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Die geplante Pflegereform könnte deutlich teurer werden als bislang bekannt. Eine neue Berechnung warnt vor Zusatzlasten in dreistelliger Milliardenhöhe – vor allem für Jüngere.

Gesundheitsministerin Nina Warken will Pflegebedürftige im Heim finanziell entlasten. Doch was für viele Betroffene nach dringend nötiger Unterstützung klingt, könnte für Beitragszahler teuer werden. Nach neuen, noch unveröffentlichten Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherung (WIP) könnten sich die Mehrkosten bis 2040 auf einen dreistelligen Milliardenbetrag summieren – zusätzlich zu den ohnehin steigenden Ausgaben in der Rente, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. 

Bis zu 215 Milliarden Euro Mehrkosten in der Pflege

Die Experten rechnen je nach Ausgestaltung der Reform mit zusätzlichen Belastungen von bis zu 215 Milliarden Euro allein in der Pflegeversicherung bis zum Jahr 2040. Zusammengerechnet mit den Effekten der bereits beschlossenen Rentenreform ergeben sich laut Studie rund 300 Milliarden Euro zusätzliche Ausgaben.

Kurzfristig fallen die Summen moderater aus. Doch ab den 2030er-Jahren steigt der Finanzbedarf deutlich an. Besonders kritisch: Ein Großteil der Kosten würde über höhere Beiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern getragen werden – also von den heute Jüngeren.

Pflegedeckel soll Heimbewohner entlasten

Kern der Reformpläne ist ein sogenannter Pflegedeckel für stationäre Einrichtungen. Bisher tragen Pflegebedürftige den Teil der Pflegekosten selbst, der nicht von der Kasse übernommen wird. Künftig könnte dieser Eigenanteil auf einen festen Betrag begrenzt werden – im Gespräch seien Größenordnungen von 1000 oder 1200 Euro monatlich.

Aktuell liegt der reine pflegebedingte Eigenanteil im Schnitt bei knapp 2000 Euro pro Monat. Zwar reduzieren Zuschläge die Belastung mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Dennoch summieren sich die Gesamtkosten aus Pflege, Unterkunft und Verpflegung vielerorts auf bis über 3000 Euro im Monat.

Ein Deckel würde vor allem in den ersten Jahren des Heimaufenthalts spürbar entlasten. Im Gegenzug müssten die Pflegekassen einen größeren Teil der Rechnungen übernehmen – und entsprechend höhere Einnahmen erzielen. Ob und in welcher Form der Pflegedeckel kommt, ist noch offen. 

Automatische Erhöhungen geplant

Zusätzlich wird über eine regelmäßige Anpassung der Pflegeleistungen diskutiert. Diese könnten künftig automatisch an die Inflation oder die Lohnentwicklung gekoppelt werden. Ziel ist es, Kaufkraftverluste zu verhindern und erneute politische Debatten über Leistungserhöhungen zu vermeiden.

Warken erklärte gegenüber der FAZ, man wolle den steigenden Eigenanteilen „etwas entgegensetzen“. Eine dauerhafte Dynamisierung könne dafür sorgen, dass Leistungen nicht schleichend an Wert verlieren und die Eigenbeteiligung weniger stark ansteigt.

Droht der nächste Generationenkonflikt?

Kritiker sehen jedoch Parallelen zur Rentenpolitik: Auch dort wurde das Leistungsniveau politisch abgesichert – mit erheblichen Folgekosten. Innerhalb der Union hatte es bereits Widerstand gegen diese sogenannte Haltelinie gegeben.

Der Verband der privaten Krankenversicherung warnt nun vor einer ähnlichen Entwicklung in der Pflege. Die zusätzlichen Verpflichtungen könnten die Beitragszahler langfristig überfordern und neue Spannungen zwischen Jung und Alt auslösen.

Hannah Petersohn

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