Apple hat im Quartal von April bis Juni ein Zahlenwerk vorgelegt, das in nahezu allen Positionen über den Konsensschätzungen lag – und trotzdem an der Börse negativ aufgenommen wurde. Der Konzern steigerte den Umsatz um 16 Prozent auf 109,42 Milliarden Dollar (95,2 Milliarden Euro) nach 94,04 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn kletterte um 27 Prozent auf 29,79 Milliarden Dollar oder 2,02 Dollar je Aktie, verglichen mit 23,43 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,57 Dollar je Aktie ein Jahr zuvor.
Analysten hatten laut FactSet im Schnitt 1,89 Dollar Gewinn je Aktie und rund 109 Milliarden Dollar Umsatz erwartet. Die Übertreffung beim Ergebnis fiel damit klar aus, ist aber nicht vollständig operativ: 0,11 Dollar je Aktie stammten aus rückerstatteten Zöllen – ein Sondereffekt, der künftig entfällt.
iPhone und Mac tragen das Wachstum
Getragen wurde das Quartal vom Kerngeschäft. Die iPhone-Erlöse legten um 21,7 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar zu und markierten damit einen Quartalsrekord. Der Mac-Umsatz stieg um 28,7 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Unternehmens wuchsen iPhone, Mac und das Servicegeschäft zweistellig, und das in allen Regionen. „Heute kann Apple das stärkste Juni-Quartal seiner Geschichte vermelden", erklärte Konzernchef Tim Cook.
Bemerkenswert ist die Struktur dieses Wachstums: Es basiert auf Hardware- und Servicenachfrage, nicht auf einem Vorgriff auf künftige KI-Erlöse. Apple erwirtschaftet weiterhin hohe Barmittel, ohne die Investitionslasten zu tragen, die andere Technologiekonzerne derzeit für Rechenzentren und KI-Infrastruktur schultern. Thomas Monteiro, Analyst bei Investing.com, verwies darauf, dass der Markt sich zunehmend um die Entwicklung des freien Cashflows bei anderen Tech-Schwergewichten sorge – Apple hebe sich hier „als sicherer Hafen im Sturm" hervor.
Der Ausblick ist die eigentliche Nachricht
Entscheidend für die Kursreaktion war jedoch nicht das abgelaufene, sondern das laufende Quartal. Apple stellt ein Umsatzplus von 9 bis 11 Prozent in Aussicht. Viele Analysten hatten rund 12 Prozent erwartet. Die Lücke ist rechnerisch überschaubar, wirkt bei einer hoch bewerteten Aktie aber unmittelbar auf die Erwartungsbildung – zumal die Prognose eine Verlangsamung gegenüber den zuletzt erzielten 16 Prozent impliziert.
Die Apple-Aktie verlor im nachbörslichen Handel am Donnerstag zeitweise bis zu 8 Prozent, machte einen Teil der Verluste anschließend jedoch wieder gut. Erst kurz zuvor hatte der Konzern dem Chipentwickler Nvidia den Titel als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt wieder abgenommen – eine Position, die die Toleranz des Marktes gegenüber Prognoseabweichungen tendenziell verringert.
Speicherpreise als neuer Kostenfaktor
Hinter dem vorsichtigen Ausblick stehen konkrete Kostenprobleme. Die Preise für Speicherchips ziehen an, zugleich sind die Kapazitäten in der modernen Chipfertigung knapp – beides Folgen des Nachfrageschubs durch Künstliche Intelligenz. Apple hatte diese Entwicklung zuvor als „beispiellose Herausforderung" für die Unterhaltungselektronikbranche bezeichnet. Cook sprach nun von einem „Jahrhunderthochwasser" bei den Speicherpreisen und rechnet damit, dass die Kosten im laufenden Quartal weiter steigen.
Wie stark das auf die Marge durchschlägt, hängt davon ab, wie viel Apple an die Kunden weitergeben kann. Im vergangenen Monat hat der Konzern Preiserhöhungen für einige Mac- und iPad-Modelle angekündigt. Die iPhone-Preise blieben bislang unverändert, Analysten halten eine Anhebung noch im laufenden Jahr jedoch für wahrscheinlich. Monteiro erwartet, dass die Einführung neuer iPhone-Modelle im September und mögliche Preisanpassungen den Kostendruck „abfedern" können. Gleichzeitig warnte er, dass die höheren Speicherkosten Apple in den kommenden Quartalen belasten dürften.
Zum Kostenthema kommt der Wegfall der Zollerstattungen, die die zuletzt ausgewiesene Gewinnmarge gestützt haben. Beide Effekte wirken in dieselbe Richtung: Das Umsatzwachstum dürfte künftig weniger stark auf das Ergebnis durchschlagen als im Juni-Quartal.
Führungswechsel in einer sensiblen Phase
Es war Cooks letzter Quartalsbericht und seine letzte Analystenkonferenz nach 15 Jahren an der Konzernspitze. Am 1. September übernimmt John Ternus, bislang Leiter der Hardware-Entwicklung. Cook erklärte, er habe größtes Vertrauen in dessen Führung, in das Führungsteam und in die Mitarbeiter des Unternehmens.
Der Wechsel fällt in eine Phase, in der Apple operativ stark dasteht, aber mit einer schwierigen Kombination umgehen muss: steigende Materialkosten, ein knapper Zuliefermarkt für fortschrittliche Chips und die Frage, welche Rolle der Konzern im KI-Wettlauf einnimmt, ohne die Investitionsprofile der Wettbewerber zu kopieren. Dass ein Rekordquartal die Aktie nicht stützt, zeigt vor allem eines: Der Markt bewertet derzeit weniger die erreichten Zahlen als die Belastbarkeit der Margen in den nächsten Quartalen.
Quelle: de.finance.yahoo.com
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