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Martin Krill, CEO der HAGER Executive Consulting GmbH, erklärt, warum Managementrisiken im aktuellen Umfeld schwerer
wiegen, warum Fehlbesetzungen teuer werden und weshalb Governance-Strukturen operative Schwächen nicht auffangen können.

Herr Krill, viele Investoren fokussieren sich bei Private Equity auf Einstiegsmultiple, Leverage und Exit-Timing. Warum
halten Sie Managementqualität für den größeren Renditehebel?

Martin Krill: Weil Multiple und Leverage nur den Rahmen setzen. Die tatsächliche IRR entsteht operativ. Wenn ein
Management die geplante EBITDA-Steigerung nicht realisiert oder strategische Initiativen verzögert, fällt die Rendite sofort unter Plan. Im aktuellen Marktumfeld – mit geringerer Multiple-Expansion
und höheren Finanzierungskosten – ist operativer Wertzuwachs entscheidend. Und der hängt direkt am Führungsteam.

Ist die Gefahr von Fehlbesetzungen in der aktuellen Marktphase größer als noch vor fünf oder zehn
Jahren?

Krill: Ja. In Zeiten niedriger Zinsen konnten Finanzierungshebel operative Schwächen teilweise überdecken. Heute
funktioniert das nicht mehr. Renditen müssen substanziell erwirtschaftet werden. Gleichzeitig sind die Anforderungen komplexer geworden – Digitalisierung, ESG, geopolitische Risiken. Das erhöht die
Anforderungen an CEO und CFO erheblich. Fehlbesetzungen wirken daher schneller und deutlicher auf die Performance.

Ist das Managementrisiko im PE-Modell nicht längst eingepreist? Fonds kalkulieren doch mit Austauschoptionen und
Incentivierungsmodellen.

Krill: Teilweise – aber nicht vollständig. Austauschoptionen sind einkalkuliert, die verlorene Zeit jedoch nicht.
Wenn ein Management nach 12 oder 18 Monaten ersetzt wird, sind Integrationszyklen verzögert, Wachstumsinitiativen verschoben und interne Dynamiken gestört. Diese Effekte lassen sich nur begrenzt
modellieren. Managementrisiko ist daher weniger eine Frage der Austauschbarkeit als der Opportunitätskosten innerhalb der Holding-Period – und die ist im PE-Modell der knappste
Faktor.

Wie konkret wirkt sich ein ungeeignetes Management auf den Exit aus?

Krill: Direkt über den Multiple. Käufer bewerten nicht nur Zahlen, sondern auch Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit.
Wenn ein Management als nicht belastbar oder nicht entwicklungsfähig wahrgenommen wird, steigen Risikoabschläge. Bereits ein Multiple-Unterschied von einem Faktor kann bei mittelgroßen
Beteiligungen zweistellige Millionenbeträge ausmachen. Das ist kein theoretischer Effekt, sondern realer Equity-Verlust.

Viele Fonds argumentieren, dass starke Governance-Strukturen – Beirat, Operating Partner, Reporting-Systeme – operative
Schwächen kompensieren können. Reicht das nicht?

Krill: Governance schafft Transparenz, ersetzt aber keine Führung. Operating Partner können Impulse geben, Beiräte
strategisch begleiten – die operative Umsetzung liegt dennoch beim Managementteam. Wenn dort Entscheidungsstärke oder Priorisierung fehlen, helfen Kontrollmechanismen nur begrenzt. Private Equity
ist ein Beschleunigungsmodell. Fehlt die Geschwindigkeit an der Spitze, kann sie extern kaum erzeugt werden.

Warum kommt es dennoch immer wieder zu schnellen Besetzungsentscheidungen?

Krill: Private Equity arbeitet unter erheblichem Zeitdruck. Transformationspläne sollen unmittelbar nach Closing
greifen. In dieser Phase entsteht oft der Impuls, Schlüsselpositionen schnell zu besetzen. Gleichzeitig sind die Anforderungen im PE-Kontext besonders spezifisch – weshalb wir im Auswahlprozess
regelmäßig deutlich mehr Kandidaten aussortieren als in klassischen Unternehmenssituationen. Drei oder vier Wochen zusätzliche Suchzeit sind meist wesentlich günstiger als eine Fehlbesetzung, die
12 Monate Performance kostet.

Welche Rolle spielt der CFO im aktuellen Marktumfeld?

Krill: Eine zentrale. In Zeiten höherer Zinsen, engerer Kreditbedingungen und anspruchsvoller Refinanzierungen
entscheidet der CFO über Stabilität. Covenant-Steuerung, Cash-Management und Transparenz gegenüber Investoren sind heute kritischer als noch vor einigen Jahren. Ein CFO ohne PE-Erfahrung kann hier
schnell zum Risikofaktor werden.

Was sollten Privatanleger oder Family Offices beachten, die über Fonds oder Dachfonds in Private Equity
investieren?

Krill: Sie sollten analysieren, wie systematisch ein Fonds mit Managementfragen umgeht. Gibt es strukturierte
Assessments, klare Nachfolgeprozesse und eine aktive Weiterentwicklung von Führungsteams? Oder wird Management als gegebene Größe betrachtet? In einem Umfeld, in dem Financial Engineering weniger
Spielraum bietet, wird Führungskompetenz zum zentralen Performancefaktor. Wer das unterschätzt, unterschätzt das Risiko seines Investments.

Über Martin Krill
Martin Krill ist seit 2004 CEO der HAGER Executive Consulting GmbH und Ansprechpartner sowie Experte für die Bereiche „Digital & Technology“. Als erfahrener
Executive-Search-Berater hat er in den letzten 20 Jahren Unternehmen erfolgreich bei der Besetzung anspruchsvoller Führungspositionen unterstützt. Dabei ist es ihm besonders wichtig, dass die
Ergebnisse einen echten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen. Martin Krill ist seit den 1990er Jahren fest in der IT-Branche verwurzelt. Er hat die Entwicklung von HAGER und die Zusammenarbeit
mit Unternehmen aus dieser Branche maßgeblich geprägt.

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6 Kommentare

  1. Interesting update on HAGER Executive Consulting: „Der wahre Renditehebel sitzt im Management“. Looking forward to seeing how this develops.

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