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Der Rüstungsboom beschert den deutschen Waffenschmieden hohe Umsatzgewinne. Die nötige europäische Kooperation bleibt dabei noch auf der Strecke.
Die investiven Ausgaben für die Verteidigung in Deutschland werden 2026 auf über 108 Milliarden Euro steigen. Davon profitiert die deutsche Rüstungsindustrie, denn bisher liegt ihr Anteil bei über 90 Prozent der deutschen Rüstungsausgaben.
An vorderster Front steht der Panzer- und Munitionshersteller Rheinmetall, der seinen Umsatz von 7,2 Milliarden Euro (2023) auf fast 11 Milliarden Euro (2025) steigern konnte. Zum US-amerikanischen Branchenführer Lockheed Martin mit einem Umsatz von 68 Milliarden Euro im Jahr 2024 ist der Abstand jedoch gewaltig.
So wächst Deutschlands Rüstungsindustrie
Auch die britische BAE Systems hat einen fast dreimal so hohen Umsatz wie Rheinmetall. Zur Rüstungssparte des französisch-deutsch-spanischen Airbus SE (12,2 Mrd. Euro) hat Rheinmetall jedoch aufgeschlossen.
Die nächstgrößeren deutschen Rüstungskonzerne sind Thyssenkrupp Marine Systems (U-Boote, 2,2 Mrd. Euro), Hensoldt (optische Geräte, 2,2 Mrd. Euro), KNDS (Panzer, hälftig im Besitz der deutschen Wegmann-Gruppe, 3,8 Mrd. Euro) und Diehl Defense (Flugabwehrsysteme, 1,8 Mrd. Euro). Sie alle konnten ihre Umsätze steigern, Diehl Defense sogar um 60 Prozent von 2023 auf 2024, und auch für die kommenden Jahre wird ein Wachstum erwartet.
Prof. Dr. Christoph Scherrer, Volkswirt und Politologe, forscht zur internationalen politischen Ökonomie und nachhaltigen Steuerung globaler Märkte. Er war Professor in Kassel und ist Mitglied des Kassel Institute for Sustainability. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Neue Waffentechnik birgt neben Wachstum auch Risiken
Der rasche Aufwuchs birgt gewisse Risiken für den zukünftigen Gebrauchswert und den Preis der Waffensysteme. Die beauftragten Firmen weisen eine Pfadabhängigkeit der Spezialisierung aus der Zeit des Kalten Kriegs auf, doch es ist ungewiss, welche Waffen in neuen Kriegen Erfolg versprechen werden.
Für die Auftraggeber ist dies nur schwer zu überprüfen, weshalb die Gefahr von Mitnahmeeffekten besteht. Die Regierung reagiert auf dieses Problem, indem sie Forschung und Entwicklung sowie Start-ups fördert, die schnellere und innovativere KI- und Robotikfähigkeiten versprechen als etablierte Rüstungskonzerne.
Der entsetzliche russische Angriff auf die Ukraine liefert dabei eine schnelle Rückmeldung, ob die neue Waffentechnik hält, was sie verspricht – wie kürzlich das Münchner Unternehmen Helsing hinsichtlich seiner Drohnen erfahren musste.
Europäisches statt nationales Beschaffungswesen
Unter Militärexperten besteht Konsens, dass das bisherige nationale Beschaffungswesen zu ineffizienten Doppelstrukturen, hohen Stückkosten und fehlender Interoperabilität zwischen den europäischen Streitkräften geführt hat.
In der EU werden beispielsweise vier verschiedene Kampfpanzermodelle hergestellt. Die Europäische Union hat daher entsprechende Maßnahmen ergriffen: Mit dem EDIP (European Defence Industry Programme) soll die gemeinsame Beschaffung von Rüstungsgütern unterstützt werden.
In der „Readiness Roadmap 2030” ist das Ziel festgelegt, den Anteil der gemeinsamen Beschaffung von Verteidigungsgütern bis 2027 von derzeit zirka 20 Prozent auf mindestens 40 Prozent zu erhöhen. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel waren bisher bescheiden.
Es standen 1,5 Milliarden Euro für das EDIP und eine Milliarde Euro Wachstumskapital zur Verfügung. Mit der im Jahr 2025 verabschiedeten „Security Action for Europe” (SAFE) stehen nun jedoch Darlehen in Höhe von bis zu 150 Milliarden Euro für gemeinsame Beschaffungen von mindestens zwei Ländern bereit. Allerdings erlaubt SAFE auch vorübergehende Beschaffungen einzelner Mitgliedstaaten.
Staaten ringen um Zuschlag ihrer Unternehmen
Der sicherheitspolitische Nutzen von Aufrüstung ist ungewiss. Haben die beschafften Waffen erfolgreich abgeschreckt? Und selbst im Kriegsfall: Waren es die richtigen? Der wirtschaftliche Nutzen ist für die Rüstungsunternehmen, ihre Beschäftigten und die Produktionsstandorte dagegen sofort erkennbar.
Entsprechend ringen die europäischen Staaten hart darum, wessen Unternehmen den Zuschlag für die Produktion erhält. So droht das seit Langem geplante Projekt eines europäischen Kampfjets samt Begleitdrohnen und neuartigen Kommunikationssystemen (Future Combat Air System, FCAS) am deutsch-französischen Streit um die Führung des Projekts zu scheitern.
Trumps nationalistische Einmischung und Merz‘ „stärkste Armee“
Die Politik Trumps, die Europa einerseits zum gemeinsamen Handeln bewegt, trägt andererseits durch ihre Zölle auf europäische Waren und die Forderung, den Handel mit China einzuschränken, zur Verschärfung der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas bei.
Dies spitzt den Standortwettbewerb bei der Auftragsvergabe zu. Zudem unterstützt Trump eine nationalistische Ideologie, die nicht nur in Ungarn ihr hässliches Gesicht zeigt.
Gerade Deutschland, vor dem Hintergrund seiner aggressiven Geschichte und als das wirtschaftlich stärkstes Land Europas, sollte deshalb seinen Beitrag zur Stärkung Europas leisten. Die Regierungserklärung von Kanzler Merz, Europas „konventionell stärkste Armee“ zu schaffen, ist deshalb wenig zuträglich.
Nachteile eines zu starken deutschen Militärs
In der bedeutendsten US-amerikanischen Zeitschrift für internationale Beziehungen, Foreign Affairs, warnt Liana Fix bereits vor einem zu starken deutschen Militär. Dies könnte bei Deutschlands Nachbarn zu Gegenreaktionen führen, sodass statt eines geeinten, starken Europas ein zerstrittenes entstehen könnte.
Zur Sicherung gegen nationale Alleingänge empfiehlt sie die gemeinsame Schuldenaufnahme Europas für die notwendige Aufrüstung. Merz scheint Gemeinschaftsschulden aber weiterhin abzulehnen. So wird ein starkes Europa als Gegengewicht zu den USA und der VR China nicht erreicht.
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6 Kommentare
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