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UniCredit macht beim Commerzbank-Übernahmeversuch ernst, denn sie kann sich es sich leisten. Ein Machtkampf, der über Preis, Einfluss und Jobs entscheidet.

Die italienische Großbank UniCredit hat gestern ihr erwartetes Angebot für die Commerzbank vorgelegt und gleichzeitig Zahlen präsentiert, die die Ernsthaftigkeit ihres Vorgehens unterstreichen: rund 3,2 Milliarden Euro Gewinn im ersten Quartal 2026, getragen von einem starken Zinsgeschäft und konsequenter Kostendisziplin.

Die Botschaft dieser Quartalsbilanz ist klar: UniCredit kann sich den Deal leisten. Das Angebot selbst wirkt wie ein Auftakt und nicht wie das Ende. Ob die Übernahme kommt, hängt mit den Antworten auf diese sechs Fragen zusammen.

These 1: Der Preis entscheidet über den Deal

UniCredit bietet aktuell 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Das ist ein klassisches Aktientauschgeschäft ohne erkennbare Übernahmeprämie. Genau das macht den Deal in dieser Form kaum durchsetzbar.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sagt dazu unmissverständlich: „Das Angebot ist finanziell nicht attraktiv genug für unsere Aktionäre.“ Auch Analysten werden deutlich. So schreibt etwa die Investmentbank RBC: „Wir erwarten, dass UniCredit eine Prämie im Bereich von 20 bis 30 Prozent bieten muss, um die notwendige Zustimmung zu erreichen.“

Ähnlich äußert sich die Deutsche Bank in einer Analyse: „In der aktuellen Struktur fehlt eine Kontrollprämie – ohne signifikante Verbesserung dürfte das Angebot scheitern.“

UniCredit-Chef Andrea Orcel hält sich offiziell bedeckt, betont aber: „Wir werden diszipliniert bleiben und nur dann handeln, wenn ein klarer Mehrwert für unsere Aktionäre entsteht.“ Das klingt nach Zurückhaltung, bedeutet aber in der Logik solcher Deals meist: Wenn die Strategie stimmt, wird der Preis angepasst.

Die Aktionäre, die letztlich über den Deal entscheiden, werden also abwarten, ob mehr drin ist. Einige werden jetzt schon verkaufen und so dafür sorgen, dass der Unicredit noch mehr als der bereits jetzt vorhandenen knapp 30 Prozent gehören. Das sichert den Italienern mehr Einfluss, etwa durch Sitze im Aufsichtsrat und macht eine Übernahme wahrscheinlicher.

These 2: Die Geschäftszahlen der Commerzbank bestimmen den Kaufpreis

Die Commerzbank hat sich stabilisiert und erwartet für 2026 einen Gewinn von rund drei Milliarden Euro bei einer Eigenkapitalrendite von über acht Prozent. In dieser legt die Bank ihre Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Nettogewinn von 600 bis 700 Millionen Euro. Diese Zahlen sind entscheidend: Je stärker sie ausfallen, desto teurer wird die Übernahme.

Privatkunden haben kurzfristig wenig davon. Langfristig bestätigt sich ein Trend, der längst eingesetzt hat. Die Commerzbank hat ihr Filialnetz in den vergangenen sechs Jahren von rund 1000 Standorten (2019) auf etwa 400 reduziert. Gleichzeitig wurden im Zuge der Programme „Commerzbank 2024“ und „Strategy 2027“ rund 10.000 Stellen abgebaut oder verlagert.

These 3: Filialsterben und Stellenabbau als laufender Prozess

Der Service ist dadurch spürbar gesunken. Das Ziel lautet jedes Mal: Kosten zu senken, Prozesse zu digitalisieren, Erträge zu stabilisieren. Eine Übernahme würde diesen Prozess nicht erst auslösen, sondern beschleunigen.

Die Commerzbank ist nach eigener Darstellung eine Schlüsselbank für deutsche Unternehmen, insbesondere im Exportgeschäft. UniCredit argumentiert, ein Zusammenschluss würde die internationale Schlagkraft erhöhen: mehr Kapital, größere Kreditvolumina, eine noch bessere Vernetzung wären die Folge.

These 4: Chance oder Risiko durch Großbank-Strukturen?

Die Commerzbank hält dagegen und verweist darauf, dass sie bereits heute mehr als 50 Prozent ihrer Erträge im Firmenkundengeschäft international erzielt und eng mit dem deutschen Mittelstand verzahnt ist. 

Der kritische Punkt liegt in der Struktur: Internationale Großbanken steuern Risiken zentral, standardisieren Prozesse und bündeln Entscheidungen. Für viele mittelständische Unternehmen, die auf langfristige Beziehungen und lokale Expertise angewiesen sind, verändert das die Geschäftsbeziehung.

These 5: Jobabbau als logische Folge von Synergien

Für Mitarbeiter ist die Lage eindeutig. UniCredit kalkuliert intern mit bis zu 7000 Stellen, die in Deutschland wegfallen könnten. Das folgt der klassischen Logik von Bankfusionen: Doppelte Strukturen werden abgebaut, Filialen zusammengelegt, Verwaltung zentralisiert.

UniCredit-Chef Andrea Orcel formuliert es nüchtern: „Synergien sind ein zentraler Bestandteil jedes Deals.“ In der Praxis bedeutet das fast immer: weniger Personal, was jetzt auch bereits angekündigt ist und nur einen vorhandenen Trend fortsetzt. 

Ein Blick zurück hilft bei der Einschätzung: Als UniCredit 2005 die deutsche HypoVereinsbank übernahm, folgten massive Einschnitte. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren, Strukturen wurden zentralisiert, Entscheidungen verlagert. Von der Hypo-Vereinsbank ist fast nichts mehr übrig.

These 6: Managementwechsel und politische Nebenrolle

Für das Management der Commerzbank ist die Perspektive klar. Im Fall einer Übernahme wird die Führung weitgehend ausgetauscht. Gleichzeitig sind Abfindungen und Übergangsregelungen üblich. Operativ endet die Karriere – finanziell oft nicht.

Hypo-Vereinsbank-Chef Dieter Rampl wechselte beim Verkauf seiner Bank für eine hochdotierte Stelle zur UniCredit nach Mailand. Der damalige Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter erhielt eine Abfindung von geschätzt 10 Millionen Euro, als die Commerzbank die Dresdner übernahm.

Deutschland vor strategischer Weichenstellung

Eine Übernahme würde bedeuten, dass eine der letzten großen deutschen Geschäftsbanken unter die Kontrolle eines ausländischen Instituts gerät.

Die Bundesregierung, die immer noch wichtiger Einzelaktionär bei der Commerzbank ist, bedauert das zwar und will es angeblich nicht, tatsächlich aber hat die Vorgängerregierung den Verkaufsprozess angestoßen, als sie einen Teil ihres Aktienpakets der Unicredit überließ.

Das kann ökonomisch sinnvoll sein, weil es eine größere Bank mit deutscher Beteiligung bedeutet, es führt aber auch zu weniger Einfluss auf die Bank aus Berlin. 

Der Deal wird allerdings jetzt nicht an politischen Widerständen scheitern, sondern am Preis. Am Ende bleibt eine klare Rechnung: Für Investoren ist es eine Frage der Prämie, für Mitarbeiter eine Frage der Einschnitte und für Deutschland die Frage, wie viel Kontrolle es über sein Bankensystem behalten will.

Oliver Stock

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5 Kommentare

  1. Interesting update on Der Commerzbank-Deal: Sechs Faktoren, die alles entscheiden. Looking forward to seeing how this develops.

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