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Noch vor wenigen Monaten schien Bitcoin viele makroökonomische Sorgen einfach abschütteln zu können. Inzwischen hat sich das Bild jedoch stark verändert. Der Dollar wird stärker und auch die US-Notenbank dürfte länger an hohen Zinsen festhalten. Anleger bewerten daraufhin Vermögenswerte ohne laufende Erträge fundamental neu.

Diese verzwickte Situation könnte für Bitcoin noch zu einem gewaltigen Problem werden. Gold und Silber haben den Stimmungswechsel bereits hinter sich. Die Frage, die sich aktuell viele Anleger stellen: Findet Bitcoin einen Weg, sich von den klassischen Wertspeichern zu lösen?

Der Dollar gibt den Takt vor

Noch vor wenigen Monaten schien Bitcoin von der Entwicklung an den klassischen Finanzmärkten weitgehend unbeeindruckt. Während Gold und Silber bereits deutlich unter Stress gerieten, hielt sich die größte Kryptowährung vergleichsweise stabil. Doch nun beginnt dieses Bild zu kippen.

Der Grund dafür liegt weniger im Kryptomarkt selbst, als im makroökonomischen Umfeld. Der Hauptteil der Belastung kommt vor allem durch den US-Dollar, welcher zuletzt auf ein Mehrjahreshoch gestiegen ist. Ein weiterer Grund ist die schwindende Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Durch diesen Cocktail geraten Vermögenswerte ohne laufende Erträge zunehmend gehörig unter Druck. Gold hat diese Neubewertung bereits hinter sich, Silber noch deutlicher. Nun stellt sich die Frage, ob Bitcoin denselben Weg einschlägt oder dieses Szenario bereits hinter sich gebracht hat. 

Für Bitwise Head of Research André Dragosch spricht vieles dafür, dass Bitcoin derzeit vor allem unter der Dominanz des KI-Booms leidet. Ohne diese Kapitalumschichtung würde die Kryptowährung nach seiner Einschätzung bereits oberhalb von 200.000 US-Dollar notieren.

Was sich verändert hat

Über die vergangenen fünf Monate legte der US-Dollar rund sechs Prozent zu. Gold verlor etwa 20 Prozent, Silber sogar 44 Prozent. Der Dollar-Index DXY notiert inzwischen auf dem höchsten Stand seit Jahren. Damit hat sich das Umfeld für knappe Vermögenswerte grundlegend verändert.

Noch vor wenigen Monaten gingen viele Anleger davon aus, dass Edelmetalle von der hartnäckigen Inflation profitieren würden. Stattdessen setzte sich der Dollar immer weiter von Gold und Silber ab. Mit der Aufwertung des Dollars verschlechterte sich das Umfeld für Anlagen ohne laufende Erträge.

Von dieser Entwicklung bleiben inzwischen auch Kryptowährungen nicht verschont. Viele Investoren betrachten Bitcoin als digitales Pendant zu Gold und bewerten beide Anlagen nach ähnlichen Maßstäben. Steigt der Dollar und bleiben die Zinsen hoch, verliert das Knappheitsargument an Überzeugungskraft. Genau deshalb richtet sich der Blick der Anleger inzwischen immer stärker auf Bitcoin.

Was den Druck auslöst

Der eigentliche Auslöser liegt am Anleihemarkt. Die realen Renditen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation, sind auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen. Neue Inflationsdaten aus den USA haben die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen weiter gedämpft. Vor allem die Dienstleistungspreise entwickeln sich hartnäckiger als von der US-Notenbank erwartet.

Je länger das Zinsniveau hoch bleibt, desto attraktiver werden Staatsanleihen. Für Gold und Bitcoin stellt das ein fundamentales Problem dar. Beide Anlagen werfen keine laufenden Erträge ab. Wer heute eine sichere Verzinsung erhält, verlangt deshalb einen überzeugenden Grund, stattdessen auf knappe Vermögenswerte zu setzen.

Warum das für Bitcoin entscheidend ist

Bitcoin wird häufig als digitales Gold bezeichnet. Die Parallelen liegen auf der Hand: Das Angebot ist begrenzt und viele Anleger betrachten die Kryptowährung als langfristigen Wertspeicher. Genau diese Gemeinsamkeit sorgt derzeit jedoch für Gegenwind.

Steigen die realen Renditen, steigen auch die Opportunitätskosten. Wer Kapital in Bitcoin investiert, verzichtet auf einen sicheren Zinsertrag. Dieser Zusammenhang prägt den Markt derzeit stärker als die Diskussion über Knappheit oder Inflation.

Ein weiterer Faktor verschärft die Lage. Engpässe bei Speicherchips treiben die Preise für Hardware nach oben und nähren die Sorge vor neuer Inflation. Das klingt zunächst nach Rückenwind für Bitcoin. Tatsächlich überwiegt derzeit aber ein anderer Effekt. Bleibt der Preisdruck bestehen, dürfte die US-Notenbank ihre Geldpolitik kaum lockern. Für den Markt bedeutet das vor allem eines: hohe Zinsen über einen längeren Zeitraum.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Ob sich das Bild dreht, hängt vor allem von zwei Entwicklungen ab. Der Dollar müsste an Stärke verlieren und die realen Renditen ihren Höhepunkt erreichen. Erst dann könnte sich auch die Stimmung am Kryptomarkt wieder aufhellen.

In der kommenden Woche stehen mehrere wichtige US-Konjunkturdaten an. Besonders der Arbeitsmarktbericht dürfte zeigen, ob die Federal Reserve an ihrem straffen Kurs festhält oder ob sich die Tür für spätere Zinssenkungen wieder öffnet. Die Zahlen könnten damit zum entscheidenden Gradmesser dafür werden, ob der Druck auf Bitcoin nachlässt oder der Markt den höheren Zinsen den Vorzug gibt.

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