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Ein Pulitzer-Preisträger und „New York Times”-Reporter hat 18 Monate lang recherchiert — jetzt teilt er mit, den geheimnisumwitterten Satoshi Nakamoto enttarnt zu haben.

Der amerikanische Investigativ-Journalist John Carreyrou will die wahre Identität von Satoshi Nakamoto herausgefunden haben. Satoshi gilt als Bitcoin-Erfinder, bei dem Namen handelt es sich aber um ein Pseudonym. Hinter dem Phantom stecke Adam Back als wirklicher Bitcoin-Erfinder. Die Beweislage sei dicht.

Spürhund Carreyrou ist der Mann, der mit seiner Recherche die Biotechnologie-Unternehmerin Elizabeth Holmes zu Fall brachte. Wenn ein Reporter dieses Kalibers anderthalb Jahre einer einzigen Frage widmet, sollte man zuhören. Seine Frage: Wer hat Bitcoin tatsächlich erfunden?

Steckt der Brite Adam Back hinter Satoshi Nakamoto?

Jüngst veröffentlichte die „New York Times“ Carreyrous Antwort — einen Investigativbericht, der auf den britischen Kryptographen Adam Back als Bitcoin-Erfinder verweist. 

Back ist 55, CEO der Blockchain-Firma Blockstream und Erfinder von Hashcash, dem Proof-of-Work-System, das Satoshi Nakamoto im Bitcoin-Whitepaper zitiert. Back bestreitet, hinter Satoshi zu stecken.

Eric Heinemann ist Krypto-Experte und Gründer von Crypto Nerds. Er vermittelt Wissen zu digitalen Assets praxisnah über Podcasts, Kurse und Events und berät Unternehmen zu Vertrieb und Strategie. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Satoshi Nakamoto ist das Pseudonym der unbekannten Person, die im Jahr 2008 das sogenannte Bitcoin-Whitepaper veröffentlichte und 2009 Bitcoin entwickelte. Trotz zahlreicher Versuche wurde Satoshi Nakamoto lange nicht enttarnt.

Besonders auffällig: Satoshi machte 325 ungewöhnliche Bindestrich-Fehler

Im Rahmen seiner Recherche stellte Carreyrou mit „NYT“-KI-Redakteur Dylan Freedman eine Datenbank aus 134.308 Beiträgen zusammen, die zwischen 1992 und 2008 in drei Kryptographie-Mailinglisten gepostet wurden. Aus 34.000 Nutzern filterten sie 620 heraus, die sich mit digitalem Geld befasst hatten. Dann verglichen sie deren Schreibstil mit allen bekannten Satoshi-Texten — mit drei verschiedenen Methoden. In jeder war Adam Back der engste Treffer.

Besonders auffällig: Satoshi machte 325 ungewöhnliche Bindestrich-Fehler. Back teilte 67 davon — fast doppelt so viele wie der nächstbeste Kandidat. Beide verwenden doppelte Leerzeichen nach Satzzeichen, britische Schreibweisen und verwechseln „it’s“ mit „its“. Selbst seltene Fachbegriffe wie „partial pre-image“ tauchten exklusiv bei beiden auf.

Das verdächtige Schweigen

Was die Recherche über die reine Textanalyse hinaus stützt, ist ein zeitliches Muster. Adam Back war über ein Jahrzehnt eine der aktivsten Stimmen in Online-Diskussionen über elektronisches Geld.

Doch genau in dem Zeitraum, in dem Satoshi Nakamoto in den Foren aktiv war, verstummte Back komplett. Sein erstes öffentliches Wort über Bitcoin fiel erst im Juni 2011 — sechs Wochen nachdem Satoshis letzte bekannte Nachricht datiert.

Bereits 1997 hatte Back in Mailinglisten Ideen skizziert, die dem späteren Bitcoin-Design erstaunlich ähneln: ein datenschutzfreundliches E-Cash-System auf Basis eines dezentralen Netzwerks mit eingebauter Knappheit. Er schlug sogar vor, sein eigenes Hashcash mit Wei Dais b-money-Konzept zu kombinieren — exakt das, was Satoshi dann tat.

Die Konfrontation in El Salvador

Im Januar 2026 traf Carreyrou Adam Back persönlich auf einer Bitcoin-Konferenz. In einem zweistündigen Gespräch bestritt Back sechs Mal, Satoshi zu sein. Doch ein Aspekt fiel auf: Als der Reporter ein bekanntes Satoshi-Zitat erwähnte — „I’m better with code than with words“ — antwortete Back: „I did a lot of talking though for somebody, I mean.“

Er schien für einen Augenblick als Satoshi über sich selbst zu sprechen. Back nennt es einen harmlosen Versprecher. Carreyrou sieht es als unbewussten Ausrutscher.

Backs Gegenargument hat Gewicht

Back konterte Carreyrous „Enthüllungen“ auf X: Als jemand, der seit 1992 über Kryptographie publiziere, liefere sein Archiv mehr Material für Mustererkennungs-Algorithmen als die Texte anderer. Blockstream nannte die Geschichte „eine Interpretation ausgewählter Details, keine kryptographische Beweisführung.“

Die Krypto-Community bleibt überwiegend skeptisch. Cybersecurity-Forscher Robert Graham fand kaum Code-Ähnlichkeiten zwischen Back und Satoshi. Und selbst der von der NYT engagierte Linguist Florian Cafiero nannte seine eigene Analyse „nicht schlüssig“ — der amerikanische Kryptograf Hal Finney lag fast gleichauf mit Back.

Was würde es uns bringen, Satoshis Identität zu kennen?

Die Frage wird in der aufgeregten Debatte zu selten gestellt — dabei ist sie die entscheidende. Denn die Antwort ist ernüchternd: wahrscheinlich wenig bis gar nichts.

Satoshi kontrolliert geschätzt 1,1 Millionen Bitcoin — das sind beim aktuellen Kurs über 80 Milliarden Dollar, die seit 2009 nicht bewegt wurden. Eine bestätigte Identifizierung würde sofort regulatorische Fragen aufwerfen: Steuerpflicht, Meldepflichten, potenzielle Klagen. Die Märkte würden nervös reagieren, weil plötzlich unklar wäre, ob diese Coins noch als dauerhaft gesperrt gelten können.

Gleichzeitig ist die Unabhängigkeit des Bitcoins eine seiner größten Stärken. Es gibt (noch) keinen CEO, den Regierungen vorladen können, keinen Gründer, der seine Meinung ändert. Wie Back selbst es formuliert: Bitcoin wirkt wie eine Entdeckung, nicht wie ein Startup. Genau das macht es als neutrales, dezentrales Geldsystem so glaubwürdig.

„Gründlichste Untersuchung der Satoshi-Frage verdient Respekt“

Und dann ist da die Sicherheitsfrage. Als die Dokumentation des Fernsehprogrammanbieters HBO (Home Box Office) 2024 den kanadischen Bitcoin-Entwickler Peter Todd als Satoshi benannte, musste der  Kanadier untertauchen — wegen konkreter Bedrohungen, die mit dem Milliardenvermögen der Satoshi-Wallets zusammenhingen.

Die Wahrheit ist: Die Suche nach Satoshi befriedigt unsere Neugier, aber sie nützt Bitcoin nicht. Im Gegenteil. Die Anonymität des Gründers ist kein Bug — sie ist ein Feature.

Carreyrous Recherche ist die bisher gründlichste Untersuchung zur Satoshi-Frage. Sie verdient Respekt. Aber solange niemand mit Satoshis kryptographischen Schlüsseln eine Nachricht signiert, bleibt jede Identifizierung das, was sie ist: eine faszinierende, gut begründete Theorie. Nicht mehr, nicht weniger.

Eric Heinemann

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6 Kommentare

  1. Karl N. Wagner am

    Interesting update on Geheimnisvoller Bitcoin-Erfinder nach Jahren wohl enttarnt. Looking forward to seeing how this develops.

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