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Millionen Deutsche verlassen sich darauf, dass die gesetzliche Rente sie im Alter versorgt. Doch viele gehen von falschen Annahmen aus – mit drastischen Folgen für die Altersvorsorge. Wir räumen mit sechs häufigen Renten-Irrtümern auf.

1. Denkfehler: „Das Rentenniveau bezieht sich auf mein letztes Gehalt“

Warum das falsch ist:

Das Rentenniveau bezieht sich nicht auf das individuelle Gehalt, sondern auf den Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Zudem wird es vor Steuern und Sozialabgaben berechnet. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz ist diesem Irrtum bereits aufgesessen. 

Das stimmt: 

  • Das Rentenniveau gilt für einen „Standardrentner“, der 45 Jahre lang immer das deutsche Durchschnittsgehalt verdient hat.
  • Dieser Standardrentner bekäme ab Juli 2026 circa 1913 Euro brutto. Tatsächlich liegt die Durchschnittsrente in Deutschland 2026 bei 1692 Euro brutto.
  • Wer unterdurchschnittlich verdient hat, bekommt entsprechend weniger. Wer mehr verdient hat, bekommt mehr – aber die Rente bleibt immer deutlich unter dem letzten Gehalt.

2. Denkfehler: „Die Rente ist netto“

Warum das falsch ist:

Die gesetzliche Rente ist nicht nettosteuerfrei. Seit 2005 steigt der steuerpflichtige Anteil abhängig vom Renteneintrittsjahr. Wer 2026 in Rente geht, muss bereits 84 Prozent seiner Rente versteuern. 

Das stimmt: 

Von der Rente werden abgezogen:

  • Steuern (Anteil abhängig vom Renteneintritt – ab 2040: 100 Prozent steuerpflichtig)
  • Krankenversicherung (ca. 7,3 Prozent + kassenabhängigem Zusatzbeitrag)
  • Pflegeversicherung (ca. 3,4 Prozent)
  • Bei 1800 Euro Bruttorente fallen etwa 200 bis 300 Euro an Abzügen an je nach persönlichem Steuersatz und Krankenkasse. Netto bleiben dann nur noch ca. 1500 bis1600 Euro übrig.

3. Denkfehler: „Die Rente sichert später meinen Lebensstandard“

Warum das falsch ist:

Die gesetzliche Rente soll lediglich eine Basisversorgung garantieren, genau wie Merz es diese Woche gesagt hat. Sie soll nicht den vollständigen Lebensstandard erhalten.

Das stimmt: 

  • Die Rente soll Altersarmut verhindern, nicht den gewohnten Lebensstandard 1:1 abbilden.
  • Das sinkende Rentenniveau bedeutet: Die Lücke zwischen letztem Gehalt und Rente wird größer.
  • Diese Lücke bedeutet, dass ohne betriebliche und private Vorsorge der Lebensstandard im Alter sinken wird.

4. Denkfehler: „Das, was ich einzahle, bekomme ich wieder zurück“

Warum das falsch ist:

Die gesetzliche Rente funktioniert als Umlageverfahren, nicht als Sparplan.

Das stimmt: 

  • Die heutigen Beiträge finanzieren die Renten der heutigen Rentengeneration.
  • Die Rente späterer Generationen wird von den dann Erwerbstätigen bezahlt.
  • Es gibt keinen persönlichen „Rententopf“
  • Die Rentenhöhe hängt von den gesammelten Entgeltpunkten ab, nicht von der absoluten Summe der individuellen Einzahlungen.

5. Denkfehler: „Wenn die Rente nicht reicht, kümmert sich der Staat um mich“

Warum das falsch ist:

Die Grundsicherung im Alter ist nur ein Existenzminimum und kein Ersatz für fehlende Vorsorge. Auch die Grundrente stockt die Bezüge lediglich auf, sie sichert nicht den gewohnten Lebensstandard. 

Das stimmt: 

Grundsicherung gibt es nur, wenn:

  • die eigene Rente nicht zum Leben reicht
  • kein nennenswertes Vermögen vorhanden ist
  • der Partner ebenfalls bedürftig ist
  • Eigene Renten, Betriebsrenten und Vermögen werden angerechnet.
  • Das Niveau entspricht etwa Bürgergeld – kaum Spielraum für Urlaub, Hobbys oder Rücklagen.

Fazit: Die Grundsicherung verhindert Obdachlosigkeit, sichert aber keinen würdigen Lebensabend.

6. Denkfehler: „Rente ist nur ein Thema für alte Leute“

Warum das falsch ist:

Wer spät anfängt, selbst vorzusorgen, verschenkt die wertvollsten Jahre für den Vermögensaufbau.

Das stimmt: 

Der Zinseszinseffekt ist bei langem Anlagehorizont am stärksten. Das heißt, je früher man anfängt, desto kleiner ist die nötige Sparrate. 

Rechenbeispiel (private Vorsorge):

  • Mit 25 beginnen: 100 Euro/Monat über 40 Jahre bei 5 Prozent Rendite = ca. 152.000 Euro
  • Mit 45 beginnen: 100 Euro/Monat über 20 Jahre bei 5 Euro Rendite = ca. 41.000 Euro
  • Um das gleiche Endkapital zu erreichen, müsste die Person mit 45 fast 370 Euro/Monat sparen.

Die Diskussion um die Rente zeigt: Die gesetzliche Rente ist wichtig, aber sie allein reicht nicht für einen sorgenfreien Ruhestand. Wer sich auf Mythen verlässt statt auf Fakten, riskiert böse Überraschungen. Die gute Nachricht: Wer früh handelt, informiert bleibt und zusätzlich vorsorgt, kann die Rentenlücke schließen.

Drei konkrete Schritte helfen:

  1. Renteninformation prüfen: Wie hoch wäre die eigene Rente wirklich – und was bleibt netto?
  2. Versorgungslücke berechnen: Differenz zwischen Rentenhöhe und gewünschtem Lebensstandard ermitteln.
  3. Vorsorge aufbauen: Betriebsrente, Riester, Depot anlegen und ETF-Sparplan starten oder andere Optionen frühzeitig nutzen.

Philine Lietzmann

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