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Die Öl- und Benzinpreise sind durch den Krieg rund um den Iran nach oben geschossen. Doch der Persische Golf ist für mehr Waren eine wichtige Handelsroute. Hierauf müssen Sie sich einstellen.

Wirtschaftlich bemerken wir den Iran-Krieg in Deutschland als erstes an der Zapfsäule. Um rund vier Prozent stiegen die Preise für Diesel und Benzin im Schnitt von Freitag auf Montag. Tendenz steigend. Die Rohölpreise haben seit den Angriffen Israels und der USA bereits um rund neun Prozent zugelegt. Grund hierfür ist die Straße von Hormus. Das ist die Meerenge, die den Iran vom Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten trennt. Durch diesen nur 55 Kilometer breiten Wasserweg laufen rund 20 Prozent des globalen Ölhandels. Der Krieg erschwert den Transport, die Preise steigen weltweit.

Doch der Ölhandel ist nur eine der Branchen, die unter dem Krieg jetzt leiden. Konsequenzen gibt es auch für:

Die Luftfahrtindustrie

Die Golfregion ist sowohl für den Passagierbetrieb als auch für Frachtflüge ein wichtiges Drehkreuz. Der Dubai International Airport ist nach Passagieraufkommen der zweitgrößte der Welt mit 95 Millionen Personen pro Jahr. Der Hamad International Airport in Katar liegt mit 54 Millionen Passagieren auf Platz 32. Das ist nicht weit hinter dem Frankfurter Flughafen. Beim Frachtvolumen liegt Katars Flughafen weltweit auf dem achten Platz.

Luftfracht-Spediteure stellen ihre Kunden entsprechend schon einmal auf Verzögerungen und höhere Frachtraten ein. Zwar werden weit weniger Waren per Luft verschickt als per Schiff, doch meist geht es dabei um Bauteile und Komponenten, die eben möglichst schnell ankommen sollen. Das können gekühlte Medikamente oder Impfstoffe sein, ebenso wichtige Chips und Ersatzteile für Maschinen und Anlagen. 

Stefan Brupbacher, Chef des Schweizer Metall-Verbandes Swissmem, fasste es gestern prägnant zusammen: „Das ist alles schlecht. Die Lichtblicke, die wir Ende letztes Jahr sahen, sind schon wieder durch Wolken verdunkelt.“

Passagiere leiden derzeit darunter, dass sie nicht aus den Golfstaaten ausgeflogen werden können, doch nicht nur direkte Flüge dahin sind betroffen. Wer etwa von Deutschland nach China, Japan oder Südostasien möchte, muss mittlerweile im Zick-Zack fliegen. Schließlich sind auch die Routen über die Ukraine und Syrien gesperrt, auch Russlands Luftraum wird gemieden. Das erhöht die Dauer der Flüge und damit die Ticketpreise.

Die Chemieindustrie

Keine andere Branche ist so stark auf günstiges Öl und Gas angewiesen wie die Chemieindustrie. Entsprechend lässt sie seit Samstag am stärksten Federn. Während der Leitindex Dax um 2,6 Prozent fiel, ist das Minus bei BASF mit 4,7 Prozent fast doppelt so hoch. Bayer hat in den vergangenen zehn Tagen bereits 18 Prozent seines Wertes eingebüßt. Für die Chemie- und Pharma-Riesen steigen die Kosten mit dem Ölpreis an. Zudem ist der Iran einer der wichtigsten Exporteure von Grundstoffen wie Harnstoff und Methanol – und fällt damit jetzt weitgehend aus.

Versicherungen

Mit dem höheren Risiko für Angriffe auf Schiffe und Flugzeuge steigen nicht nur die Frachtraten. Auch höhere Kriegsrisikozuschläge werden für Versicherungen fällig, die die Transporte absichern. Der britische Guardian meldet, dass manche Versicherer sogar den Versicherungsschutz für Schiffe in der Region zumindest für Kriegsrisiken ausgesetzt haben.

Das schlägt auf alle Verbraucherpreise in Deutschland durch. Die OECD schätzt, dass Transport und Versicherungen rund fünf Prozent des Importpreises einer Ware ausmachen. Wie viel von den sprunghaft angestiegenen Kosten Händler jetzt auf die Endkundenpreise aufschlagen, ist aber noch unklar.

Die allgemeine Inflation

Sicher ist aber, dass höhere Energiepreise sich gerade in Deutschland auf die allgemeine Inflation auswirken. Das hat zuletzt die Energiekrise 2022 nach Beginn des Ukraine-Krieges gezeigt. Damals stieg die Inflation auf mehr als acht Prozent an. Das ist jetzt nicht zu erwarten, weil der Iran und die Golfregion für die europäische Versorgung nicht so wichtig sind wie es Russland vor einigen Jahren noch war. Gleichwohl werden Sie einen länger andauernden Krieg in der Region auch im Supermarkt bemerken – nicht nur an der Tankstelle.

Christoph Sackmann

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