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Um die Arbeitszeit der Deutschen tobt eine heiße Debatte. Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat nun mit einer Äußerung Öl ins Feuer gegossen. Sein Vorschlag: Nur bestimmte Arbeitnehmer sollen länger arbeiten.

Deutliche Reformen am Sozialstaat fordert Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Angesichts des Drucks auf Renten- und Sozialsysteme mahnte er eine offene Diskussion über notwendige Einschnitte an – auch mit Blick auf die Stärke der AfD.

„In Berufen am Schreibtisch muss man darüber sprechen, die Lebensarbeitszeit zu erhöhen“, so Sewing. Darüber hinaus brachte er ins Spiel, den Kündigungsschutz für Besserverdienende zu überprüfen und die Vielzahl der Krankheitstage in Deutschland genauer zu hinterfragen. Diese liege im Vergleich mit der Schweiz zwei- bis dreimal so hoch.

Unbequeme Veränderungen für Arbeitnehmer

Sewing machte deutlich, dass die Deutschen in den nächsten Jahren mit unbequemen Veränderungen rechnen müssten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern. Reformen seien auch nötig, um der AfD einen Riegel vorzuschieben, so Sewig: „Wenn die Menschen sehen, dass Probleme gelöst werden und am Ende mehr im Portemonnaie bleibt, lässt sich der Schwenk zum Nationalismus verhindern.“ Um das zu erreichen, müssten sich die Deutschen allerdings „umstellen und in den nächsten drei bis fünf Jahren auch Schmerzen in Kauf nehmen.“

Dabei seien die meisten Arbeitnehmer schon auf schwere Entscheidungen vorbereitet: Eine Umfrage der Deutschen Bank zeige, dass inzwischen mehr als 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr glauben, dass die gesetzliche Rente im Alter ausreichen werde – deutlich mehr als noch vor fünf Jahren. Als zentrale Stellschrauben für die Zukunftsfähigkeit des Landes nennt Sewing eine stärkere Kapitaldeckung der Altersvorsorge sowie eine produktivere Arbeitsgesellschaft.

Politische Konsequenzen

Sewing warnte vor möglichen politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, sollte nach den Landtagswahlen im Herbst 2026 ein AfD-Politiker zum Ministerpräsidenten gewählt werden. „Wenn das Teil einer generellen Bewegung ist, die ausstrahlt und Deutschland etwa über den Bundesrat blockiert, wäre das verheerend“, sagte er. Ein solcher Verlauf könnte internationale Investoren abschrecken und die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation weiter verschärfen.

Mit seinen Forderungen zu mehr Arbeitszeit liegt Sewing auf einer Linie mit verschiedenen Unionspolitikern, die sich in den vergangenen Wochen ähnlich geäußert haben. Der CDU-Wirtschaftsrat, ein der Partei nahestehender Lobbyverband, hatte etwa vorgeschlagen, den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu begrenzen und sogenannte Lifestyle-Teilzeit einzuschränken. 

Teile der Union sowie Unternehmer argumentieren, Deutschland müsse insgesamt mehr arbeiten: weniger Teilzeit, längere Lebensarbeitszeit und eine Reform des Sozialstaats, um Arbeitsangebot und Wachstum zu steigern. Auch Ökonomen befürworten diesen Vorstoß. 

Kritiker warnen vor hohem Krankenstand

Dem widersprechen Kritiker aus Opposition, Gewerkschaften und einigen Wirtschaftsverbänden. Sie monieren, die Konzentration auf vermeintliche Arbeitsunwilligkeit lenke davon ab, dass zentrale Aufgaben wie Qualifizierung, Ausbau der Kinderbetreuung, Digitalisierung und Investitionen in Produktivität angegangen werden müssten.

Wer hohe Krankenstände beklage, müsse außerdem die konkreten Arbeitsbedingungen in den Betrieben prüfen. Ein erheblicher Teil des Anstiegs der durchschnittlichen Krankentage in Deutschland ist zudem auf einen statistischen Effekt zurückzuführen: Seit Einführung der elektronischen Krankmeldung im Jahr 2022 werden insbesondere kurze Krankschreibungen laut Krankenkassen vollständiger erfasst. Zudem steigt das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen in Deutschland – und damit auch das Risiko für Krankheiten.

Philine Lietzmann

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