T-Zell-Engager haben in der Blutkrebsbehandlung bereits Wirkung gezeigt. Bei soliden Tumoren, also den meisten Krebsarten überhaupt, scheitern dieselben Ansätze bislang häufig. Evotec und das bayerische Biotechunternehmen Plectonic Biotech wollen gemeinsam herausfinden, ob ihre jeweiligen Plattformen das ändern können.
WKN 566480 · ISIN DE0005664809
Chart: XETRA, 3 Monate · Kursangabe im Text: Schlusskurs vom 2. September 2026
Das Ziel ist klar: Evotec kombiniert seine BiTco-Plattform mit Plectonics LOGIBODY-Technologie, um einen neuartigen Immuntherapieansatz für solide Tumoren zu entwickeln. Ob das Konzept funktioniert, ist noch offen. Im Rahmen der Vereinbarung sollen zunächst präklinische Daten entstehen, die zeigen, ob die Kombination beider Technologien funktioniert. Für Anleger, die Evotec beobachten, ist das zunächst ein früher Forschungsschritt ohne gesicherten kommerziellen Zeithorizont.
Die BiTco-Plattform setzt an einem bestimmten Oberflächenmerkmal von T-Zellen an, dem sogenannten CD2-Rezeptor. Ein firmeneigener Antikörper bindet dort, ohne die natürliche Funktion des Rezeptors zu blockieren, und soll T-Zellen ein zusätzliches Aktivierungssignal geben. Ziel ist es, T-Zellen länger aktiv und wirkungsvoll im Tumorgewebe zu halten – ein bekanntes Problem, das als T-Zell-Erschöpfung beschrieben wird.
Plectonics LOGIBODY-Technologie verfolgt einen anderen Ansatz. Die DNA-Protein-Moleküle werden erst aktiv, wenn sie gleichzeitig mehrere tumorspezifische Oberflächenmerkmale erkennen – ähnlich einem logischen Schalter, der nur auslöst, wenn alle Bedingungen erfüllt sind. Das soll verhindern, dass T-Zellen auch in gesundem Gewebe aktiviert werden, was bei klassischen T-Zell-Engagern ein wesentliches Sicherheitsproblem darstellt.
Die Evotec-Aktie schloss am Tag der Mitteilung bei 3,31 Euro und legte damit gegenüber dem Vortag rund fünf Prozent zu.
Cord Dohrmann, Chief Scientific Officer von Evotec, verwies darauf, dass solide Tumoren rund 90 Prozent aller Krebserkrankungen ausmachen, bisher aber von T-Zell-Engager-Therapien kaum profitiert hätten. Die Kooperation soll untersuchen, ob die Kombination beider Plattformen dieses therapeutische Fenster erweitern kann. Plectonic-Gründer Klaus Wagenbauer hob die Modularität der LOGIBODY-Technologie hervor, die sich bereits in präklinischen Studien bei verschiedenen Tumortypen gezeigt habe.
Evotec hatte zuletzt präklinische Ergebnisse zur BiTco-Plattform veröffentlicht, die einen ersten Machbarkeitsnachweis für den CD2-basierten Ansatz in Kombination mit T-Zell-Engagern lieferten. Ob aus der Zusammenarbeit mit Plectonic ein gemeinsames Entwicklungsprogramm entsteht, hängt von den nun geplanten präklinischen Daten ab.
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