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Abnehmspritzen verändern, wie Menschen essen und setzen damit Restaurants, Snacks und Getränkehersteller massiv unter Druck. Erste Auswirkungen zeigen sich in den USA.

Die Abnehmspritze wird jetzt zum Wirtschaftsfaktor. Medikamente aus der sogenannten GLP-1-Klasse, entwickelt unter anderem von Novo Nordisk und Eli Lilly, greifen direkt in das Hungergefühl ein. Ursprünglich zur Behandlung von Diabetes eingesetzt, werden sie inzwischen millionenfach zur Gewichtsreduktion verschrieben.

Genau das verändert laut einem Bericht des US-Senders „CNBC“ zunehmend den Konsum in den USA. Wenn Millionen Menschen dauerhaft weniger essen, trifft das direkt die Geschäftsmodelle von Restaurants, Snackherstellern und Getränkeproduzenten.

Wie Ozempic und Zepbound den US-Food-Markt treffen:

  • Abnehmspritzen verändern den Konsum: Millionen essen weniger – das trifft Food-Konzerne direkt
  • Milliarden stehen auf dem Spiel: Bis zu 55 Milliarden Dollar Umsatz könnten wegfallen
  • Snacks verlieren, Protein boomt: Chips raus, funktionale Ernährung rein
  • Restaurants unter Druck: Weniger Besuche, weniger Alkohol, weniger Zusatzkäufe
  • Industrie reagiert: Kleinere Portionen, neue Produkte, neues Marketing

Was als medizinischer Trend begann, entwickelt sich zu einem strukturellen Eingriff in einen der größten Konsummärkte der Welt. Und die Dimension ist erheblich: In den USA nimmt laut einer Umfrage der „KFF Health Tracking Poll“ bereits etwa jeder achte Erwachsene ein GLP-1-Medikament wie Ozempic oder Zepbound. 

Bis 2030 könnten laut „JPMorgan“-Analyse mehr als 30 Millionen Menschen GLP-1-Medikamente nutzen – mit möglichen Umsatzeinbußen für die Branche von 30 bis 55 Milliarden Dollar jährlich.

Ozempic und Zepbound: Kampf gegen Übergewicht – und Milliardenverluste

Der Wirkmechanismus der Medikamente ist dabei entscheidend: GLP-1 steht für ein körpereigenes Hormon, das nach dem Essen ausgeschüttet wird und dem Gehirn signalisiert, dass man satt ist. Die Medikamente verstärken diesen Effekt künstlich. Das Ergebnis: Patienten haben weniger Appetit, essen kleinere Mengen und fühlen sich schneller satt.



Getty Images/Tatsiana Volkava

US-Kardiologen empfehlen: Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro sollen frühzeitig Herz und Kreislauf schützen.

GLP-1-Medikamente verlangsamen zudem die Verdauung und führen dazu, dass Nutzer schneller satt sind. Laut dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen „KPMG“ sinkt die Kalorienaufnahme im Schnitt um 21 Prozent, gleichzeitig geben Konsumenten rund ein Drittel weniger für Lebensmittel aus.

Snacks verlieren, Protein gewinnt

Der Effekt trifft jedoch nicht alle Segmente gleich. Besonders stark betroffen ist laut „CNBC“ der Snackmarkt. Rund 70 Prozent der GLP-1-Nutzer, die weniger Kalorien konsumieren, geben an, auch weniger zu snacken. Klassische Impulsprodukte wie Chips oder Süßigkeiten verlieren damit an Bedeutung.

Stattdessen verschiebt sich die Nachfrage hin zu:

  • mehr Protein (zur Vermeidung von Muskelabbau)
  • mehr Ballaststoffe (für Sättigung und Verdauung)
  • kleinere, funktionale Portionen
  • weniger Zucker und Alkohol 

Diese Verschiebung zwingt Hersteller, ihre Produkte neu zu positionieren. PepsiCo etwa bringt proteinreiche Snacks und ballaststoffreiche Varianten bestehender Produkte auf den Markt. Nestlé entwickelt gezielt Produkte für GLP-1-Nutzer. Und Restaurantketten testen kleinere Portionen und proteinreichere Menüs.

Die Logik dahinter: Wenn Konsumenten weniger essen, muss jede Mahlzeit einen höheren „Nutzen“ liefern.

Restaurants spüren den Druck direkt

Für die Gastronomie ist die Entwicklung aber besonders sensibel. Laut Umfragen gehen GLP-1-Nutzer:

  • bis zu 45 Prozent seltener ins Restaurant (je nach Anlass)
  • rund 60 Prozent berichten von insgesamt weniger Restaurantbesuchen
  • etwa 45 Prozent trinken weniger Alkohol 

Besonders betroffen sind das Abendgeschäft in Fast-Food-Ketten, Frühstück (zuckerhaltige Getränke, Donuts) und Zusatzverkäufe wie Desserts oder Snacks. Weniger betroffen ist bislang das Mittagessen.

Strategische Antworten der Food-Konzerne

Viele Unternehmen reagieren bereits aktiv auf die veränderte Nachfrage. Dabei zeichnen sich drei zentrale Anpassungsstrategien ab: 

1. Erstens werden Produkte gezielt verändert

Durch mehr Protein und Ballaststoffe sowie kleinere Portionsgrößen sollen die Bedürfnisse von Konsumenten mit geringem Appetit befriedigt werden. 

2. Das Marketing verschiebt sich.

Begriffe wie „GLP-1-freundlich“ oder funktionale Ernährung rücken stärker in den Vordergrund und sollen gesundheitlichen Zusatznutzen signalisieren.

3. Anbieter bauen Portfolios um und entwickeln neue Produktlinien

Hersteller setzen etwa auf proteinreiche Snacks oder speziell konzipierte Tiefkühlgerichte.

Europa und Deutschland: Noch am Anfang, aber mit Dynamik

In Europa ist die Entwicklung aktuell weniger weit fortgeschritten, zeigt aber ähnliche Tendenzen. Der Markt für GLP-1-Medikamente wächst dennoch rasant.

Hersteller wie Novo Nordisk und Eli Lilly bauen ihre Produktionskapazitäten weiter massiv aus. In Deutschland steigt die Nachfrage nach Wirkstoffen wie Semaglutid deutlich. Auch Krankenkassen beobachten wachsende Verschreibungszahlen, insbesondere bei Adipositas.

Noch bremsen aber Preis und Erstattung die Verbreitung hierzulande stärker als in den USA. Gleichzeitig erwarten Marktanalysten, dass mit neuen Tablettenformen die Akzeptanz nochmals deutlich steigen wird.

Ein Trend mit Unsicherheiten

Trotz der Dynamik bleibt offen, wie dauerhaft der Effekt ist. Uwe Knop, Diplom-Ernährungswissenschaftler und Mitglied des FOCUS-online-Experts-Circle, verweist auf eine hohe Abbruchquote bei GLP-1-Medikamenten. 

Dänische Forscher warnen, dass dies besonders kritisch ist, weil die Präparate dauerhaft eingenommen werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten – denn nach dem Absetzen kehrt das Hungergefühl meist zurück. 

Die Gründe für Therapieabbrüche sind vielfältig, erklärt Knop: Jüngere Patienten zwischen 18 und 29 Jahren brechen deutlich häufiger ab als ältere, ebenso Menschen in einkommensschwächeren Regionen – ein Hinweis auf die hohen Kosten. 

Auch Männer beenden die Behandlung häufiger als Frauen, möglicherweise wegen geringerer wahrgenommener Erfolge. Hinzu kommen Nebenwirkungen: Vor allem Patienten mit Magen-Darm-Problemen, psychischen Vorerkrankungen oder chronischen Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen überdurchschnittlich oft aus der Therapie aus.

Thomas Sabin

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