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Der Bundestag hat Kamikazedrohnen für die Bundeswehr genehmigt. Die Nachfrage nach den unbemannten Systemen steigt. Für Anleger wächst ein Milliardenmarkt. Experten warnen vor überhitzten Bewertungen.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat der Beschaffung von Kamikazedrohnen für die Bundeswehr zugestimmt – allerdings unter Auflagen. Damit setzt auch Deutschland stärker auf sogenannte Loitering Munitions, also Drohnen, die Aufklärung und Angriff kombinieren.
Nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium sollen in einer ersten Tranche Waffensysteme im Umfang von rund 540 Millionen Euro bestellt werden. Insgesamt könnten in den kommenden Jahren bis zu 4,4 Milliarden Euro in die Beschaffung fließen. Die Käufe sind jedoch gedeckelt und unterliegen erneuter parlamentarischer Billigung.
Drohnen gelten als das neue Rückgrat moderner Armeen. In einem Strategiepapier der britischen Regierung heißt es, dass künftig nur noch ein Fünftel der Verteidigungssysteme aus Panzern, Kampfhubschraubern und anderen bemannten Systemen bestehen soll – der Rest aus unbemannten Systemen wie Drohnen und Einwegwaffen.
Drohnen: Günstig in der Herstellung
Der Grund dafür ist einfach: Drohnen sind im Vergleich zu klassischen Waffensystemen deutlich günstiger. Während bestimmte Angriffsmodelle nur wenige zehntausend Euro kosten, liegt ein Schuss aus einer Patriot-Batterie bei rund drei Millionen Euro.
Zur Stärkung der Drohnenabwehr plant die Bundeswehr offenbar eine Großbestellung des Geschützturmsystems Skyranger bei der Firma Rheinmetall. Mehr als 600 Abwehrsysteme sollen beim Düsseldorfer Rüstungskonzern bestellt werden. Der Auftragswert samt dazugehöriger Fahrzeuge wird auf mehr als neun Milliarden Euro geschätzt.
Damit reagiert die Bundeswehr nicht nur auf Angriffs-, sondern auch auf Abwehrtechnologien – ein zweites milliardenschweres Marktsegment rund um Drohnen.
Nachhaltiges Wachstumspotenzial nicht nur im Militär
Auch für Investoren ist die Technologie interessant. Börsenkenner Christian W. Röhl, Chef-Ökonom der Investmentplattform Scalable Capital, sieht einen Branchenboom: „Das nachhaltige Wachstumspotenzial ist unstrittig – sowohl im militärischen Bereich als auch bei zivilen Anwendungen etwa zur Überwachung von Anlagen, in der Landwirtschaft oder beim Transport von Waren in entlegene Gebiete“, so Röhl zu FOCUS online.
Doch sei das Wachstumspotenzial bereits an der Börse eingepreist. „Die kurzfristige Kursentwicklung zeigt klare Hype-Merkmale. Die Erfahrung lehrt indes: Hype-Momentum kann sehr weit tragen – und sich dann umso machtvoller umkehren.“
Diese Firmen profitieren vom Drohnenboom
Für Anleger gibt es bereits einige börsennotierte Unternehmen, die direkt vom Trend profitieren. Röhl nennt etwa AeroVironment (USA), Kratos Defense & Security Solutions (USA), Parrot (Frankreich), Elbit Systems (Israel) und DroneShield (Australien). Diese Firmen entwickeln unbemannte Flugzeuge, Abwehrsysteme oder kombinierte Drohnen-Waffen-Systeme. Besonders gefragt sind derzeit sogenannte „Loitering Munitions“ – also Drohnen, die Aufklärung und Angriff vereinen.
Doch die Bewertungen sind ambitioniert – teils extrem. Kratos und AeroVironment wurden zeitweise mit dem 12-fachen Umsatz und dem mehr als 100-fachen Gewinn bewertet, so Röhl. Auch kleinere Anbieter wie DroneShield waren zuletzt ambitioniert bewertet – trotz Hardware-Beschränkungen und Konkurrenz durch Rüstungsgiganten wie Rheinmetall, Lockheed Martin oder Leonardo. Zudem drängen stark finanzierte Startups wie Helsing oder Quantum Systems auf den Markt.
- AeroVironment entwickelt militärische Aufklärungs- und Kampfdrohnen. Besonders bekannt ist das Loitering-Munitionssystem „Switchblade“, das auch von westlichen Streitkräften eingesetzt wird. Das Unternehmen profitierte zuletzt stark von steigenden Pentagon-Aufträgen.
- Kratos Defense & Security Solutions setzt auf autonome Militärdrohnen, darunter sogenannte „Wingman“-Systeme zur Unterstützung von Kampfjets. Der Konzern positioniert sich als Technologielieferant für die nächste Generation unbemannter Luftkampfsysteme.
- Parrot produziert zivile und militärische Drohnen für Vermessung, Landwirtschaft und Sicherheitsbehörden. Das Unternehmen ist technologisch etabliert, schreibt jedoch weiterhin Verluste.
- DroneShield hat sich auf Drohnenabwehr spezialisiert. Die Systeme zur Ortung und Neutralisierung unbemannter Fluggeräte werden zunehmend von Militär und kritischer Infrastruktur nachgefragt.
- Elbit Systems ist ein breit aufgestellter Rüstungskonzern mit starkem Drohnengeschäft. Das Unternehmen entwickelt Aufklärungs- und Kampfdrohnen sowie elektronische Verteidigungssysteme und gilt als globaler Marktführer in mehreren Segmenten.
Spezielle Drohnen-ETFs
Derzeit gibt es noch keinen spezialisierten Drohnen-ETF unter europäischer Regulierung. In den USA allerdings schon, so wie den JEDI Drone & Modern Warfare ETF. Doch auch dort gilt: „Es gibt nicht genügend börsennotierte ‚Pure Plays‘ (Anm. d. Red.: Unternehmen, die sich ausschließlich auf dieses Geschäftsfeld fokussieren), die einen Fonds bzw. ETF tragen könnten.“ Aus diesem Grund würden die Portfolios mit Unternehmen befüllt, die lediglich geringe Umsatzanteile im Drohnensegment haben.
Anleger-Rat: Besser auf breit gestreute ETFs setzen
Röhl rät interessierten Anlegern zu Vorsicht: „Wer fokussiert auf das Thema Drohnen setzen möchte, kommt nicht um Investments in entsprechende Spezialwerte umhin – die hoch bewertet sind, so dass die Rückschlagsrisiken immens sind.“ Es handele sich um klassische Momentum-Investments für risikobewusste Anleger, die aktiv am Markt seien und ihr Risiko managen könnten.
Selbst Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte zuletzt vor technologischen Gewissheiten. Zwar dominierten Drohnen aktuell den Krieg in der Ukraine – ob das in fünf Jahren noch gelte, wisse jedoch niemand. Für Anleger bedeutet das: Militärische Technologietrends können sich schneller drehen als klassische Rüstungszyklen.
Langfristig orientierten Investoren empfiehlt Röhl eine breite Streuung über Rüstungs-ETFs. Diese bündeln verschiedene Sektoren wie Panzer, Kampfjets, Raketenabwehr, Cybersecurity und Kommunikationselektronik. Ein Blick in die Index-Zusammensetzung zeigt: Während die einen Produkte stärker auf klassische Rüstungskonzerne setzen, haben andere einen Fokus auf Technologie, Software und Innovation.
„Wer sich hier langfristig positionieren will, kann den sukzessiven Einstieg über einen ETF-Sparplan erwägen – zumal Rüstungswerte in Weltportfolio-ETFs noch immer mit nur zwei bis drei Prozent gewichtet sind,“ sagt Röhl.
Politische Risiken und öffentliche Kritik
Neben hohen Bewertungen sieht Röhl auch politische Unsicherheiten: „Gerade in Europa dürfte die Kritik an den ‚Kriegsgewinnlern‘ lauter werden.“ Denkbar seien neue Übergewinnsteuern – auch wenn diese dem Ziel einer eigenständigen europäischen Sicherheitsindustrie widersprächen.
Zudem bleibt der Wettbewerb schwer zu durchschauen: „Relativ wenigen Nachfragern – nämlich Staaten – steht eine steigende Anzahl von Anbietern gegenüber,“ sagt Röhl. „Wegen der vielfältigen Startup-Aktivitäten ist der Wettbewerb schwierig zu analysieren – was wiederum für Basket- und ETF-Lösungen spricht.“
Wer investieren will, sollte daher prüfen: Wie hoch ist die Bewertung? Wie stark hängt das Unternehmen von einzelnen staatlichen Großaufträgen ab? Und wie groß ist die Konkurrenz durch Rüstungsgiganten oder Start-ups?
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5 Kommentare
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