Listen to the article
Kernaussagen
🌐 Translate Article
📖 Read Along
💬 AI Assistant
Um sich von Russland zu lösen, kauft die EU massenhaft LNG ein. Ökonomen haben vor neuen Abhängigkeiten gewarnt. Die EU muss sich vorbereiten.
„Wir sind von einer massiven Abhängigkeit in die nächste geraten.“ So warnt Henning Gloystein von der Beratungsfirma Eurasia Group vor einem LNG-Stopp aus den USA. Zur „New York Times“ sagte der Experte, dass US-Präsident Trump in der aktuellen geopolitischen Lage die LNG-Marktmacht der Vereinigten Staaten ausnutzen könnte. Wie hat sich Deutschland darauf vorbereitet?
USA als Rettung: EU schichtet Gas-Importe drastisch um
Der Bundesrepublik ist 2022 schmerzlich bewusst geworden, wie gefährlich Abhängigkeiten bei der Energieversorgung sind. Damals waren es Gas-Lieferungen aus Russland, die einen gewaltigen Teil der deutschen Importe ausmachten. Als der Kreml die Lieferungen im Jahr 2022 zuerst verringerte und dann letztendlich einstellte, folgte eine erhebliche Energieverknappung und Verteuerung.
Die Entwicklung war dermaßen gravierend, dass Unternehmen überall in der Wirtschaft sich noch heute wegen der hohen Energiekosten beschweren.
Dasselbe könnte nun aus dem Weißen Haus drohen. Um sich von russischem Gas zu lösen, hat sich die Europäische Union in hohem Maße dem LNG zugewandt, das zu einem großen Teil aus den USA kommt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete Anfang April 2025, dass rund 96 Prozent aller LNG-Importe nach Deutschland aus den USA stammen. Auf die ganze EU gerechnet, liegt der Anteil bei mehr als 60 Prozent. Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis hat berechnet, dass im Jahr 2030 rund 40 Prozent aller europäischen Gas-Importe aus den USA kommen könnten. Die Kosten sind, verglichen mit russischem Pipeline-Gas, teils deutlich höher.
Wenn Trump Europas Gashahn abdreht
Daher stammt also die Angst vor einer neuen Energiekrise. Könnten deutsche Haushalte wegen ausbleibender Gaslieferungen kalt bleiben, wenn Trump es entscheidet?
Es gibt zwei abschwächende Faktoren gegenüber 2022.
- Erstens bezieht Deutschland doch auch anderes Gas, nicht nur LNG. Laut der Bundesnetzagentur macht LNG etwa zehn Prozent am deutschen Gasmix aus.
- Zweitens hat Trump wenig Grund, um die Lieferungen einzustellen
Oder etwa doch? Die MAGA-Bewegung hat sich dicht hinter den Präsidenten gestellt, als er im Frühjahr 2025 angefangen hatte, gegen die EU zu schießen. Sie bezahle nicht genug für die Nato, sie behandele die USA unfair und ihre Werte stimmen nicht mit dem „neuen“ Amerika überein. All das hat zu einer Entfremdung zwischen der EU und den USA gesorgt.
Das große Aber: Im Gegensatz zu Kreml-Chef Wladimir Putin, der in die russischen Staatskonzerne eingreifen kann, muss sich Trump beim Gas vor seinen Energiekonzernen verantworten. Die verzichten nur ungern auf die europäischen Milliarden. Ein Vertrag legt fest, dass die EU zwischen 2026 und 2028 US-Energie im Wert von 250 Milliarden Dollar kaufen muss. Diese Einnahmen würden große Lücken in die Bücher der amerikanischen Gasriesen reißen, falls sie am Ende fehlen.
Gas-Versorgung gesichert: Wie anfällig Europa ist
Auf welche Notfallpläne können die Energiekonzerne und die Bundesnetzagentur zurückgreifen, falls Trump der EU den LNG-Hahn doch zudrehen will? Auf Anfrage von FOCUS online teilte die Netzagentur mit, dass Deutschland über verschiedene Importmöglichkeiten verfüge. Es seien „ausreichend Gasmengen auf dem Weltmarkt verfügbar“, außerdem könnte Norwegen große Mengen an Pipeline-Gas exportieren – und die LNG-Terminals würden ebenfalls zusätzliche Importe erlauben.
Einen Notfallplan oder explizite Vorbereitung auf ein Szenario, das Deutschland in ähnlicher Form ja bereits erlebt hat, erwähnte die Bundesnetzagentur nicht. Ähnlich reagierte das Unternehmen Safe Energy For Europe (SEFE). Ein Sprecher verwies auf das norwegische Unternehmen Equinor, das bis 2034 etwa zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas liefern soll. Das entspreche einem Drittel des Bedarfs der deutschen Industrie.
„Gleichzeitig haben wir neue Partnerschaften mit Argentinien, Aserbaidschan, Oman und weiteren Ländern aufgebaut“, erklärte SEFE. Die USA seien nur eine Bezugsquelle von vielen. Die Strategie lautet also, so schnell und so breit es geht zu diversifizieren, ehe ein einzelnes Land eine Krise auslösen kann.
EU steigt aus Putins Gas aus
Wie geht es weiter? Die EU hat erst vor wenigen Wochen den endgültigen Ausstieg aus russischen Energieexporten beschlossen. Die Deadlines unterscheiden sich dabei zwischen Kurz- und Langzeitverträgen sowie nach Pipeline-Gas und Flüssigerdgas (LNG). Je weniger Gas die EU aus Richtung Osten bezieht, umso mehr muss sie über alternative Zulieferer kompensieren. Das könnte für neuen Druck auf dem Gasmarkt sorgen, denn Länder wie Ungarn und die Slowakei müssen sich dann auch um Alternativen kümmern.
Den vollständigen Artikel hier lesen


5 Kommentare
Great insights on News. Thanks for sharing!
Interesting update on Von Putin zu Trump: Deutschlands neue Gas-Abhängigkeit. Looking forward to seeing how this develops.
Good point. Watching closely.
Solid analysis. Will be watching this space.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.