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- JPY/USD – WKN: 965242 – ISIN: XC0009652428 – Kurs: 0,00630 $ (FOREX)
Nicht nur Donald Trumps neuer „Zollhammer“ gegen die EU belastete die Kurse von Aktien und Anleihen. Auch am Anleihemarkt selbst gab es Turbulenzen.
Japan: Politische Unsicherheiten lassen Renditen stark steigen
So haben die Renditen japanischer 40-jähriger Ultra-Langläufer zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahr 2007 die 4%-Marke durchbrochen. Gut, nun kann man sagen, das ist noch gar nicht so lange her, und die Inflation in Japan steigt seit einigen Monaten wieder und liegt seit 2022 konstant über dem Ziel der Währungshüter von 2 % (siehe z.B. Börse-Intern vom 05.12.2025).
Aber der Anstieg der Marktrenditen ist bei allen längeren Laufzeiten offensichtlich. 10-jährige japanische Staatsanleihen (Japan Government Bonds – JGB) erreichten Anfang dieser Woche 2,4 % und haben damit die Schallmauer von 2 % klar übersprungen, die zuvor seit 1997 (!) nicht überwunden wurde:
Grund waren politische Unsicherheiten. So hat die neue japanische Premierministerin Sanae Takaichi das Parlament aufgelöst, sodass vorgezogene Neuwahlen am 8. Februar anberaumt wurden. Im Wahlkampf hat sie nun Pläne in Höhe von 135 Milliarden USD vorgestellt, wonach sie Steuersenkungen mit höheren Staatsschulden verbinden will. Zudem bekräftigte sie am Montag auch ihre Absicht, die japanische Umsatzsteuer von 8 % auf Lebensmittel für zwei Jahre auszusetzen.
Berechtigte Sorgen oder Panikreaktion?
Die – immer noch ungewohnte – Inflation, insbesondere bei Lebensmittel, ist für viele Japaner ein Ärgernis. So stieg der Preis für Reis – bekanntlich das Grundnahrungsmittel in Japan – seit 2022 um 100 %. Für die Japaner, die seit Jahrzehnten stabile Preise ohne nennenswerte Schwankungen gewohnt waren, ist das ein regelrechter Schock.
Doch der Plan der Premierministerin hat die Sorgen der Anleger über Japans Kombination aus hoher Verschuldung und steigenden Renditen geschürt. Angesichts einer Verschuldung von mehr als 200 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) flüchteten viele Investoren aus JGBs langer Laufzeiten, was die Renditen in ungeahnte Höhen trieb. Überdies war der Anstieg der 30- und 40-Jahres-Renditen um mehr als 25 Basispunkte vom Dienstag der stärkste seit Präsident Trumps „Zoll-Hammer“ Anfang April 2025.
Mag sein, dass dies zunächst eine Panikreaktion der Anleiheinvestoren ist. Schließlich ist es längst nicht sicher, dass die skandalumwitterte Liberaldemokratische Partei von Sanae Takaichi tatsächlich erneut die Mehrheit im Unterhaus des japanischen Parlaments gewinnen kann. Im Oberhaus, wo keine Neuwahlen stattfinden, fehlt ihr ohnehin die Mehrheit. Und selbst, wenn die Partei Sitze hinzugewinnen kann, bleibt vorerst offen, ob das reicht, um ihre Finanzpolitik durchzusetzen.
Japans Liz-Truss-Moment
Dennoch dürften bei Anleiheinvestoren unschöne Erinnerungen hochkommen – und zwar an die Amtszeit der ehemaligen britischen Premierministerin Liz Truss. Diese war eigentlich mit gerade einmal 45 Tagen (!) zu kurz, um besondere historische Ereignisse zu prägen.
Sie ging trotzdem in die Geschichte ein, denn ihr Beschluss vom September 2022, Steuersenkungen über Staatsschulden zu finanzieren, wurde von den Finanzmärkten – anders als von ihr erwartet – massiv abgestraft: Das Britische Pfund und britische Staatsanleihen knickten massiv ein, sodass sogar die Bank of England eingreifen musste, um Pensionsfonds vor dem Kollaps zu retten. Truss stampfte ihren Plan daraufhin ein und trat ein paar Wochen später zurück.
Warum der JPY nun (mehr) Aufmerksamkeit verdient
Es scheint, dass die Anleger in Japan ebenfalls einen Liz-Truss-Moment befürchten und daher zunächst aus JGBs geflüchtet sind. Allerdings muss man abwarten, ob sich die Lage eventuell bald wieder beruhigt. Schließlich gab es beim Japanischen Yen – anders als 2022 bei Britischen Pfund – keine allzu auffälligen Kursreaktionen:
Der Yen-Kurs gab zwar etwas nach, aber die Reaktion war keineswegs spektakulär.
Dennoch muss man den weiteren Verlauf bei JGBs und JPY im Auge behalten. Grund: Wenn die Renditen sich dauerhaft auf dem aktuellen Niveau einpendeln, könnte es mittelfristig zu unerwünschten Marktreaktionen kommen. So beträgt der Renditeabstand (Spread) zwischen 10-jährigen US- und japanischen Staatsanleihen nur noch rund zwei Prozentpunkte. In den vergangenen Jahren waren es stets drei oder mehr Prozentpunkte.
Wenn der Carry Trade endet …
Und da die US-Zentralbank tendenziell die Zinsen drücken wird (vor allem ab Mai unter einem neuen, von Donald Trump ernannten Vorsitzenden) könnte der Spread weiter sinken. Das wiederum könnte den JPY/USD-Carry Trade beenden. Zur Erinnerung: Aufgrund der chronisch niedrigen Zinsen in Japan haben sich viele Anleger in Japanischen Yen billig verschuldet und dieses Kapital z.B. in den USA höher rentierlich angelegt. Dadurch stieg auch der USD/JPY-Kurs lange Zeit fast kontinuierlich.
Einen Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn sich dieses Muster dreht, erhielten wir im August 2024, als die (vermeintliche) Zinswende der japanischen Zentralbank einen kleinen Crash beim JPY/USD-Wechselkurs und vor allem beim Nikkei-Index auslöste (siehe Börse-Intern vom 06.08.2024)
Das erscheint zwar weit weg von DAX und Co. aber wenn die Carry Trades von Investoren in großem Stil aufgelöst werden müssen, weil ihre Positionen durch einen steigenden Yen ins Minus geraten, könnte dies eine Kettenreaktion auslösen.
Warum ihr 2026 echte Profis an eurer Seite braucht
Noch ist es nicht soweit – aber ein Anstieg des JPY/USD-Kurses bis über die Oberkante seiner aktuellen Bodenformation (siehe gelbes Rechteck im Chart oben) könnte diesen Mechanismus schon in Gang setzen.
Es gibt also einiges, worauf Anleger in diesem Jahr achten müssen! Und der neue geopolitische Hickhack um Grönland und andere Regionen macht die Sache nicht einfacher.
Daher lege ich allen nochmals die Stockstreet-Neujahrsaktion ans Herz mit der ihr euch zum einen unsere Profis an die Seite holen, die euch gewohnt souverän durch diese und andere Unwägbarkeiten der Märkte begleiten, und mit der ihr zum anderen besonders günstig in den Genuss dieses Knowhows kommen: Denn ihr erhaltet fast alle unsere Börsenbriefe drei Monate lang zum Preis von einem Monat! Aber Achtung! Die Aktion kann jederzeit enden!
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19 Kommentare
Die Reaktion der Anleiheinvestoren auf Takaichis Pläne erinnert an eine Panikverkaufsstimmung. Es ist wichtig, die Situation genau zu beobachten und rationale Entscheidungen zu treffen.
Der Anstieg der 30- und 40-Jahres-Renditen um über 25 Basispunkte, der stärkste seit Trumps „Zoll-Hammer“ im April 2025, deutet auf eine ernsthafte Verunsicherung der Anleger hin.
Die Tatsache, dass die Renditen japanischer 40-Jahres-Anleihen erstmals seit 2007 die 4%-Marke überschritten haben, ist beunruhigend, besonders wenn man bedenkt, dass Japan seit Jahrzehnten mit extrem niedrigen Zinsen gearbeitet hat.
Die Tatsache, dass die Liberaldemokratische Partei bereits im Oberhaus keine Mehrheit hat, schwächt Takaichis Position erheblich und macht die Durchsetzung ihrer Finanzpolitik unwahrscheinlicher.
Es ist interessant zu sehen, wie sich die globale Wirtschaft auf Japan auswirkt, insbesondere durch Ereignisse wie Trumps Zölle. Die Verbindung ist offensichtlich.
Die Neuwahlen könnten eine Chance für eine gemäßigtere Finanzpolitik darstellen, wenn die Liberaldemokratische Partei keine klare Mehrheit erhält. Das wäre positiv für die Anleihemärkte.
Ein Preisanstieg von 100% für Reis seit 2022 ist eine enorme Veränderung für japanische Verbraucher, die an stabile Preise gewöhnt sind. Das erklärt die Sorge der Anleger.
Die Sorge vor einem „Japans Liz-Truss-Moment“ ist berechtigt. Die Märkte reagieren sehr empfindlich auf politische Unsicherheiten und unkonventionelle Wirtschaftspolitik.
Die Tatsache, dass die Inflation in Japan seit 2022 über dem Zielwert von 2% liegt, ist ein Paradigmenwechsel und erfordert eine neue Herangehensweise an die Geldpolitik.
Ich finde es bemerkenswert, dass die 2%-Marke bei den 10-jährigen JGBs erst jetzt seit 1997 überschritten wurde. Das zeigt, wie außergewöhnlich die japanische Geldpolitik der letzten Jahrzehnte war.
Die Entwicklung der JGB-Renditen ist ein Warnsignal. Eine anhaltende Flucht aus japanischen Staatsanleihen könnte zu einer ernsthaften Finanzkrise führen.
Die geplante Aussetzung der Umsatzsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre durch Premierministerin Takaichi klingt nach einem riskanten Schritt, der die Staatsverschuldung weiter erhöhen könnte, besonders angesichts der bereits über 200% des BIP liegenden Verschuldung.
Ich frage mich, ob die politische Unsicherheit wirklich der Hauptgrund für den Anstieg der JGB-Renditen ist, oder ob die Inflationsrate von über 2% seit 2022 eine größere Rolle spielt, als der Artikel andeutet.
Ich bin skeptisch, ob die vorgeschlagenen 135 Milliarden USD für Steuersenkungen wirklich die japanische Wirtschaft ankurbeln werden, oder ob sie nur die Staatsverschuldung erhöhen und das Vertrauen der Anleger weiter untergraben.
Die Erwähnung des Reispreises als Beispiel für die Inflation ist sehr anschaulich. Reis ist ein Grundnahrungsmittel, und ein Preisanstieg von 100% hat direkte Auswirkungen auf die Lebenshaltungskosten der Menschen.
Absolut. Gerade in Japan, wo Reis eine so zentrale Rolle in der Kultur und Ernährung spielt, ist dieser Preisanstieg besonders spürbar.
Die Kombination aus hoher Verschuldung und steigenden Renditen ist eine gefährliche Situation für Japan. Es bleibt abzuwarten, wie die Regierung darauf reagieren wird.
Der Vergleich mit Liz Truss‘ Amtszeit ist treffend – eine kurze Periode politischer Instabilität kann verheerende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben, wie man in Großbritannien gesehen hat.
Die Neuwahlen am 8. Februar werden entscheidend sein. Wenn Takaichi und ihre Partei keine Mehrheit erhalten, könnten ihre Pläne zur Steuersenkung und höheren Staatsverschuldung scheitern, was die Märkte beruhigen könnte.