peace Research Institute, WisdomTree, Stand: 10. Februar 2026.
3 C4ISR steht für Kommando-, Kontroll-, Kommunikations-, Computer-, Nachrichten-, Überwachungs- und Aufklärungssysteme.
4 Quelle: SIPRI Stockholm International Peace Research Institute, Morningstar, WisdomTree, Stand: 30. Juni 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
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6 Kommentare
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