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- Evotec SE – WKN: 566480 – ISIN: DE0005664809 – Kurs: 4,942 € (XETRA)
Evotec kassiert den Ausblick für 2026 in einer Größenordnung, die sich kaum beschönigen lässt. Verschobene Partnerschaften, ausbleibende Meilensteinzahlungen und ein nun tief rotes EBITDA dürften die Aktie heute massiv unter Druck setzen.
Ausblick bricht regelrecht ein
Die vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 fallen bereits schwach aus, die eigentliche Brisanz steckt aber im neuen Jahresausblick. Evotec erwartet nun nur noch Konzernumsatzerlöse von 570 bis 610 Mio. EUR und ein bereinigtes EBITDA von -70 bis -105 Mio. EUR. Bei konstanten Wechselkursen liegt die neue Spanne bei 595 bis 635 Mio. EUR Umsatz und -60 bis -90 Mio. EUR beim bereinigten EBITDA.
Zum Vergleich: Bislang hatte das Unternehmen 700 bis 780 Mio. EUR Umsatz sowie ein bereinigtes EBITDA von 0 bis 40 Mio. EUR in Aussicht gestellt. Damit ist die Senkung massiv. Aus einem operativ zumindest ausgeglichenen Jahr wird nun ein klar defizitäres Geschäftsjahr. Für den Kapitalmarkt ist das ein harter Einschnitt, zumal Evotec damit gleich an mehreren Stellen Vertrauen verspielt.
Im ersten Halbjahr erreichte der Konzern nach vorläufigen Zahlen Umsatzerlöse von rund 300,1 Mio. EUR und ein bereinigtes EBITDA von minus 42,7 Mio. EUR. Die Liquidität lag zum 30. Juni 2026 bei rund 465,6 Mio. EUR.
Die Begründung hilft nur bedingt
Evotec führt rund 40 % der Umsatzlücke auf bestehende Partnerschaften zurück. Hier verschieben sich Meilensteinzahlungen und Umsatzrealisierungen ins Jahr 2027. Weitere rund 45 % betreffen strategische Partnerschaften, die noch verhandelt werden und nun wohl erst nach dem vierten Quartal 2026 relevant werden. Rund 15 % entfallen auf eine schwächere Umsatzrealisierung als ursprünglich erwartet.
Das Management argumentiert also in weiten Teilen mit Timing-Effekten. Genau das dürfte an der Börse aber nur begrenzt beruhigen. Wenn fast die Hälfte der Lücke auf noch nicht abgeschlossene Partnerschaften entfällt, zeigt das vor allem, wie stark die alte Prognose von Annahmen abhing, die sich nun als zu optimistisch erweisen. Auch verschobene Meilensteinzahlungen sind kein kleines Detail, weil gerade diese Erlöse meist besonders margenstark sind. Entsprechend schlägt die Korrektur beim EBITDA überproportional durch.
Das Basisgeschäft stabilisiert, kompensiert aber nicht
Evotec verweist auf eine bessere Dynamik im operativen Kerngeschäft, und diese gibt es durchaus. Im D&PD-Basisgeschäft ohne strategische Partner stiegen die Nettoverkäufe im ersten Halbjahr 2026 im Jahresvergleich um rund 28 %. Auch Just, Evotec Biologics profitierte laut Unternehmen von hoher Kapazitätsauslastung und einem erweiterten Kundenstamm.
Nur reicht das ganz offensichtlich nicht aus, um die Lücke aus dem Partnergeschäft auch nur annähernd zu schließen. Das zeigen die Segmentzahlen klar. Im Bereich Discovery & Preclinical Development lagen die Umsätze im ersten Halbjahr bei rund 227,9 Mio. EUR, das entspricht einem Rückgang von rund 16 %. Just, Evotec Biologics kam auf 72,3 Mio. EUR, ein Minus von rund 29 %. Die operative Verbesserung im Basisgeschäft ist damit bislang vor allem ein Hoffnungsträger für später, aber noch kein echter Ergebnispuffer.
Horizon läuft, der Kapitalmarkt dürfte trotzdem zweifeln
Am Transformationsprogramm Horizon hält Evotec fest. Das Unternehmen sieht sich auf Kurs, 2026 rund 20 bis 30 % der bis Ende 2027 geplanten Verbesserung der Kostenbasis um 75 Mio. EUR zu realisieren. Auch die Prüfung strategischer Optionen auf Konzernebene läuft weiter.
Trotzdem dürfte die Glaubwürdigkeit des Managements mit dieser Gewinnwarnung weiter unter Druck geraten. Denn die entscheidende Botschaft lautet: Ein erheblicher Teil des erwarteten Geschäfts war weniger belastbar, als der bisherige Ausblick suggerierte. Ob die verschobenen Beiträge 2027 tatsächlich kommen und die Pipeline die hohen Erwartungen später einlösen kann, muss Evotec erst noch beweisen.
Fazit: Wie Morphosys, das nach der Novartis-Übernahme „abgewickelt“ wurde, droht auch der einstige deutsche Biotech-Star Evotec völlig in der Versenkung zu verschwinden. Das Vertrauen ist nach der massiven Prognosesenkung nun endgültig dahin. Finger weg! Unter 4 EUR drohen weitere Verkaufssignale.
| Jahr | 2024 | 2025 | 2026e* |
| Umsatz in Mio. EUR | 796,97 | 788,40 | 590,00 |
| Ergebnis je Aktie in EUR | -0,80 | -0,56 | – |
| Gewinnwachstum | – | – | |
| KGV | – | – | – |
| KUV | 1,1 | 1,1 | 1,5 |
| PEG | – | – | |
| *e = erwartet, Berechnungen basieren bei US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten |
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6 Kommentare
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