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Die Börsen scheinen unbeeindruckt, doch ein neuer Rohstoff‑Zyklus naht: Energiekrise, Dürre und geopolitische Konflikte drücken Lebensmittelpreise nach oben und zwingen Anleger zu neuen Strategien.
Die Börsen wirken aktuell erstaunlich unbeeindruckt. Trotz geopolitischer Spannungen und anhaltender Konflikte notieren große Indizes wie der S&P 500 oder der Nasdaq 100 nahe ihrer Höchststände. Die Märkte handeln, als seien Krieg, Energieknappheit und steigende Preise bereits eingepreist.
Im Hintergrund baut sich jedoch ein struktureller Wandel auf, der weit über einzelne Rohstoffmärkte hinausgeht. Während Anleger weiterhin auf klassische Gewinner wie Gold, Öl oder Technologiewerte setzen, entsteht ein neues Spannungsfeld. Dieses liegt ausgerechnet in der Landwirtschaft.
Stefan Feulner verfügt als Börsenexperte über rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und ist heute Head of Content führender Finanzportale wie wallstreetONLINE.de. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Energiekrise als Ausgangspunkt für neue Preisdynamik
Der Ursprung dieser Entwicklung liegt im Energiemarkt. Die Straße von Hormus, durch die laut US Energy Information Administration rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls transportiert werden, ist massiv beeinträchtigt.
Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor erheblichen Angebotsausfällen. Steigende Öl- und Gaspreise sind jedoch nicht nur ein Problem für Autofahrer oder Industrieunternehmen. Sie treffen einen Bereich, der oft unterschätzt wird: die Düngemittelproduktion.
Denn zentrale Vorprodukte wie Ammoniak, Schwefel oder Harnstoff basieren direkt auf fossilen Energieträgern. Entsprechend schnell reagieren die Preise. Laut Daten von Bloomberg sind diese für Harnstoff seit Jahresbeginn um bis zu 100 Prozent gestiegen, Düngemittel insgesamt haben sich um rund 50 Prozent verteuert.
Dieser Kostenanstieg trifft Landwirte weltweit unmittelbar und erhöht die Produktionskosten für Nahrungsmittel signifikant. Damit beginnt eine Kettenreaktion, die sich durch die gesamte Wirtschaft zieht.
Klimarisiken verschärfen den Angebotsdruck
Parallel dazu verschärft sich die Situation durch klimatische Faktoren. Die US-Klimabehörde NOAA sieht eine steigende Wahrscheinlichkeit für ein starkes El-Niño-Ereignis im Jahr 2026. Historisch führen solche Wetterphasen zu massiven Ernteausfällen.
Dürren in Nordamerika, extreme Niederschläge in Südamerika und Produktionsausfälle in Westafrika sind typische Begleiterscheinungen. Genau diese Regionen gehören zu den wichtigsten Agrarproduzenten der Welt.
Während also die Kosten für die Produktion steigen, sinkt gleichzeitig das Angebot. Erste Preisbewegungen bestätigen diese Entwicklung bereits. Der Weizenpreis ist seit Jahresbeginn um rund 30 Prozent gestiegen, Sojabohnen legten um knapp 15 Prozent zu.
Damit entsteht ein klassischer Angebots- und Nachfrageschock und damit ein perfekter Nährboden für einen neuen Rohstoffzyklus.
Agrarrohstoffe vor struktureller Neubewertung
Aus dieser Kombination entsteht ein Szenario, das viele Anleger bislang unterschätzen. Steigende Energiepreise erhöhen die Produktionskosten, klimatische Extremereignisse reduzieren das Angebot und geopolitische Unsicherheiten stören Lieferketten.
Der Internationale Währungsfonds weist darauf hin, dass steigende Energie- und Lebensmittelpreise besonders stark auf die Inflation durchschlagen.
Für Notenbanken entsteht daraus ein Dilemma. Denn eine steigende Inflation erfordert eigentlich Zinserhöhungen, während schwächeres Wachstum das Gegenteil notwendig machen würde. Dieses Spannungsfeld belastet klassische Aktienmärkte und nach der noch immer andauernden Börsenparty dürfte in naher Zukunft Ernüchterung einkehren.
Agrarwerte und Wertschöpfungskette als Gewinner
Gleichzeitig profitieren Agrarrohstoffe direkt von steigenden Preisen. Sie sind hochliquide handelbar, etwa über ETCs oder Futures, und reagieren unmittelbar auf Angebotsverknappungen.
Noch interessanter sind Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette, von Düngemittelherstellern wie der K+S AG oder Yara International bis hin zu Agrarhändlern wie Archer-Daniels-Midland oder Bunge. Auch Besitzer von landwirtschaftlichen Flächen mit Bewässerungszugang, wie das US-Unternehmen Farmland Partners, gewinnen in einem Umfeld zunehmender Dürre an Bedeutung.
Nahrung als knappes Gut und neuer Rohstoffzyklus
Die eigentliche Verschiebung ist jedoch strategischer Natur. Nahrung entwickelt sich zunehmend zu einem knappen Gut. Während Gold, Öl und Industriemetalle bereits im Fokus stehen, könnte der nächste große Zyklus dort entstehen, wo ihn bislang die wenigsten erwarten.
Die entscheidende Frage für Anleger ist daher nicht, ob Rohstoffe steigen. Die entscheidende Frage ist, welche Rohstoffe den nächsten Preisschub anführen. Vieles spricht dafür, dass dieser nicht im Bergbau beginnt, sondern auf dem Acker.
Wer dieses Szenario abbilden möchte, findet mit dem WisdomTree Agriculture ETF, ISIN: GB00B15KYH63, eine Möglichkeit, breit gestreut auf steigende Preise im Agrarsektor zu setzen.
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6 Kommentare
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Good point. Watching closely.
Interesting update on Der nächste Preisschock kommt vom Acker, nicht vom Öl. Looking forward to seeing how this develops.
Great insights on News. Thanks for sharing!
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Solid analysis. Will be watching this space.