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Standortpolitik ist für Online-Unternehmen längst keine theoretische Fragestellung mehr. Steuerlast, Rechtssicherheit und
administrative Hürden wirken unmittelbar auf Margen und Wachstum. Digitale Geschäftsmodelle operieren global, während steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen zwischen Ländern erheblich
variieren. Standortentscheidungen entwickeln sich damit zur strategischen Managementfrage mit unmittelbaren Auswirkungen auf Kosten, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit.
Traditionelle Betriebe bleiben oft an lokale Märkte gebunden, digital ausgerichtete Unternehmen nutzen hingegen Strukturen,
die erst durch globale Plattformökonomien entstanden sind. Die Vielzahl möglicher Firmensitze erhöht die Komplexität kaufmännischer Entscheidungen und verlangt eine nüchterne Analyse der
Rahmenbedingungen.
Praxisbeispiele verdeutlichen diese Unterschiede besser als abstrakte Modelle. Max Borer kennt
die Herausforderung der Firmensitzfrage aus eigener Erfahrung. Als Gründer der LUX Agency, die Content-Creator*innen betreut, durchlief er drei verschiedene Stationen. Start in Freiburg, Umzug in
eine amerikanische LLC, dann der bewusste Schritt nach Zypern. Heute arbeitet er von der Mittelmeerinsel aus. Seine Erfahrungen zeigen, weshalb die Wahl des Standorts im digitalen Geschäft zum
zentralen Erfolgsfaktor wird.
Deutschland: Stabilität hat ihren Preis
Das Land der Dichter und Denker bietet Online-Businesses klare Vorteile: verlässliche Rechtsordnung, exzellente
Infrastruktur, direkter Zugang zum größten europäischen Binnenmarkt. Im B2B-Bereich mit Fokus auf den deutschsprachigen Raum bleibt die Bundesrepublik eine sinnvolle Option.
Steuerlich wird es teuer. Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer summieren sich auf etwa 30 Prozent.
Schüttet ein Gründer Gewinne aus, kommen Kapitalertragsteuer und erneut Solidaritätszuschlag hinzu. Content-Creator*innen und andere webbasierte Geschäftsmodelle tragen eine Gesamtbelastung von regelmäßig über 45 Prozent – ein
klarer Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich.
Bürokratie bindet zusätzlich Ressourcen. Umfangreiche Dokumentationspflichten, komplexe Sozialversicherungsregelungen und
strenge Auflagen beanspruchen Zeit und Fachkenntnis. Schnell skalierende, international ausgerichtete Business-Konzepte erleben diese Gegebenheiten als regulatorischen Bremseffekt.
„Deutschland eignet sich besonders für Gründer, die lokale Wirtschaftsmodelle verfolgen, Wert auf maximale Rechtssicherheit
legen oder deren Kundenstamm primär im DACH-Raum angesiedelt ist. Wer jedoch international skaliert und steuerliche Effizienz priorisiert, stößt schnell an Grenzen“, beschreibt der Experte seine
Erfahrungen.
Dubai: Glanz mit Preisschild
Dubai zieht Unternehmer als attraktive Niederlassung förmlich an: keine Einkommensteuer, mondiales Flair, etablierte
Expat-Community. In den vergangenen Jahren hat das Emirat mit der gleichnamigen Hauptstadt gezielt an seinem Image als Business-Hub gearbeitet. Eine moderate Körperschaftsteuer von 9 Prozent gilt
erst ab höheren Gewinnen. Auf den ersten Blick erscheint das als steuerlicher Vorteil.
Die konkrete Wirklichkeit offenbart ein differenziertes Bild. Lebenshaltungskosten in Dubai gehören zu den höchsten
weltweit. Mieten und alltägliche Ausgaben liegen erheblich über deutschem Niveau und Visa-Anforderungen verlangen substantielle Investitionen sowie regelmäßige Präsenz vor Ort. Mithin eine
wesentliche Erschwernis, insbesondere für remote arbeitende Teams oder regelmäßig reisende Influencer*innen.
Banking bereitet Schwierigkeiten. Viele globale Zahlungsdienstleister behandeln UAE-Unternehmen restriktiv, was den
Geschäftsbetrieb beeinträchtigt. Betroffen sind vor allem Aktivitäten mit abonnementbasierten Umsätzen und regelmäßigen Auszahlungen. Überdies erfordern kulturelle Unterschiede und rechtliche
Besonderheiten eine intensive Einarbeitung.
Creator-Businesses und Online-Agenturen haben nach Borers Erfahrung in Dubai manifeste Schwierigkeiten. Geeignet ist der
Standort primär für Firmen mit hohen Margen, ausgeprägtem Netzwerkfokus oder Lifestyle-Priorisierung. „Die reine Steuerersparnis rechtfertigt in vielen Fällen nicht die erheblichen Zusatzkosten“,
so Borer.
Zypern: Der Sweet Spot digitaler Firmen
Zypern kombiniert steuerliche Vorteile mit der Stabilität einer EU-Mitgliedschaft. Die Körperschaftsteuer von 15% ab 2026
zählt zu den niedrigsten in der Europäischen Union. Besonders attraktiv bei digitalen Geschäftsmodellen: IP Box-Regelung ermöglicht eine effektive Besteuerung von nur 2,5 Prozent auf Einkünfte aus
geistigem Eigentum. Dividendenausschüttungen innerhalb der EU unterliegen keiner Quellensteuer.
Der LUX Agency Gründer wechselte im September 2024 von einer amerikanischen LLC zur zypriotischen Limited. „Wir waren
vorher wie digitale Nomaden die ganze Zeit um die Welt gereist. Der Grund, dass wir jetzt erst in Zypern das Unternehmen so richtig mit Substanz auch angemeldet haben, war, weil wir ein festes Büro
und eine klare Struktur wollten.“
Konsequenterweise holte der Entrepreneur schließlich sein gesamtes Team auf die Mittelmeerinsel. Im Vergleich zu Dubai
finden sich vor Ort niedrigere Gesamtkosten bei ähnlichen Steuervorzügen. Dem ambitionierten Unternehmer ging es um ein reguliertes, europäisches Umfeld sowie eine hohe Lebensqualität abseits des
Dubai-Preisniveaus. Der feste Firmensitz sichert für internationale Unternehmen zudem die organisatorische Stabilität.
Praktische Pluspunkte umfassen englischsprachige Verwaltungsprozesse, eine bei globaler Zusammenarbeit günstige Zeitzone
und insgesamt geringere Fixkosten.
Unternehmen profitieren von reduzierten Ausgaben, kombiniert mit einer Arbeitsumgebung, die Produktivität mit attraktivem
Lebensstandard verbindet. Operativ läuft Zypern deutlich unkomplizierter, weil EU-Regularien, vertraute Standards und etablierte Zahlungsanbieter viele Verfahren vereinfachen.
Herausforderungen existieren dennoch. Bankgeschäfte bedürfen gründlicher Vorbereitung. Lokale Systeme weichen von deutschen
Maßstäben ab, was anfängliche Einarbeitungszeit erfordert. Zypriotische Behörden erwarten substantielle Präsenz, reine Briefkastenfirmen lehnen sie ab. Online-Businesses müssen deshalb über ein
reales Büro und echte geschäftliche Tätigkeit verfügen; formale Strukturen allein genügen den amtlichen Dienststellen entsprechend nicht.
Steuerliche Effizienz, EU-Rechtssicherheit und operative Flexibilität positionieren Zypern als wettbewerbsfähigen Standort
im digitalen Segment. „Besonders Unternehmen mit internationalem Kundenstamm und skalierbaren Dienstleistungen finden hier Rahmenbedingungen, die Wachstum begünstigen, ohne die Vorteile eines
europäischen Firmensitzes aufzugeben“, veranschaulicht Max Borer.
Welcher Standort ist der richtige?
Drei Faktoren bestimmen, welcher Niederlassungsort zu einem Online-Business passt: Geschäftskonzept, Ausbauphase und
persönliche Prioritäten. Ist das Geschäft im digitalen oder lokalen Markt zu Hause, im B2B- oder B2C-Umfeld, mit hohen oder niedrigen Margen? Faktisch ziehen Creator- und Agenturmodelle aus
flexibleren Strukturen einen tendenziell größeren Nutzen als lokale Dienstleister.
In der Gründungsphase bieten vertraute Abläufe Sicherheit, während in der Skalierung steuerliche und operative Effizienz an
Bedeutung gewinnen. Teamgröße und familiäre Situation beeinflussen die Entscheidung gleichermaßen, denn eine wachsende Belegschaft stellt andere Anforderungen als ein
Solo-Unternehmer.
Persönliche Präferenzen: Welche Aspekte sind maßgeblich? Rechtssicherheit, Aufwandsoptimierung, Lifestyle oder Netzwerk?
Diese Setzung der Schwerpunkte verschiebt sich regelmäßig mit der Entwicklung einer Firma.
Max Borers Ansatz ist klar strukturiert: Geschäftsmodelle analysieren, Unternehmensphase definieren, relevante Prioritäten
gewichten. Danach folgt die Standortwahl. „Wer alle drei Faktoren ehrlich bewertet, findet seinen optimalen Sitz, ohne Kompromisse einzugehen, die später zum Problem werden“, betont der
Geschäftsmann.
Die Frage ist weniger, ob richtig oder falsch, sondern vielmehr, was zur aktuellen Lebens- und Firmensituation passt.
Betriebliche Notwendigkeiten wechseln im Laufe der Zeit, und der Geschäftssitz darf folgen.
Bewegung schlägt Perfektion
Ideale Standortlösungen gelten jeweils nur in der aktuellen Phase. Wichtiger als monatelange Analyse ist der Schritt ins
Handeln. Das Setup wächst mit dem Business.
Erster Schritt: Derzeitiges Unternehmenskonzept ehrlich bewerten. Digital tätige Entrepreneure mit internationaler
Kundschaft profitieren von Alternativen zu Deutschland, während lokale Dienstleister in vielen Fällen ohne Basiswechsel zurechtkommen. Ausschlaggebend ist der Einstieg, nicht die perfekte
Vorbereitung. Starten, dann optimieren – so funktioniert es in der Praxis.
Die wichtigste Erkenntnis: Flexibilität beim Firmensitz schafft Raum zum Wachsen. Expandiert ein Business global, folgen
juristische und organisatorische Strukturen diesem Schritt.
Unternehmer treffen ihre Entscheidung auf Basis des momentanen Standes der Dinge, der Wachstumsphase und ihrer
Zielsetzungen. Bei veränderten Rahmenbedingungen gehört der Standort erneut bewertet. Firmensitze sind keine lebenslangen Verträge, sondern strategische Werkzeuge zur Unterstützung einzelner
Stadien in der Geschäftsentwicklung.
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20 Kommentare
Dubai mag verlockend sein, aber wie sieht es dort mit der langfristigen Nachhaltigkeit und der politischen Stabilität aus? Das sind wichtige Fragen.
Der Artikel scheint zu suggerieren, dass Zypern eine Art ‚Sweet Spot‘ zwischen steuerlicher Effizienz und Rechtssicherheit bietet. Stimmt das so pauschal?
Das ist eine interessante These. Man sollte aber auch die potenziellen Nachteile einer solchen ‚Zwischenlösung‘ berücksichtigen.
Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Artikel noch konkretere Beispiele für die administrativen Hürden in Deutschland genannt hätte. Welche Dokumente sind besonders aufwendig?
Die Kombination aus Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer in Deutschland von rund 30% ist wirklich abschreckend für viele Gründer.
Die Aussage, dass die Standortwahl zum ‚zentralen Erfolgsfaktor‘ im digitalen Geschäft wird, unterschreibe ich vollumfänglich. Eine falsche Entscheidung kann enorme Folgen haben.
Die Tatsache, dass Deutschland vor allem für den DACH-Raum attraktiv ist, deutet darauf hin, dass die sprachliche und kulturelle Nähe hier eine große Rolle spielt.
Ich hätte gerne mehr Informationen über die spezifischen ‚Strukturen, die erst durch globale Plattformökonomien entstanden sind‘. Was genau meint der Artikel damit?
Ich frage mich, ob die deutsche Politik die Standortnachteile für digitale Unternehmen erkennt und entsprechende Maßnahmen ergreift, um diese zu beheben.
Der Artikel betont, dass Deutschland für lokale Wirtschaftsmodelle gut geeignet ist. Könnte man das noch präzisieren und sagen, welche *Art* von lokalen Modellen besonders profitieren?
Max Borers Erfahrung zeigt, dass Flexibilität bei der Standortwahl wichtig sein kann. Ein Umzug kann also durchaus sinnvoll sein, um zu wachsen.
Die Steuerlast von über 45% für Content-Creator in Deutschland ist ein heftiger Wettbewerbsnachteil, wie der Experte sagt. Das erklärt, warum viele in andere Länder abwandern.
Der hohe Steuersatz in Deutschland ist sicherlich ein Hindernis für schnelles Wachstum, besonders wenn man international agieren möchte.
Mich wundert nicht, dass Dubai als Business-Hub so attraktiv ist, wenn man bedenkt, dass dort keine Einkommensteuer anfällt. Aber ist das ‚mondiales Flair‘ wirklich ein entscheidender Faktor oder eher Marketing?
Die Erwähnung von Max Borers Weg von Freiburg über eine amerikanische LLC nach Zypern ist sehr aufschlussreich. Es zeigt deutlich, dass die anfängliche Standortwahl nicht immer die endgültige sein muss, wenn sich die Unternehmensbedürfnisse ändern.
Die Verknüpfung von globalen Geschäftsmodellen mit lokalen Steuergesetzen ist eine enorme Herausforderung. Der Artikel macht das sehr deutlich.
Ist die rechtliche Sicherheit in Deutschland wirklich so viel höher als in Zypern oder Dubai, um die höheren Steuern zu rechtfertigen? Ich bräuchte da etwas mehr Substanz.
Wenn ein Gründer in Deutschland Gewinne ausschüttet, kommen ja noch einmal Steuern dazu. Das macht die Sache wirklich kompliziert und teuer.
Absolut, der Solidaritätszuschlag kommt da noch obendrauf. Man muss wirklich genau kalkulieren, ob sich das alles lohnt.
Ich finde es gut, dass der Artikel die administrative Belastung in Deutschland anspricht. Die Dokumentationspflichten können für kleine Unternehmen wirklich erdrückend sein.