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Der Ausstieg Abu Dhabis aus der Opec ist ein geopolitischer Kurswechsel und eine gezielte Botschaft an Saudi-Arabien zugleich.
Es war ein Paukenschlag, als die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verkündeten, die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und das weiter gefasste Bündnis Opec+ zum 1. Mai zu verlassen. Die Entscheidung „spiegelt eine politisch getriebene Weiterentwicklung wider, die mit langfristigen Marktgrundlagen im Einklang steht“, schrieb der Energieminister der Emirate, Suhail Al Masrui, auf der Plattform X.
Während des Krieges der USA und Israels gegen Iran hatte Teheran die VAE mit Tausenden Drohnen und Raketen angegriffen. Dabei wurden Zivilisten getötet sowie Infrastruktur und Ölförderanlagen beschädigt und zugleich US-Stützpunkte ins Visier genommen.
„Der Krieg hat eine strategische Lücke geschaffen“
Nach Angaben der emiratischen Nachrichtenagentur WAM wurde die Entscheidung zum Austritt aus der Opec beeinflusst von den Störungen im Golf und in der Straße von Hormus. Sie ist eine zentrale Route für den Transport eines Fünftels des weltweiten Ölangebots, darunter ein großer Teil der Ausfuhren der VAE.
Abu Dhabis Aufruf zu einer gemeinsamen militärischen Reaktion der Golfstaaten, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen, nachdem Teheran sie gesperrt hatte, fand jedoch keine ausreichende Unterstützung. Besonders Saudi-Arabien drängte stattdessen auf einen diplomatischen Ansatz.
Zugang zur Straße von Hormus? „Abu Dhabi wird wieder mehr Freiheiten haben”
„Der Krieg hat eine strategische Lücke geschaffen“, sagt Kristian Alexander, leitender Forscher an der in Abu Dhabi ansässigen Denkfabrik Rabdan Security and Defense Institute, der Deutschen Welle. Er ist der Ansicht, dass es schon vor dem Konflikt mit Iran entsprechende Überlegungen gab.
Die VAE haben ihre Entscheidung bekannt gegeben, während Exporte aus dem Golf nur begrenzt möglich und die Ölmärkte angespannt sind. So könne der Schritt als Mittel dargestellt werden, in der Zukunft bei der Versorgung mit Öl besser reagieren zu können, sagt Alexander.
„Sobald sich der Zugang zur Straße von Hormus wieder verbessert, wird Abu Dhabi mehr Freiheiten haben, wie ein kommerziell agiler Energieexporteur zu handeln, statt durch die Disziplin eines Kartells eingeschränkt zu sein“, fügt Alexander hinzu.
Saudi-Arabien, der größte Ölexporteur der Opec und geografisch wie bevölkerungsmäßig deutlich größer als die VAE, hat seit Jahren höhere Ölpreise gegenüber einer Ausweitung der Fördermenge priorisiert. „Im Gegensatz dazu haben die VAE stark investiert, um ihre Förderkapazitäten auszubauen“, sagt Alexander.
Bisher hatten ihm zufolge die Regeln der Opec+ diktiert, in welchem Umfang diese Kapazitäten zu Geld gemacht werden konnten.
Nun müssten die VAE nicht einmal neue Abnehmer finden, da ihre Beziehungen im Energiebereich zu großen asiatischen Verbrauchern wie China, Indien, Japan und Südkorea schon lange etabliert sind.
VAE könnten weitere Schritte unternehmen
Sami Hamdi, Geschäftsführer des in London ansässigen Risikoanalyse-Unternehmens The International Interest, verweist auf einen weiteren Aspekt, nämlich wie die Entscheidung kommuniziert wurde.
Es sei „bemerkenswert“ dass die VAE den Austritt an demselben Tag ankündigten, an dem der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman ein Gipfeltreffen mit regionalen Staats- und Regierungschefs ausrichtete, um eine geschlossene Front gegen die iranische Blockade der Straße von Hormus zu bilden.
Es ist fast so, als hätten die VAE zu Saudi-Arabien sagen wollen: „Wir lassen uns von euch nicht mehr führen”, sagte Hamdi zur Deutschen Welle.
„Ein klares Zeichen dafür, dass Abu Dhabi unzufrieden ist”
Er schloss nicht aus, dass die VAE als Nächstes aus regionalen politischen und wirtschaftlichen Bündnissen austreten könnten wie dem Golfkooperationsrat (GCC) oder der Arabischen Liga.
Auch Cinzia Bianco, Golf-Analystin beim European Council on Foreign Relations, geht davon aus, dass „noch mehr kommt“. Die VAE schickten demnach zu dem außerordentlichen Treffen der GCC am Dienstag in Dschidda den Außenminister. Andere Staaten waren durch ihre Staats- und Regierungschefs vertreten.
Schon im Vorfeld des Gipfels wertete Bianco dies auf X als „ein klares Zeichen dafür, dass Abu Dhabi unzufrieden ist. Die VAE verlassen die Opec und die Opec+, aber ich glaube nicht, dass das ausreicht, um das Ausmaß ihrer Frustration und ihre Entschlossenheit widerzuspiegeln, etwas zu unternehmen , das alles durcheinanderwirbelt.“
Ein Vertreter der VAE sagte jedoch der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, dass vorerst keine weiteren Austritte geplant seien.
Belastete Beziehungen zwischen Abu Dhabi und Riad
Beobachter sind sich einig: Unmittelbarer ist die Gefahr, die Beziehungen zu Saudi-Arabien weiter zu belasten und die VAE angesichts der regionalen Spannungen dem Vorwurf des Opportunismus auszusetzen. Schon vor der Meinungsverschiedenheit über die Sperrung der Straße von Hormus hatten die beiden Länder gegnerische Parteien im Sudan, in Libyen und im Jemen unterstützt.
Beide Länder bleiben enge Verbündete der USA und doch gibt es große Unterschiede. Im Jahr 2020 unterzeichneten die VAE ein von den USA vermitteltes Normalisierungsabkommen mit Israel. Saudi-Arabien legte solche Verhandlungen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden zweijährigen Krieg im Gazastreifen auf Eis.
„Abu Dhabi betrachtet seine Beziehungen zu Washington und Israel als entscheidende Sicherheitskanäle, bleibt dabei aber unabhängig in seinen Entscheidungen zu Energie, Investitionen, China und regionaler Diplomatie“, sagt Alexander.
„Der Wettbewerb zwischen Saudi-Arabien und den VAE könnte sich in mehreren Bereichen verschärfen”
Trotzdem glaubt er, dass die VAE ebenso wie Saudi-Arabien vorerst jeden offenen Bruch vermeiden werden, denn der politische Zusammenhalt unter den Golfstaaten ist weiter wichtig für die Sicherheit.
„Ich glaube zwar nicht, dass der Austritt der VAE zwangsläufig eine direkte Konfrontation mit Riad auslösen wird. Aber er unterstreicht, dass die beiden Golfmächte zunehmend parallele nationale Entwicklungsmodelle verfolgen. Sie arbeiten bei Bedarf zusammen, bei unterschiedlichen Interessen aber konkurrieren sie intensiv miteinander.“
Das bedeute jedoch nicht, dass sich die Länder mittel- bis langfristig nicht zu erbitterten Rivalen entwickeln könnten, ergänzt Alexander: „Der Wettbewerb zwischen Saudi-Arabien und den VAE könnte sich in mehreren Bereichen verschärfen: Es geht um Marktanteile im Ölsektor, Logistik, Tourismus, Finanzdienstleistungen, Technologie, Investitionen in künstliche Intelligenz sowie Bemühungen, ausländische Direktinvestitionen anzuziehen.“
Aus dem Englischen adaptiert von Uta Steinwehr
Von Jennifer Holleis
Das Original zu diesem Beitrag „OPEC-Austritt: Vereinigte Arabische Emirate legen Fokus auf eigene Interessen“ stammt von Deutsche Welle.
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6 Kommentare
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Interesting update on Die Folgen des Öl-Knalls in der Golfregion. Looking forward to seeing how this develops.
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