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Im Nahost-Konflikt fallen Aktien, Anleihen und Edelmetalle im Gleichschritt. Exklusiv für den Bernecker Börsenkompass beleuchtet Johannes Feist, CEO der Luxemburger Investmentgesellschaft MK Global Kapital, in unserem Marktkommentar, warum die klassische Diversifikation in solchen Krisen versagt – und welche Alternativen sich anbieten.

Die Redaktion des Bernecker Börsenkompass greift auf ein internationales Netzwerk von Analysten und Kommentatoren zurück, die zu ausgewählten Themen immer wieder fundierte und ausführliche Analysen bereitstellen. In unserem heutigen Marktkommentar beschäftigt sich Johannes Feist, CEO von MK Global, mit der Risikodiversifikation in Krisenzeiten und bringt hier eine alternative Lösung ins Spiel. Die Luxemburger Investmentgesellschaft MK Global Kapital ist auf Impact Investing spezialisiert und verwaltet einen Fonds (Volumen 550 Mio. €) zur Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen in Europa und Zentralasien.

Marktkommentar: Der Trugschluss der sicheren Häfen

Angesichts des aktuellen Konflikts in der Golfregion, der Ängste vor Energieengpässen und neuen Inflationswellen entfacht, reagieren viele Anleger defensiv: Risiko runter, Liquidität rauf. Das ist nachvollziehbar, löst aber das strukturelle Problem nicht: In systemischen Stressphasen bewegen sich viele liquide Anlageklassen in die gleiche Richtung. Das haben die gleichzeitigen Kursbewegungen bei Aktien, Anleihen und zeitweise auch Gold zu Wochenbeginn erneut gezeigt. Korrelationen steigen in Stressphasen häufig deutlich, genau dann, wenn Schutz am dringendsten gebraucht wird. Wer jetzt nur Liquidität hortet, für den wirkt Diversifikation oft deutlich weniger.

Entkopplung durch lokale Wirtschaftskreisläufe

Wer heute diversifizieren will, muss deshalb genauer hinschauen: Woraus speisen sich Erträge und wie schnell schlagen globale Schocks wie eine Blockade am Persischen Golf dort durch? Microcredit und Microfinance sind dafür ein anschauliches Beispiel. Die Rückzahlungen speisen sich aus kleinteiligen Krediten an lokale Betriebe in Schwellenländern. Ob die Straße von Hormus blockiert wird, betrifft die Kreditrückzahlung eines Handwerkers in Armenien oder eines landwirtschaftlichen Kleinbetriebs in Usbekistan nicht unmittelbar. Diese wirtschaften in ihrem regionalen Mikrokosmos. Für sie ist die lokale Nachfrage entscheidend, nicht der Ölpreis in Rotterdam. Das ändert die Mechanik, wie Risiken durchschlagen, spürbar.

Entscheidend ist dabei nicht Unverwundbarkeit, sondern ein anderer Übertragungsweg. Externe Schocks schlagen in diesem Segment häufig nicht sofort durch, sondern kommen eher indirekt, etwa über Refinanzierungskosten, Wechselkurse oder eine schwächere lokale Nachfrage an. Das kann Anpassungsdruck erzeugen, jedoch meist weniger in Form plötzlicher Marktbewegungen als vielmehr verzögert und schrittweise.

Granularität senkt Klumpenrisiken

Das ist nicht nur Theorie. Wer auf Daten schaut, findet das bestätigt. Erstens: Entsprechende Anlagevehikel (Microfinance Investment Vehicles, MIVs) wiesen in der Rückschau meist niedrige Korrelationen zu großen Aktienindizes und Rentenindizes auf. Zweitens: Kennzahlen wie der Zahlungsverzug über 30 Tage (PAR30) zeigen in vielen Übersichten über längere Zeiträume eine vergleichsweise Stabilität. Das ist kein Freifahrtschein. Aber es spricht dafür, dass die Risikoübertragung hier anders verläuft als an den großen, liquiden Weltmärkten.

Entscheidend ist die Struktur: Viele kleine Positionen senken Klumpenrisiken. Wo wenige große Positionen in Marktturbulenzen sofort unter Druck geraten, federt diese Granularität eher ab. Das erklärt, warum Microfinance in volatilen Phasen oft als stabilisierender Baustein gilt.

Die Mechanik entscheidet, nicht das Etikett

Keine Anlageklasse ist ein Allheilmittel. Aber wer in unsicheren Zeiten diversifizieren will, sollte nicht nur auf Etiketten wie „sicher“ oder „riskant“ schauen, sondern auf die Mechanik dahinter: Wie entstehen Rückflüsse, wie schnell schlagen Schocks durch, und wo entstehen Klumpenrisiken? Wer in der aktuellen Lage nur in „sichere Häfen“ flieht, diversifiziert nicht im eigentlichen Sinne. Er wiederholt lediglich dieselbe strategische Wette unter anderem Namen.

Johannes Feist, CEO MK Global; Red. Georg Sures

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