Eine unbesicherte Anleihe über 400 Millionen Euro wird am 22. September 2026 fällig. Branicks Group hat dafür keine Rückzahlung, sondern eine weitreichende Umstrukturierung der gesamten Finanzverbindlichkeiten vereinbart. Gläubiger, die zusammen 60,4 Prozent der Anleihe halten, haben eine Stillhaltevereinbarung unterzeichnet, die sie verpflichtet, die Transaktion zu unterstützen.
WKN A1X3XX · ISIN DE000A1X3XX4
Chart: XETRA, 3 Monate · Kursangabe im Text: Schlusskurs vom 21. August 2026
Auf der Seite der Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen – mit einem ausstehenden Gesamtnennbetrag von rund 179,5 Millionen Euro – haben Gläubiger, die mehr als 90 Prozent davon repräsentieren, die Vereinbarung ebenfalls unterzeichnet. Damit der Verpflichtungsteil dieser Stillhaltevereinbarung wirksam wird, müssen allerdings noch weitere Bedingungen eintreten, darunter der vollständige Beitritt aller verbleibenden Schuldscheingläubiger.
Daran hängt auch eine Governance-Änderung: Die Stillhaltevereinbarung setzt voraus, dass der Aufsichtsratsvorsitzende sein Amt unverzüglich niederlegt und Josef Schultheis als Sanierungsvorstand in den Vorstand berufen wird. Vorstandsvorsitzende Sonja Wärntges soll ihr Amt spätestens zum Jahresende 2026 abgeben.
Die Anleihe wird nicht zurückgezahlt, sondern in zwei Instrumente aufgeteilt. Ein vorrangig besicherter Teil mit einem reduzierten Nennbetrag von rund 258,8 Millionen Euro läuft bis September 2030 und wird mit 7,5 Prozent jährlich verzinst. Der restliche Betrag wird nachrangig gestellt: Neue nachrangige Schuldtitel im Nennbetrag von rund 151,5 Millionen Euro zuzüglich aufgelaufener Zinsen laufen bis September 2038 und tragen einen Zinssatz von 15 Prozent pro Jahr. Branicks darf diese Zinsen wahlweise kapitalisieren, anstatt sie bar zu zahlen.
Parallel dazu ist eine Überbrückungsfinanzierung von insgesamt 95 Millionen Euro geplant – 35 Millionen Euro auf Ebene von Branicks, 60 Millionen Euro auf Ebene der Tochter VIB Vermögen AG. Die VIB-Tranche dient unter anderem dazu, im September 2026 und März 2027 fällig werdende Schuldscheindarlehen der VIB abzulösen. Beim Abschluss der Transaktion wandeln sich die Überbrückungsfinanzierungen in langfristige Instrumente um, fällig im September 2029 und verzinst mit 10 Prozent jährlich. Allen berechtigten Anleihegläubigern wird ein anteiliges Beteiligungsangebot unterbreitet.
Für das neue Sicherheitenpaket ist eine doppelstöckige Holdingstruktur in Luxemburg vorgesehen, über die Anteile an wesentlichen Tochtergesellschaften verpfändet werden. Das neue Kapital erhält dabei Super-Senior-Rang, steht also im Rang vor den besicherten Hauptinstrumenten. Neben den Zinsen fallen mehrere Gebühren an: eine Nachrangstellungsgebühr von 15 Millionen Euro, eine Verlängerungsgebühr von 50 Basispunkten beim Abschluss sowie eine einmalige Gebühr von 200 Basispunkten auf alle noch im Dezember 2028 ausstehenden Beträge. Hinzu kommt eine Ausstiegsgebühr von 100 Basispunkten bei Rückzahlung oder Refinanzierung.
Die Aktie legte am 21. August rund 8,2 Prozent zu, bei einem mittleren Tagesumsatz im niedrigen fünfstelligen Euro-Bereich – eine Größenordnung, bei der einzelne Orders das Ergebnis merklich beeinflussen können.
Als nächsten Schritt plante Branicks die Veröffentlichung der Einladung zur ersten Anleihegläubigerabstimmung für den 31. Juli 2026. Diese erste Abstimmung soll zunächst eine Stundung der Anleihe herbeiführen, eine zweite dann die vollständige Umstrukturierung. Wann das Gesamtvorhaben abgeschlossen sein wird, ließ die Mitteilung offen.
Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

