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Die US-Tech-Riesen, die voll in KIs und Rechenzentren investieren, haben ihren Wert in nur drei Jahren um sieben Billionen Euro gesteigert. Längst ist die ganze US-Wirtschaft von ihnen abhängig – für Deutschland ein mahnendes Beispiel.

Wann immer Börsen-Anleger ein neues Lieblingsthema gefunden haben, in das sie Geld investieren, ist schnell von einer Blase die Rede. Der Grundtenor in vielen Schlagzeilen ist dann, dass diese Blase kurz vor dem Platzen steht, was wiederum katastrophale Auswirkungen für die ganze Welt haben würde. 

Unberechtigt sind diese Ängste nicht, schließlich gibt es mit der Dotcom-Blase, die zu Beginn des Jahrtausends spektakulär implodierte und der Immobilien-Blase, die 2008 eine weltweite Finanzkrise auslöse, allein aus den vergangenen 25 Jahren zwei prominente Beispiele. Aktuell wird viel die KI-Blase thematisiert, weil eben viel Geld in dieses Zukunftsthema fließt. Damit Sie verstehen, warum dies überhaupt ein Problem sein könnte und wie die Blase entstehen konnte, haben wir diesen Überblick verfasst.

1. Was ist überhaupt eine Blase an der Börse?

Wie in vielen Bereichen des Lebens, gibt es auch an der Börse Trends. Profi-Anleger suchen stets nach den Branchen, Regionen und Konzernen, die ihnen in Zukunft die höchsten Renditen versprechen. Finden sie diese, wird dort viel Geld investiert. Kommen viele Anleger zu demselben Schluss, welche Branche gerade am attraktivsten ist, werden dort viele Investitionen gebündelt. Außerdem erhöht das die Sichtbarkeit des Trends, weswegen dann womöglich sogar mehr Anleger dort investieren, weil es eben alle anderen auch machen.

Das Problem dabei ergibt sich daraus, dass hier Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden müssen. Zwar sind Börsenprofis ganz gut darin, künftige Entwicklungen zu prognostizieren, aber sie können auch komplett daneben liegen. Deswegen sind solche Trends meist Wetten auf die Zukunft. Weil eine Branche aber immer nur eine begrenzte Anzahl an Unternehmen und Aktien besitzt, müssen Anleger in immer kleinere Firmen investieren, wenn sie Teil des Trends sein wollen. Das führt dazu, dass viel mehr Geld in Konzerne, Startups oder Finanzprodukte fließt, als es deren tatsächliche Geschäfte rechtfertigen. 

In diesem Fall sprechen Börsianer davon, dass der Markt künstlich aufgebläht wird. Es entsteht eine Blase, die nicht mehr im Geringsten mit den fundamentalen Umsätzen und Renditen der Unternehmen in ihr zu erklären ist. Lösen diese Unternehmen die in sie gesetzten Gewinnversprechen dann nicht ein, ziehen Investoren die Gelder wieder ab, indem sie Aktien verkaufen. Wenn das viele Investoren auf einmal machen, weil sich ein Abwärtstrend ergibt, wird sehr schnell sehr viel Geld aus dem Markt gezogen. Das ist der Moment, in dem die Blase platzt.

2. Was ist das Spezielle an der KI-Blase?

Die jetzige KI-Blase hat sich in den vergangenen drei Jahren aufgebläht. Künstliche Intelligenz ist eine Zukunftsbranche, von der sich alle Ökonomen enorme Produktivitäts- und damit Gewinnsteigerungen versprechen. Entsprechend will jeder dabei sein. Das gilt auch für die Tech-Unternehmen selbst. Für KIs sind zwei Dinge notwendig: Zum einen braucht es die entsprechende Software, also die KIs selbst. Die werden bisher hauptsächlich von nicht-börsennotierten Unternehmen hergestellt. ChatGPT, die bekannteste KI, ist zum Beispiel ein Produkt der Firma OpenAI – die wiederum nicht an der Börse platziert ist.

Zum anderen braucht es für KIs riesige Hardware-Kapazitäten in Form von Rechenzentren. Dafür sind Computer und Chips erforderlich. Die wiederum stammen von den klassischen Tech-Riesen wie Nvidia und AMD.

Was sich daraus in den vergangenen Jahren entwickelt hat, ist eine Kreislaufwirtschaft der besonderen Sorte. Große Tech-Konzerne wie Microsoft, Amazon, AMD und Nvidia investieren hohe Summe, teils Hunderte Milliarden Dollar, in KI-Entwickler wie OpenAI und Anthropic. Diese wiederum nutzen das Geld nicht nur, um ihre Produkte weiterzuentwickeln, sondern auch, um Rechenzentren aufzubauen. Für diese wiederum kaufen sie dann Chips von etwa AMD und Nvidia sowie Cloud-Speicherplatz bei Amazon und Alphabet – ein Teil der Investments fließt so also wieder zurück.

Mittlerweile hat sich darauf ein riesiges Geflecht entwickelt, in dem nur eine Handvoll an Konzernen sich gegenseitig riesige Geldsummen zuschiebt. Nvidia, Microsoft, Amazon und Google sind dabei die größten Geldgeber, OpenAI und Anthropic die größten Empfänger. Es gibt aber auf beiden Seiten noch zahlreiche weitere Mitspieler. Mit der japanischen Softbank gehört auch ein nicht-amerikanisches, nicht-Tech- Unternehmen dazu. Alle teilnehmenden Konzerne einigt ein Aspekt: Sie alle setzen darauf, dass sich in Zukunft mit KIs so viel Geld verdienen lässt, dass sich die riesigen Investitionen von heute lohnen. Mittlerweile wurde dabei bereits mehrere Billionen Euro verschoben.

3. Warum ist das überhaupt ein Problem?

Solange die Tech-Riesen das Geld für Investitionen haben und keiner den Glauben an die künftigen Gewinne von KIs verliert, ist für die teilnehmenden Konzerne alles okay. Alle anderen schauen aber mit Bangen auf das KI-Spiel. Das liegt daran, dass die US-Tech-Riesen ihren Wert dadurch enorm gesteigert haben. Nvidia etwa war Anfang 2023 noch rund 1,2 Billionen Dollar wert, mittlerweile sind es mit 4,5 Billionen Dollar fast viermal so viel. Alphabet hat sich von 1,8 auf 3,9 Billionen Dollar mehr als verdoppelt, das kleinere OpenAI von 26 auf 500 Milliarden Dollar.

All diese Tech-Konzerne sind in Börsenindizes der USA vertreten. Der S&P 500 fasst etwa die 500 größten Konzerne des Landes zusammen. Doch dieser wird immer stärker von nur sieben Unternehmen dominiert, die mittlerweile auch als „Magnificient Seven“ zusammengefasst werden. Sie machen mittlerweile mehr als ein Drittel des gesamten Index aus. Zu der Gruppe gehören neben den erwähnten Amazon, Alphabet, Microsoft und Nvidia noch Meta, Tesla und Apple. Letztere beiden sind die einzigen, die bisher nicht groß in KIs investieren, Tesla ist zudem der einzige Konzern, der nicht primär mit Tech sein Geld verdient.

S&P 500 von sieben Firmen abhängig

Weil diese sieben Konzerne einen so großen Anteil ausmachen, ist der S&P 500 mittlerweile komplett von ihnen abhängig. Im vergangenen Jahr machte er ein Plus von rund 18 Prozent. Nach einer Auswertung der Großbank Goldman Sachs hatten die Magnificient Seven daran einen Anteil von 52 Prozent. Ohne sie wären die Gewinne nur halb so hoch ausgefallen. Nochmal zur Erinnerung: Sieben von 500 Konzernen machen hier die Hälfte aller Gewinne aus.

Darin besteht das große Problem: Sollten sich die Wetten auf künftige KI-Gewinne nicht verwirklichen, würden die Aktien der großen Sieben darunter leiden. Nvidia und Microsoft werden deswegen nicht in die Insolvenz rutschen, aber selbst, wenn sie deswegen nur einmal ein schlechtes Jahr haben und 20 Prozent an Wert verlieren, können die restlichen 493 Konzerne dies nicht ausgleichen.

Das führt dann zu einer Kettenreaktion: Sinken die Kurse des S&P 500, verkaufen Anleger zum Beispiel ETF-Anteile, die sie daran halten. Damit werden auch die Aktien der eigentlich normal laufenden anderen 493 Konzerne verkauft. Also sinken auch deren Kurse. Daraus wiederum kann sich schnell ein Lauffeuer entwickeln, bei dem weitere Investoren wegen sinkender Kurse ihre Aktien verkaufen. Die US-Wirtschaft würde dann in eine Krise rutschen. Das bliebe dann aber nicht auf die USA beschränkt. Schließlich sind auch deutsche Unternehmen prominent in den USA vertreten und würden dort weniger Geld verdienen. Entsprechend könnten dann auch deren Aktien hier in Deutschland abverkauft werden. Der Dax würde dann sinken und die deutsche Wirtschaft in eine Krise ziehen.

4. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario?

Analysten tun sich bisher schwer, die KI-Blase zu beurteilen. Die beiden Extremszenarien sind so gut wie auszuschließen. Weder wird die Blase so stark platzen, dass sie eine weltweite Krise wie die Dotcom-Blase oder die Finanzkrise auslösen wird. Schließlich ist KI tatsächlich ein valides Produkt, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Andererseits dürften aber auch die kühnen Gewinne nicht eintreten, die sich viele Investoren heute davon versprechen.

Als wahrscheinlich gilt deswegen, dass es irgendwann eine Korrektur gibt. Als solche wird in der Regel ein Rückgang der Kurse um maximal 20 bis 30 Prozent innerhalb eines kurzen Zeitraums interpretiert. Eine Korrektur würde bedeuten, dass Investoren Aktien nicht panisch verkaufen, sondern ihre Investments realistischeren Erwartungen anpassen – sich also selbst korrigieren.

Goldman Sachs argumentiert etwa dafür, weil die großen Sieben zwar viel Geld in KI stecken, aber auch außerhalb dessen noch viel Geld verdienen. Amazons Online-Versand wird nicht einbrechen, weil KIs nicht die erwarteten Gewinne bringen, Facebook und Instagram auch weiter existieren und Nvidia Grafikkarten für Kryptowährungen, Gamer und andere Anwendungen verkaufen.

Solche Korrekturen gibt es am Aktienmarkt häufiger und selten bekommen Sie als Laie etwas davon mit. Nach den Zoll-Ankündigungen von Donald Trump im Vorjahr brach der Dax etwa kurzzeitig um bis zu 16 Prozent ein, ohne dass die deutsche Wirtschaft darunter langfristig litt.

Christoph Sackmann

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6 Kommentare

  1. Interesting update on So verstehen Sie, wie KI die ganze Wirtschaft von sich abhängig macht. Looking forward to seeing how this develops.

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