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Zu IPOs, Neuemissionen eine sehr interessante Statistik: Die Tabelle zeigt die Kursentwicklung einer Gruppe typischer Wachstums und Techaktien nach ihrem Börsengang bzw. in einer frühen Börsenphase. Erfasst werden die Renditen nach 1 Woche, 1 Monat, 3 Monaten, 6 Monaten und 12 Monaten sowie der maximale Kursverlust innerhalb des ersten Jahres („Year 1 Max Drawdown“). Quelle: Truist Financial-Chefstratege Keith Lerner.
Die wichtigste Erkenntnis springt sofort ins Auge: Selbst die größten Gewinner der letzten Jahre mussten im ersten Jahr nach dem Börsengang oft brutale Kursverluste aushalten.
Palantir beispielsweise lag nach 3 Monaten bereits 164 % im Plus, nach 6 Monaten 132% und nach einem Jahr 153%. Trotzdem betrug der maximale zwischenzeitliche Rückgang im ersten Jahr satte 53%. CrowdStrike gewann nach einem Jahr 64%, erlitt aber zwischendurch einen Absturz von 67%. Cloudflare stieg nach einem Jahr um 90%, musste aber zuvor einen Rückgang von 32% überstehen. MongoDB legte innerhalb von 12 Monaten um 103% zu, fiel zwischenzeitlich jedoch um 26%. Zoom war nach einem Jahr 142% im Plus, verlor aber zwischenzeitlich 40%. Twilio stieg nach 3 Monaten bereits um 125%, musste aber dennoch einen Drawdown von 66% verkraften. Besonders eindrucksvoll ist CoreWeave. Die Aktie lag nach 3 Monaten 300% im Plus und nach 6 Monaten 217%. Trotzdem zeigt die Historie einen maximalen Rückgang von 65%.
Auf der anderen Seite gab es zahlreiche Enttäuschungen:
Lyft verlor nach einem Jahr 65%. Robinhood verlor 74%. Rivian verlor 67%. Coinbase verlor 55%. Coupang verlor 65%. Facebook verlor im ersten Jahr 31%. Twitter verlor 10%.
Das bedeutet: Einige wenige extreme Gewinner wie Palantir, Zoom, CoreWeave oder Twilio ziehen den Durchschnitt stark nach oben, während die Mehrheit eher mittelmäßig oder sogar schlecht abschneidet.
Die vielleicht wichtigste Aussage der gesamten Grafik lautet: Wer die großen Tech Gewinner besitzen will, muss bereit sein, enorme Schwankungen auszuhalten. Der durchschnittliche maximale Rückgang im ersten Börsenjahr beträgt 55%. Der Median liegt bei 54%. Praktisch jede Aktie in der Tabelle verlor zeitweise zwischen 40% und 70% ihres Wertes, selbst viele spätere Börsenstars.
SpaceX also sofort zeichnen ? Auf der anderen Seite gilt es einzugestehen, dass SpaceX kein junges Startup-Küken ist, sondern ein Unternehmen mit Milliardenumsätzen und hoher Profitabilität. Umsatz 2025: rund 15 bis 19 Mrd. US Dollar, je nach Quelle und Bilanzabgrenzung. EBITDA bzw. operativer Cashflow: etwa 6,6 bis 8 Mrd. US Dollar. Das ist außergewöhnlich hoch und zeigt, dass die operativen Kernbereiche sehr profitabel sind. Nach klassischen Bilanzierungsregeln (GAAP) wurde für 2025 teilweise jedoch ein Nettoverlust von rund 4,9 Mrd. US Dollar ausgewiesen. Hauptgrund sind gigantische Investitionen in Starship, Satelliten, Rechenzentren sowie Verluste aus dem integrierten KI Geschäft xAI.
Informationen zum SpaceX IPO:
Erstmals können deutsche Privatanleger über Anbieter wie Trade Republic sowie über die Wertpapierplattformen von Deutsche Bank, ING und Commerzbank Anteile an SpaceX zeichnen. SpaceX will rund 555,6 Millionen neue Aktien ausgeben und damit etwa 75 Milliarden US-Dollar einsammeln. Das wäre der größte Börsengang der Geschichte. Die angestrebte Bewertung liegt bei rund 1,75 Billionen US-Dollar. Damit wäre SpaceX auf Anhieb mehr wert als Saudi Aramco, Tesla oder Meta und würde in die absolute Spitzengruppe der globalen Börsenelite aufsteigen.
Bemerkenswert ist nicht nur die Größe des Börsengangs, sondern auch die Art seiner Durchführung. Während klassische IPOs von einer kleinen Gruppe großer Fonds dominiert werden, versucht Elon Musk bewusst, Millionen Privatanleger einzubinden. 25 bis 30% der angebotenen Aktien sollen an Kleinanleger gehen. Normalerweise erhalten Privatanleger bei großen Börsengängen lediglich 5 bis 10%. Sollte SpaceX tatsächlich die geplanten 30% ausschöpfen, würden Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar an private Investoren gehen. Das wäre ein historischer Rekord.
Die Platzierung wird weltweit über ein komplexes Netzwerk organisiert. In den USA erfolgt der Zugang vor allem über Robinhood, SoFi, Fidelity, Schwab und E*Trade. Fidelity senkte die Mindestschwelle sogar auf lediglich 2.000 US-Dollar. Robinhood und SoFi verzichten teilweise ganz auf Mindestguthaben. Die Aktien werden dort häufig per Losverfahren verteilt, weil die Nachfrage die verfügbaren Stückzahlen deutlich übersteigt.
In Europa läuft die Platzierung anders. Hier übernehmen große Banken die Verteilung. Deutsche Bank und UBS koordinieren weite Teile Kontinentaleuropas, Barclays betreut Großbritannien, Royal Bank of Canada den kanadischen Markt und Mizuho große Teile Asiens. Deutsche Privatanleger gelangen deshalb vor allem über Trade Republic, Deutsche Bank, ING und Commerzbank an die Aktien. Vermögende Kunden können zusätzlich über die Private Banking Abteilungen internationaler Großbanken zeichnen.
Die eigentliche Aufteilung der Emission gleicht einer geopolitischen Kapitaloffensive. Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungen und Vermögensverwalter dürften weiterhin den größten Anteil erhalten. Schätzungen zufolge gehen etwa 70 bis 75% der Aktien an diese professionellen Investoren. Die restlichen 25 bis 30% werden für Privatanleger reserviert. Innerhalb dieser Gruppe konkurrieren amerikanische, europäische, britische und asiatische Anleger um dieselben Aktienkontingente.
Noch ungewöhnlicher ist die Preisgestaltung. Statt wie üblich zunächst eine Preisspanne festzulegen und anschließend den Markt entscheiden zu lassen, setzte Musk den Preis direkt auf 135 US-Dollar fest. Gleichzeitig erlaubt der europäische Prospekt eine spätere Anhebung um bis zu 20%. Daraus ergibt sich faktisch eine mögliche Preisspanne von 135 bis 162 US-Dollar. Musk signalisiert damit etwas sehr Ungewöhnliches: Er möchte den Markt nicht fragen, was SpaceX wert ist. Er sagt dem Markt, was SpaceX wert sein soll.
Die Nachfrage scheint ihm Recht zu geben. Bereits wenige Tage nach Beginn der Vermarktung lagen nach Medienberichten Kaufaufträge von rund 150 Milliarden US-Dollar vor. Das entspricht etwa dem Doppelten des geplanten Emissionsvolumens. Und das noch bevor die eigentliche Zeichnungsphase abgeschlossen ist.
Die Begeisterung erklärt sich durch die Sonderstellung von SpaceX. Das Unternehmen dominiert den globalen Raketenmarkt, betreibt mit Starlink das größte Satelliteninternetsystem der Welt und kontrolliert inzwischen einen erheblichen Teil aller weltweiten Orbitalstarts. Starlink zählt bereits mehr als 10 Millionen Nutzer. Gleichzeitig entwickelt SpaceX mit Starship die leistungsfähigste Rakete der Geschichte und verfolgt Projekte, die von globaler Kommunikation über militärische Infrastruktur bis hin zu Mond und Marsmissionen reichen.
Genau deshalb betrachten viele Anleger diesen Börsengang als eine Beteiligung an der Infrastruktur der Zukunft. Während die meisten Unternehmen Produkte verkaufen, verkauft SpaceX die Vision einer neuen Industrie. Musk spricht von einer zukünftigen Weltraumwirtschaft, von orbitalen Rechenzentren, globaler Konnektivität und einer langfristigen Expansion der Menschheit über die Erde hinaus.
Natürlich existieren erhebliche Risiken. SpaceX erzielte 2025 zwar einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden US-Dollar, verbuchte aber gleichzeitig einen Nettoverlust von knapp 5 Milliarden US-Dollar. Die Bewertung entspricht mehr als dem 90fachen Jahresumsatz. Selbst renommierte Analysten halten die Bewertung für extrem ambitioniert. Kritiker argumentieren, dass ein großer Teil des Börsenwerts auf Erwartungen basiert, die erst in vielen Jahren Realität werden könnten.
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6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Good point. Watching closely.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Solid analysis. Will be watching this space.
Great insights on Aktien-News. Thanks for sharing!
Interesting update on SpaceX – Diese Statistik verschweigen sie Dir! (*). Looking forward to seeing how this develops.