Die Bechtle AG hat im zweiten Quartal 2026 zweistellige Wachstumsraten bei Volumen, Umsatz und Ergebnis erreicht. Das Geschäftsvolumen des Neckarsulmer IT-Dienstleisters stieg nach Unternehmensangaben um 18,1 Prozent auf 2,274 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 16,5 Prozent auf 1,732 Milliarden Euro zu. Das Vorsteuerergebnis (EBT) erhöhte sich um 20,1 Prozent auf 80,2 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) kletterte um 23,0 Prozent auf 84,1 Millionen Euro.
Die Zahlen bestätigen die vorläufigen Angaben, die Bechtle bereits Ende Juli veröffentlicht hatte. Der Vollbericht zum ersten Halbjahr erschien am 12. August. Bechtle ist im MDAX und im TecDAX notiert und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 6,41 Milliarden Euro.
Auftragsbestand auf Rekordniveau
Der Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende mit 3,5 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau und lag damit über dem Wert des ersten Quartals. Das Unternehmen verweist darauf, dass sich daraus eine bessere Planbarkeit für die zweite Jahreshälfte ergebe. Die Begriffe Geschäftsvolumen und Umsatz unterscheiden sich bei IT-Dienstleistern: Im Geschäftsvolumen werden auch Vermittlungsgeschäfte vollständig erfasst, die im Umsatz nur anteilig ausgewiesen werden.
Alle Segmente wachsen zweistellig
Das Wachstum verteilte sich breit über die Regionen. In Deutschland stieg das Geschäftsvolumen um 10,4 Prozent auf 1,216 Milliarden Euro, in Frankreich um 10,7 Prozent auf 208,0 Millionen Euro und in Benelux um 12,0 Prozent auf 317,5 Millionen Euro. Das Segment Sonstiges Europa legte um 51,0 Prozent zu, getragen von den Zukäufen in Spanien, Italien und Portugal, aber auch von einem organischen Plus von mehr als 20 Prozent. Konzernweit wuchs das Geschäftsvolumen organisch, also ohne Akquisitionen, um 12,9 Prozent, der Umsatz um 10,3 Prozent.
Nach Kundengruppen sieht Bechtle die Entwicklung weiterhin von Industriekunden und öffentlichen Auftraggebern getragen. Vorstandschef Thomas Olemotz verwies auf das Umfeld der Branche: „Das zweite Quartal unterstreicht eindrucksvoll, dass wir mit den anspruchsvollen Rahmenbedingungen rund um die Speicherkrise und den gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen sehr gut zurechtkommen“, so Olemotz. Als Gründe nannte er die Kundennähe, die Beziehungen zu den Herstellerpartnern und die europaweite Aufstellung.
Marge stabil, Cashflow negativ
Die EBT-Marge bezogen auf das Geschäftsvolumen blieb im Quartal unverändert bei 3,5 Prozent, gemessen am Umsatz stieg sie leicht von 4,5 auf 4,6 Prozent. Das Unternehmen führt die Entwicklung unter anderem auf das Kostenmanagement zurück.
Der operative Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 101,7 Millionen Euro, nach plus 24,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal betrug er minus 112,5 Millionen Euro. Als Ursache nennt Bechtle einen stichtagsbezogenen Anstieg des Working Capitals durch höhere auftragsgedeckte Bestände, den das Unternehmen als temporär einordnet. Die durchschnittliche Außenstandsdauer der Forderungen sei im zweiten Quartal weiter gesunken, das Working Capital im Verhältnis zum annualisierten Geschäftsvolumen habe sich von 7,3 auf 6,8 Prozent verbessert. Für das Gesamtjahr rechnet Bechtle unverändert mit einem deutlich positiven Cashflow.
Die Liquidität einschließlich Geld- und Wertpapieranlagen stieg zum 30. Juni gegenüber dem Jahresende 2025 um 18,9 Prozent auf 537,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank im selben Zeitraum von 44,9 auf 42,3 Prozent.
Halbjahreszahlen und Beschäftigte
Im ersten Halbjahr erreichte das Geschäftsvolumen 4,501 Milliarden Euro (plus 15,6 Prozent), der Umsatz 3,304 Milliarden Euro (plus 12,1 Prozent) und das EBT 141,8 Millionen Euro (plus 16,2 Prozent). Das den Aktionären zustehende Ergebnis nach Steuern lag bei 102,8 Millionen Euro, das unverwässerte Ergebnis je Aktie bei 0,82 Euro nach 0,69 Euro im Vorjahreszeitraum.
Zum 30. Juni 2026 beschäftigte der Konzern 16.418 Mitarbeitende, 810 mehr als ein Jahr zuvor. Der Personalzuwachs von 5,2 Prozent ist ausschließlich akquisitionsbedingt und betrifft überwiegend das Segment Sonstiges Europa; organisch sank die Zahl der Beschäftigten um 1,4 Prozent, gegenüber dem Vorquartal um 78 Personen. In Ausbildung oder einem dualen Studium befanden sich 672 Menschen.
Prognose für 2026 angehoben
Nach dem ersten Halbjahr liegt Bechtle nach eigener Darstellung bei allen relevanten Kennzahlen über der im März veröffentlichten Prognose. Beim Geschäftsvolumen erwartet Bechtle nun ein Wachstum von mehr als 10 Prozent, zuvor waren 5 bis 10 Prozent angesetzt. Für Umsatz und EBT hebt das Unternehmen die Erwartung auf jeweils 5 bis 10 Prozent an, nach bislang 0 bis 5 Prozent.
Finanzvorstand Christian Jehle begründete die Anhebung mit der Entwicklung im ersten Halbjahr und dem Rekordauftragsbestand. „Der Bedarf an zukunftsfähigen IT-Lösungen ist unvermindert hoch“, sagte er. Zum Zeitpunkt der Mitteilung am 12. August um 07:29 Uhr wurde die Bechtle-Aktie auf Lang & Schwarz mit 36,46 Euro und einem Plus von 1,14 Prozent gehandelt; die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei 4,54 Milliarden Euro.
Quelle: Nachrichten Ticker - Kategorie: Aktien & Indizes - www.wallstreet-online.de
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