Der Reise- und Touristikkonzern TUI hat für das dritte Quartal ein bereinigtes EBIT von 234,6 Millionen Euro zu konstanten Wechselkursen ausgewiesen. Das sind 86,1 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Als belastende Faktoren nennt das Unternehmen geopolitische Unsicherheit sowie einen Sondereffekt von 20 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Das bereinigte EBIT beschreibt das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, aus dem Sonderposten herausgerechnet werden.

Trotz des Ergebnisrückgangs hält TUI an den mittelfristigen Zielen fest: Der Konzern bestätigte die EBIT-Prognose von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2026. Die Umsatzprognose bleibt hingegen weiterhin ausgesetzt.

Neunmonatszahlen von Sondereffekten geprägt

Nach neun Monaten steht ein bereinigtes EBIT von 123,2 Millionen Euro zu konstanten Wechselkursen in den Büchern. Aussagekräftiger ist aus Sicht des Unternehmens die um Sonderposten bereinigte Betrachtung: Ohne 81 Millionen Euro an Einmaleffekten aus dem Iran-Krieg und dem Hurrikan in Jamaika lag das bereinigte EBIT 40 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Die beiden Ereignisse belasteten damit das operative Ergebnis in einem Ausmaß, das den ausgewiesenen Rückgang maßgeblich erklärt.

Kreuzfahrten bleiben stärkstes Segment

Innerhalb des Konzerns fällt die Ergebnisverteilung deutlich unterschiedlich aus. Das Kreuzfahrtgeschäft war mit einem bereinigten EBIT von 132,4 Millionen Euro erneut das stärkste Segment im dritten Quartal. Der Bereich Hotels & Resorts trug 122,7 Millionen Euro bei. Das Erlebnis- und Ausflugsgeschäft TUI Musement steigerte sein bereinigtes EBIT auf 22,7 Millionen Euro.

Anders sieht es im klassischen Veranstalter- und Fluggeschäft aus: Markets + Airline verbuchte im dritten Quartal einen Verlust von 17,4 Millionen Euro. Der Konzern verweist auf eine schwächere Nachfrage, Preisdruck, höhere Treibstoffkosten und geopolitische Belastungen. Für die kürzere Frist meldet TUI hier eine Verbesserung: Der gebuchte Umsatz der letzten vier Wochen lag 7 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Nettoverschuldung steigt auf 2,3 Milliarden Euro

Auf der Finanzierungsseite hat sich die Lage eingetrübt. Zum 30. Juni 2026 lag die Nettoverschuldung bei 2,3 Milliarden Euro und damit 0,4 Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor. Als Hauptgrund führt TUI geringere Kundenanzahlungen an, weil Reisende näher am Abreisetermin buchen. Kundenanzahlungen wirken für Reiseveranstalter wie eine zinsfreie Vorfinanzierung – verschieben sich die Buchungen zeitlich nach hinten, sinkt der Liquiditätsbestand zum Stichtag entsprechend.

Hinzu kommen laufende Investitionen. TUI setzte den Kapitaleinsatz für emissionsärmere Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe mit e-LNG-Antrieb fort. e-LNG bezeichnet synthetisch hergestelltes Flüssigerdgas, das als Alternative zu konventionellen Schiffskraftstoffen eingesetzt werden kann.

Kursreaktion und nächster Termin

Zum Zeitpunkt der Nachricht notierte die TUI-Aktie bei 7,3800 Euro und damit unverändert gegenüber dem Vortagesschluss. 13 Minuten nach Veröffentlichung lag der Kurs bei 7,3260 Euro, ein Minus von 0,73 Prozent. Der MDAX, in dem das Papier notiert ist, stand zu diesem Zeitpunkt bei 32.251,68 Punkten und lag mit 0,23 Prozent im Minus. Als nächster wichtiger Termin ist die Veröffentlichung des Quartalsberichts zum dritten Quartal am 12. August 2026 angesetzt.

Was die Zahlen zeigen

Das Bild, das die Quartalsmitteilung zeichnet, ist zweigeteilt. Die kapitalintensiven Segmente Kreuzfahrten und Hotels tragen den Ergebnisbeitrag, während das Veranstalter- und Fluggeschäft im dritten Quartal negativ abschloss. Die Sondereffekte aus dem Iran-Krieg und dem Hurrikan in Jamaika summieren sich in den ersten neun Monaten auf 81 Millionen Euro und überdecken damit eine operative Verbesserung, die TUI nach eigener Rechnung mit 40 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr angibt.

Die weiterhin ausgesetzte Umsatzprognose bei gleichzeitig bestätigtem EBIT-Ziel deutet darauf hin, dass der Konzern die Ergebnisentwicklung derzeit belastbarer einschätzt als die Erlösseite. Die gestiegene Nettoverschuldung wiederum resultiert nach Konzernangaben nicht primär aus operativen Verlusten, sondern aus dem veränderten Buchungsverhalten der Kunden und den fortgesetzten Investitionen in Flotte und Schiffe. Ob sich der zuletzt um 7 Prozent höhere gebuchte Umsatz im Segment Markets + Airline in einer nachhaltigen Erholung fortsetzt, wird sich frühestens mit dem vollständigen Quartalsbericht beurteilen lassen.

Quelle: Nachrichten Ticker – www.wallstreet-online.de

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