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E-Autos und Absatzrückgang – auch die Zulieferer der Autobauer spüren den Umbruch der Branche. Wegen knapper Margen fehlt vielen das Geld für Investitionen. Wer kann, sucht neue Geschäftsfelder.
Der Maschinenbauer Tünkers beliefert Autohersteller seit Jahrzehnten mit Maschinen und Industrierobotern für die Karosserieverarbeitung. Das Familienunternehmen mit rund 1200 Mitarbeitenden ist überall dort präsent, wo es starke Autoindustrie gibt.
Aber es hat schon einmal in der Firmengeschichte die Erfahrung gemacht, dass Abhängigkeit von einem einzigen Kunden oder Markt gefährlich ist. Der Mittelständler, immer auf der Suche nach neuen Chancen, macht nun auch Antriebe für Solar-Trackingsysteme, die Module nach der Sonne ausrichten.
Orientierung nach neuen Geschäften: „Müssen das Rad nicht neu erfinden“
Den Anstoß gab die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Firmengelände. „Nachgeführte Systeme bringen bis zu 30 Prozent mehr Stromertrag. Daher lag es auf der Hand, unsere eigenen bewährten Antriebe einzusetzen“, erzählt Pascal Stöters, Spartenleiter Drehantriebe bei Tünkers.
„Wir kommen aus der Automatisierung: Robuste, präzise und langlebige Antriebe sind unser tägliches Geschäft“, sagt Stöters zur Deutschen Welle. Die Agri-PV-Branche, die Solarmodule über landwirtschaftlich genutztem Land installiert, sei ein hochattraktives Wachstumsfeld.
„Das passt perfekt zu unserem Profil: Automatisierung, Bewegung, robuste Mechanik, modulare Systeme. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“. Die Investitionen in das neue Geschäftsfeld seien daher überschaubar.
Magere Jahre nach der Goldenen Dekade
Zurück zur Autoindustrie. „Die Projektlandschaft ist volatiler, Entwicklungszyklen werden kürzer, der Wettbewerbsdruck – insbesondere aus Asien – nimmt weiter zu“, sagt Stöters. „Gleichzeitig stehen unsere Kunden unter starkem Kostendruck.“ Tünkers müsse deshalb noch effizienter werden, ohne Qualität einzubüßen, und eben diversifizieren.
Das Familienunternehmen Tünkers aus Ratingen ist kein Einzelfall. Die gesamte Zulieferindustrie der deutschen Autobauer ist in Bewegung. Es um die Umstellung auf E-Mobilität, aber auch um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), um gestörte Lieferketten, steigende Energiekosten, wegbrechende alte und entstehende neue Märkte.
Gebündelt trifft es die Branche mit ziemlicher Wucht. Seit 2019 haben allein die Zulieferer rund 55.000 Arbeitsplätze abgebaut, bis 2030 könnten weitere 90.000 wegfallen, so eine Studie der Beratungsfirma IW Consult von 2025. Allerdings waren die 2010er Jahre eine „Goldene Dekade“, in der die Beschäftigung in dieser speziellen Branche stieg und stieg.
Das Konzept von Bertha Benz läuft nicht mehr
Seit Bertha Benz 1888 die Kinder ins Auto lud und von Mannheim nach Pforzheim fuhr, war stets klar: „Jedes Automobil fährt einzeln, wird von einem Menschen gesteuert und bis auf wenige Ausnahmen von einem Verbrennungsmotor angetrieben“, schreibt der Verband der Autoindustrie VDA. Doch nun veränderten autonomes und vernetztes Fahren sowie alternative Antriebe dieses Konzept binnen weniger Jahren grundlegend.
Traditionell arbeiteten etwa die Hälfte der knapp 1,2 Millionen Beschäftigten der deutschen Autozulieferer im Bereich des Verbrennungsmotors, einschließlich Abgasreinigung. Für die Herstellung eines E-Fahrzeugs sind aber deutlich weniger Arbeitsstunden nötig. Andererseits entstehen ständig neue Geschäftsfelder und damit Arbeitsplätze. VDA-Geschäftsführer Alexander Rade spricht von einem „Umbau bei laufender Fahrt“.
Autozulieferer orientieren sich um
So wie Tünkers nutzen weitere traditionsreiche Zulieferer ihr Knowhow, um sich auf E-Mobilität einzustellen oder in ganz anderen Branchen Fuß zu fassen.
Kautex aus Bonn, Marktführer bei Fahrzeugtanks aus Kunststoff, experimentiert mit Batteriegehäusen aus Thermoplast. Der Mechatronik-Spezialist Marquardt in Baden-Württemberg macht seit 2024 zusätzlich zu den Fahrzeugkomponenten auch Schalter und Mechatronikelemente für Werkzeuge, Heizungs- und Haushaltsgeräte.
EBM-Papst, ebenfalls in Baden-Württemberg, hat sogar radikal mit der Fahrzeugindustrie gebrochen: Die letzten Aufträge der Autobauer wurden 2023 abgearbeitet, inzwischen konzentriert sich das Unternehmen auf Lüfter und Ventilatoren für Rechenzentren, Reinräume und Krankenhäuser.
Neben solchen bekannten Familienunternehmen und großen Konzernen wie Bosch, Continental und Schaeffler existieren viele kleinere Spezialisten, oft Weltmarktführer in ihrer Nische. Die Branche ist vielfältig, die Anpassungsfähigkeit der Firmen äußerst unterschiedlich.
„Insbesondere Unternehmen, welche in den traditionellen Technologien beheimatet sind, müssen ihre Geschäftsmodelle und Produktportfolios überdenken“, sagt Mario Hirz, Professor am Institut für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität (TU) Graz in Österreich.
Einige fertigen statt Einzelkomponenten jetzt ganze Systeme und brauchten dafür neue Kompetenzen, etwa in Mechatronik, Elektronik und Softwareentwicklung. Dies erforderte den Aufbau von Knowhow, Investitionen in Labore, Test- und Produktionsanlagen sowie eine erweiterte Lieferkette.
Das Geld für die Transformation ist knapp
Ein finanzieller Spielraum fehlt jedoch vielerorts. „Unternehmen, die Teile und Komponenten für Verbrenner herstellen, haben in der Regel geringe Margen“, sagt Hanno Kempermann, Geschäftsfühtrer von IW Consult.
Hinzu komme, dass deutsche Autohersteller wegen sinkender Marktanteile ihre Produktion in Deutschland zurückfahren. Zulieferer haben so weniger Umsatz und können das nicht durch höhere Preise wettmachen. Zwar eröffnen nun chinesische Hersteller Werke in Europa, aber ob sie hier auch Bauteile zukaufen, ist noch unklar. Und die globale Nachfrage nach Autos bleibt insgesamt verhalten.
Nun brachte das Jahr 2026 bereits zahlreiche Veränderungen. Die Kaufprämie für E-Autos wird sich laut Kempermann voraussichtlich vor allem für VW und Kleinwagenhersteller positiv auswirken, für Premiumanbieter dagegen kaum.
Deutlich stärkere Impulse erhofft sich der Berater von den Handelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten und Indien. Sie würden auch die Lieferketten für Rohstoffe wie Lithium und Kupfer resilienter machen.
Trotz der bisherigen Probleme hat sich Deutschland zum weltweit zweitgrößten Produzenten von Autos mit E-Antrieb gemausert. Nach Verbandsangaben wurden 2025 über 1,5 Mio. Plug-in-Hybride und reine Batterie-Pkw hergestellt. In den drei „Chancenfeldern“ Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung arbeiten laut IW Consult mittlerweile rund 182.000 Beschäftigten bundesweit. Vor fünf Jahren waren es nur rund 121.000.
Von Matilda Jordanova-Duda
Das Original zu diesem Beitrag „Autoindustrie: Zulieferer orientieren sich um“ stammt von Deutsche Welle.
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6 Kommentare
Interesting update on Deutsche Auto-Zulieferer wenden sich vom Kerngeschäft ab. Looking forward to seeing how this develops.
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