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Die Emerging Markets von Chile bis Südkorea haben im vergangenen Jahr Anlegern bessere Renditen eingebracht als Dax und S&P 500. Dieser Aufschwung dürfte anhalten. Daran mitzuverdienen, ist für deutsche Anleger leicht.
Der MSCI Emerging Markets Index, der Aktien aus 24 Schwellenländern abbildet, hat im vergangenen Jahr eine Kurssteigerung von 30,7 Prozent hingelegt. Damit schlägt er etablierte Leitindizes wie den Dax oder den S&P 500 deutlich. Das deutsche Börsenbarometer legte um rund 23 Prozent zu, das US-amerikanische um rund 16 Prozent.
In dem Index selbst sind allerdings nicht alle Länder gleich stark gewichtet und aus jedem Land auch nur ausgewählte Aktien von großen und mittleren Unternehmen vertreten. Doch der Trend bleibt derselbe, wenn wir uns die Börsenindizes ansehen. In den Schwellenländern stiegen diese 2025 im Schnitt um 27,1 Prozent, während es in allen Industriestaaten im Schnitt nur 21,4 Prozent waren.
Vorneweg zogen im vergangenen Jahr Südkorea, dessen Leitindex KOSPI um fast 76 Prozent stieg, Chiles IGPA mit 57 Prozent und Tschechiens PX mit 53 Prozent. Die Hälfte der Schwellenländer verbuchte stärkere Kursgewinne als der Dax.
Darum laufen Börsen in Schwellenländern besser
Das ist keine historische Ausnahme. Schon in den Vorjahren waren Schwellenländer fast immer stärker als Industriestaaten. 2024 lag ihre Rendite bei 14,7 Prozent, während entwickelte Länder nur auf 7,9 Prozent kamen, 2023 lag der Vergleich bei 24,1 zu 14,8 Prozent. Seit Jahren halten die wirtschaftlich kleineren Staaten also einen nahezu konstanten Abstand von sechs bis sieben Prozentpunkten. Wer Anfang 2023 also 100.000 Euro in eine der beiden Ländergruppen investiert hätte, der wäre heute rund 30.000 Euro oder 20 Prozent reicher, wenn er es in Schwellen- statt in Industrieländer gesteckt hätte.
Die Gründe für diesen Unterschied sind nicht schwer zu erklären. Erstens liegt es an der Größe der verschiedenen Märkte. Ist der Aktienmarkt eines Landes kleiner, reichen auch schon kleinere absolute Veränderungen für größere relative Ausschläge. Deswegen ist etwa das Wirtschaftswachstum von Schwellen- und Entwicklungsländern meist größer als von etablierten Industriestaaten. Die wachsen zwar auf hohem Niveau in absoluten Zahlen enorm weiter, relativ macht das aber weniger aus.
Schwellenländer haben sehr junge Bevölkerung
Das stärkere Wirtschaftswachstum spiegelt sich denn auch in höheren Börsengewinnen nieder. Ersteres ist wiederum auch darin begründet, dass die meisten Schwellenländer eine sehr junge Bevölkerung haben. So liegt nach Schätzung des CIA World Factbooks aus den USA das Medianalter in Deutschland bei 47,8 Jahren, in China aber nur bei 38,4, in Chile bei 35,5 und in Ägypten beispielsweise nur bei 24,1 Jahren. Während Industrieländer überaltern und dadurch langsamer wachsen können, haben viele Schwellenländer eine junge, arbeitsfreudige Bevölkerung.
Ein dritter, aktueller Grund ist die Schwäche des US-Dollar. Der ist zum Beispiel gegenüber dem Euro im vergangenen Jahr um 12 Prozent im Wert gesunken. Ähnliches gilt auch für die Wechselkurse zu vielen Währungen aus Schwellenländern. Das hat für diese zwei Vorteile: Erstens besitzen viele Schwellenländer Schulden in US-Dollar, die sie dadurch also leichter begleichen können, was die Wirtschaft ankurbelt.
So profitieren Sie vom Aufschwung
Anleger können diesen Vorteil ausnutzen. Der erwähnte MSCI Emerging Markets deckt wie erwähnt Aktien aus 24 Schwellenländern ab. Am stärksten sind hier China, Indien, Taiwan, Südkorea und Brasilien vertreten. Der Index wird an deutschen Börsen als Grundlage für zahlreiche ETFs verwendet, die sie kaufen können. Es gibt daneben auch ETFs, die nur Schwellenländer aus einzelnen Regionen abbilden.
Der iShares MSCI EM Asia etwa enthält nur Aktien aus dem Asiatisch-Pazifischen Raum, hauptsächlich aus China, Taiwan, Indien und Südkorea. Mit dem Amundi MSCI Emerging Markets Latin America decken Sie lateinamerikanische Aktienmärkte ab, hauptsächlich Brasilien, Mexiko, Chile und Peru. Der Amundi Pan Africa wiederum ist das Mittel der Wahl für afrikanische Börsen. Er enthält hauptsächlich Werte aus Südafrika, Marokko und Ägypten, mischt diese aber mit in Afrika operierenden Konzernen aus Kanada, Großbritannien und Australien.
Mit ETFs auf einzelne Länder setzen
Sie können auch mit ETFs nur auf einzelne Länder setzen. So gibt es die passiven Indexfonds von den in Deutschland operierenden Anbietern Amundi, Xtrackers und iShares für fast alle Schwellenländer, etwa für Brasilien, China, Indien, Indonesien, Malaysia, Mexiko, die Philippinen, Polen, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand und Tschechien.
Generell gilt, dass Sie beim Kauf solcher Produkte darauf achten sollten, dass diese in Ihrem Portfolio keinen zu großen Raum einnehmen. Empfohlen wird von Experten ein Anteil von 10 bis 15 Prozent von Aktien aus Schwellenländern, weil das ungefähr dem Anteil der Schwellenländer an der globalen Wirtschaft entspricht. Wer risikofreudiger ist, kann diesen Anteil auch steigern, über 30 Prozent sollten Sie aber nicht gehen. Der Grund dafür ist, dass Aktien aus Schwellenländer generell volatiler sind, also auch in Krisenzeiten höhere Ausschläge nach unten haben werden.
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12 Kommentare
Die Analyse der Marktgröße ist nachvollziehbar. Kleinere Aktienmärkte reagieren empfindlicher auf Veränderungen. Aber wie erklärt der Artikel die höheren Renditen, wenn man bedenkt, dass Schwellenländer oft ein höheres politisches Risiko haben?
Die Altersstruktur als Wachstumstreiber ist ein faszinierender Punkt. Die Tatsache, dass das Medianalter in Ägypten nur 24,1 Jahre beträgt, im Vergleich zu 47,8 Jahren in Deutschland, erklärt viel über das unterschiedliche Wirtschaftstempo.
Ich frage mich, wie sich die Schwäche des US-Dollars auf die Renditen in Schwellenländern auswirkt, die ihre Währung an den Dollar gekoppelt haben. Werden diese Länder von der relativen Aufwertung profitieren, oder entstehen dadurch neue Probleme?
Der Vergleich der Renditen über die letzten drei Jahre – 2024 (14,7%), 2023 (24,1%) und 2022 (entsprechende Zahlen fehlen im Preview, aber die Tendenz ist klar) – zeigt, dass Schwellenländer langfristig eine attraktive Anlageoption darstellen.
Ich bin etwas skeptisch bezüglich der langfristigen Nachhaltigkeit dieser Renditen. Südkorea verzeichnete mit fast 76 Prozent den größten Anstieg – ist das ein Ausreißer oder ein realistischer Trend, dem wir in den nächsten Jahren folgen können?
Die stetige Differenz von sechs bis sieben Prozentpunkten zwischen Schwellen- und Industriestaaten seit Jahren ist bemerkenswert. Das deutet auf eine strukturelle Überlegenheit der Schwellenländer hin, die nicht nur kurzfristig durch Konjunkturzyklen beeinflusst wird.
Das Beispiel der 100.000 Euro Investition, die in Schwellenländern zu einem Gewinn von 30.000 Euro geführt hätte, ist sehr überzeugend. Das macht es einem wirklich bewusst, welches Potenzial verschenkt wurde, indem man ausschließlich auf Industriestaaten gesetzt hat.
Mich wundert, dass der Artikel Tschechiens PX mit einem Anstieg von 53 Prozent hervorhebt. Ich hätte nicht erwartet, dass ein europäischer Schwellenland so stark performt. Gibt es spezifische Faktoren, die diesen Aufschwung antreiben?
Tschechien profitiert von seiner geografischen Lage und seiner Nähe zu den westeuropäischen Märkten, sowie von einer stabilen Wirtschaftspolitik und einer gut ausgebildeten Bevölkerung.
Die Vorstellung, dass der MSCI Emerging Markets Index im letzten Jahr um 30,7 Prozent gestiegen ist, während der DAX nur 23 Prozent erreichte, ist beeindruckend. Könnte das auf eine Verschiebung der globalen Anlagestrategien hindeuten?
Das ist gut möglich. Viele Investoren suchen nach höheren Renditen, und Schwellenländer scheinen aktuell genau das zu bieten, besonders angesichts der geringeren Bewertung im Vergleich zu etablierten Märkten.
Es ist interessant, dass der Artikel die Indexzusammensetzung erwähnt und darauf hinweist, dass nicht alle Länder gleich gewichtet sind. Wie kann man sicherstellen, dass man breit genug in Schwellenländer investiert, um das Risiko zu streuen?