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Wer in der Welt bei den großen Nationen mitmischen will, muss zuerst die eigene Wertschöpfung sichern. Der Zustand Deutschlands hängt von zwei Zahlen ab.

Deutschland führt derzeit lieber große Debatten über Weltordnung, Haltung, Außenpolitik, Moral – und wundert sich gleichzeitig, warum wirtschaftlich immer weniger läuft. Wer den Kern der Lage verstehen will, braucht keine 200-seitigen Analysen. Zwei Zahlen reichen: 

1.: Die Entwicklung der Beschäftigten in der Privatwirtschaft. 

Und 2.: Die Entwicklung der Beschäftigen im öffentlichen Sektor. 

Das klingt trocken. Ist aber explosiv. Denn dort entscheidet sich, ob und wie lange sich Deutschland wirtschaftlich selbst tragen kann.

Produktive Basis schrumpft – staatlicher Apparat wächst

2025 fiel im produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) die Erwerbstätigenzahl um 143.000 auf 7,9 Millionen Personen. Auch die Anzahl der Selbständigen schrumpfte um 38.000 auf 3,7 Millionen. 

Parallel stieg die Zahl der Beschäftigten im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit um 205.000.

Zwar wirkt die Gesamtbeschäftigung stabil. Doch das ist Augenwischerei. Entscheidend ist die Verschiebung: weg von Wertschöpfung, hin zu administrativ und steuerfinanziert getragenen Bereichen. Für eine Industrienation ist das keine Nebensache.

Das Herz unseres Wohlstands ist bedroht

Die Finanzierung des deutschen Sozialstaats basiert nicht auf ideologischen Träumen, sondern auf Wertschöpfung. Die geschieht vor allem dort, wo Unternehmen, Selbständige und Industrie produzieren, verkaufen, exportieren und Innovation hervorbringen. Nur so kommt Geld in die Staatskasse.

Doch genau da, wo Wertschöpfung entsteht, verlieren wir Leute. Gleichzeitig wachsen die Bereiche, die von diesen Einnahmen abhängen: Verwaltung, Behörden, staatliche Dienstleistungen, Subventionen, Versorgungssysteme.

Das Verhältnis kippt – und die Finanzierung des gesamten Systems gerät immer mehr unter Druck.

Der Fehler liegt nicht beim Pflegepersonal

Man muss diese Entwicklung trennen von der moralischen Debatte über „gute“ und „schlechte“ Berufe. Weder Pfleger noch Erzieher oder Sozialarbeiter sind das Problem. 

Das Problem ist die politische Logik, die Wachstum im staatlich finanzierten Bereich als Lösung verkauft, während die produktive Seite immer stärker erodiert.

Peter Holzer unterstützt seit 2009 Führungsteams in anspruchsvollen Veränderungen – mit klarem Blick für Leadership, Generationenwechsel und Haltung: konsequent in der Sache, wertschätzend im Miteinander. Er ist Teil unseres Experts Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Wenn ein Land immer mehr Menschen bezahlt, die nicht zur volkswirtschaftlichen Finanzierung beitragen, sondern davon abhängen, braucht es gleichzeitig eine wachsende produktive Basis. Deutschland wählt aktuell das Gegenteil.

Der Staat wird größer, während das Fundament kleiner wird

Die Politik feiert die steigende Erwerbstätigkeit im öffentlichen Dienst oft als Fortschritt – mehr Lehrkräfte, mehr Sozialarbeit, mehr Verwaltungskapazität. Der Wachstumshunger des Staats ist noch lange nicht gesättigt. So schreibt Volker Geyer, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes: „Dem öffentlichen Dienst fehlen 600.000 Beschäftigte, um alle übertragenen Aufgaben seriös erfüllen zu können.“

Das Ganze hat jedoch einen Haken: Wer soll das bezahlen? Ökonomisch befinden wir uns in einer Spirale:

  1. Privatwirtschaft schrumpft führt zu weniger Wertschöpfung
  2. Staatssektor wächst führt zu höheren Ausgaben
  3. Spielräume im Haushalt sinken führt zu mehr Schulden oder höhere Steuern
  4. Standort wird unattraktiver führt zu weiteren Standort-Verlagerungen ins Ausland

Das Problem ist, dass sich diese Dynamik immer mehr selbst verstärkt.

Wir diskutieren Weltpolitik, verlieren aber Wertschöpfung

Deutschland inszeniert sich gerne als globaler Akteur: Klima-Moralisierung, geopolitische Positionierung, diplomatische Ambitionen, humanitäre Missionshaltung. Alles ehrenwert. Aber ein Land, das die Welt retten will, muss vorher die eigene Wertschöpfung sichern.

China kümmert sich um Industriepolitik. USA um Kapitalmärkte und Tech. Südkorea und Japan um Innovation und Produktionsketten. Wir diskutieren über Moral und Umverteilung.

Die Folgen sehen wir täglich: Produktionsrückgänge, Investitionsabflüsse, Deindustrialisierungstendenzen. Ein kleiner Lichtblick in diesen düsteren Wolken ist die deutsche Startup-Szene. 

Sie verzeichnete 2025 ein Rekordjahr mit über 3500 Neugründungen. Das ist erfreulich, aber ökonomisch kein Ersatz für Industrie und Mittelstand.

Wie wir wieder auf Erfolgskurs kommen

Wir brauchen mutige Politiker, die ihre Entscheidungen an drei Fixsternen ausrichten:

  1. Kosten des Standortes runter: Energie, Bürokratie, Steuern, Abgaben. Keine Versprungen, sondern radikale Umsetzung. -> Versprechungen
  2. Private Beschäftigung hoch: Industrie halten, Dienstleistungen erleichtern, Selbständigkeit entlasten, Investitionen anziehen.
  3. Staatspersonal deckeln: Nicht abbauen um jeden Preis, aber Wachstum stoppen. Der Apparat darf nicht schneller wachsen als die wirtschaftliche Basis, die ihn trägt.

Ja, das widerspricht vielen aktuellen politischen Reflexen. Genau deshalb wäre es wirksam.

Zwei Zahlen, an der sich unsere Regierung messen muss

Nicht an Versprechen. Nicht an Interviews. Nicht an Gipfeln. Sondern an zwei Kennzahlen:

  1. private produktive Erwerbstätigkeit
  2. staatlich finanzierte Erwerbstätigkeit

Steigt 1 und sinkt beziehungsweise stabilisiert 2, sind wir auf Kurs. Passiert das Gegenteil, wird Deutschland auf kurz oder lang unfinanzierbar.

Das ist kein ideologisches Wunschdenken, sondern Mathematik eines Sozialstaats.

Peter Holzer

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15 Kommentare

  1. Die Fokussierung auf die zwei Zahlen – Beschäftigte in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Sektor – ist eine sehr effektive Methode, um die Komplexität der wirtschaftlichen Lage zu reduzieren. Es ist ein klarer Indikator für die Richtung, in die sich Deutschland bewegt.

  2. Ich finde es wichtig, dass Peter Holzer die moralische Debatte über Berufe ausklammert und auf die politische Logik hinweist. Es geht nicht darum, ob Pflegekräfte oder Erzieher ‚wertvoll‘ sind, sondern um die langfristigen wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung.

  3. Die Aussage, dass Deutschland ‚lieber große Debatten führt, als wirtschaftlich aktiv zu werden‘, trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist frustrierend zu sehen, wie politische Ideologien die wirtschaftliche Realität verdrängen.

  4. Lukas X. Schneider am

    Der Artikel betont, dass die Finanzierung des Sozialstaats auf Wertschöpfung basiert. Wenn die Zahl der Selbstständigen um 38.000 sinkt, wie will die Regierung dann die steigenden Kosten im öffentlichen Sektor decken?

  5. Die Entwicklung der Selbstständigen ist besonders besorgniserregend. Sie sind oft die treibende Kraft hinter Innovationen und neuen Arbeitsplätzen. Ein Rückgang um 38.000 ist ein deutliches Warnsignal.

  6. Jonas Schäfer am

    Die 7,9 Millionen Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Der Verlust von 143.000 Arbeitsplätzen in diesem Sektor ist ein schwerer Schlag.

  7. Wie können wir sicherstellen, dass die Bereiche, die von Wertschöpfung abhängig sind, nicht weiter erodieren? Es braucht Anreize für Unternehmen und Selbstständige, um in Deutschland zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

    • Gute Frage! Vielleicht sollte man Bürokratie abbauen und die Steuerlast für produktive Unternehmen senken, um Investitionen anzukurbeln.

  8. Lukas Q. Weber am

    Der Artikel wirft die Frage auf, ob Deutschland langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann, wenn der Staat immer größer wird und die Wertschöpfung abnimmt. Es ist eine Herausforderung, die dringend angegangen werden muss.

  9. Ich mache mir Sorgen, dass die Politik die Bedeutung einer starken, produktiven Basis unterschätzt. Wenn das Fundament schrumpft, wird der gesamte Staatshaushalt instabil, egal wie viele Subventionen verteilt werden.

  10. Ist der Rückgang der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe ein vorübergehendes Phänomen oder ein struktureller Wandel? Die langfristigen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft könnten enorm sein, wenn sich dieser Trend fortsetzt.

  11. Die Diskrepanz zwischen dem Rückgang der Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe um 143.000 bis 2025 und dem Anstieg im öffentlichen Dienst um 205.000 ist alarmierend. Es scheint, als ob Deutschland seine wirtschaftliche Basis aktiv untergräbt, während es gleichzeitig den staatlichen Apparat ausbaut.

  12. Es ist bemerkenswert, dass der Autor die Debatte um ‚gute‘ und ’schlechte‘ Berufe vermeidet und stattdessen auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge hinweist. Das ist ein sehr pragmatischer Ansatz.

  13. Laura Schneider am

    Die Aussage, dass Deutschland das Gegenteil von dem wählt, was es bräuchte – ein wachsendes Fundament statt eines wachsenden Staates – ist sehr provokant, aber wahrscheinlich richtig. Es fehlt an Weitsicht und Mut zu notwendigen Reformen.

  14. Lukas Hoffmann am

    Die ‚Augenwischerei‘ der stabilen Gesamtbeschäftigung ist ein treffendes Bild. Es ist entscheidend, die Verschiebung hin zu administrativ finanzierten Bereichen zu erkennen, da dies die eigentliche Gefahr darstellt.

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