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Mit dem Krieg im Nahen Osten schlägt die Stunde von Gold als „sicherem Hafen“. Doch Experten erwarten, dass ein anderes Edelmetall vergessen wird.

Während vor allem Aktien seit dem US-Militärschlag auf den Iran unter Druck stehen, leidet der „sichere Hafen“ Gold inzwischen auch unter einem Preisrückgang. Doch Edelmetall-Anleger halten dem Gold die Treue und bleiben auf der Käuferseite.

Kann in Anbetracht des Iran-Konflikts die Versorgung mit physischen Edelmetallen zunehmend eingeschränkt sein? FOMO („fear of missing out“), also die Angst vor einer zu späten Entscheidung ist grundsätzlich nicht angebracht, stellt Michael Eubel, Abteilungsleiter Sorten & Edelmetalle bei der staatlichen BayernLB klar.

„Solange der Gold-Boom anhält, wird Silber-Engpass bleiben“

Das Problem liegt aktuell bei einzelnen Aufträgen, die nicht ausgeführt werden können, weil Nachlieferungen von Prägestätten und Raffinerien nicht erfolgen: „Bei Gold haben wir alles verfügbar, bei Silber sieht es anders aus“, betont Eubel.

Hier seien zahlreiche Produkte „auf Rückstand“. Prägestätten und Raffinerien würden auf Volllast arbeiten: „In dieser Situation wird keine Raffiniere von Gold auf Silber umstellen“, prognostiziert Michael Eubel. Entspannung durch Ankäufe seien auch nicht zu erwarten: „Aktuell kommen vier bis fünf Verkäufe auf einen Ankauf.“

Nach Einschätzung des Edelmetall-Experten könnte dagegen physisches Silber vorerst Mangelware bleiben: „Solange der Gold-Boom anhält, wird der Engpass bei Silber bleiben“, betont Eubel.

Sebastian Wieschowski ist leidenschaftlicher Münzsammler und Fachmann für Numismatik und Edelmetalle. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Silber weniger attraktiv, weil Produktionsaufwand hoch bleibt

Ähnlich sieht es Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Initiator der Fachkonferenz „ZukunftsForum Edelmetalle“, die im März 2026 in Frankfurt stattfindet: „Die Situation bei Silber und bei den Platinmetallen ist schwieriger als bei Gold. Für viele Scheideanstalten ist Silber weniger attraktiv, weil der Materialwert und damit Ertrag pro Stück deutlich niedriger ist und der Produktionsaufwand vergleichsweise hoch bleibt.

Platinmetalle sind zudem technisch anspruchsvoller zu verarbeiten. Wenn die Kapazitäten knapp werden, konzentriert man sich daher in der Regel auf Gold. Silber rückt dann etwas nach hinten, und Platinmetalle stehen meist ganz am Ende der Prioritätenliste“, erklärt Wrzesniok-Roßbach.

Das bedeutet jedoch nicht, dass physisch kein Metall vorhanden wäre. In der Regel handelt es sich eher um eine Frage der Prioritätensetzung und der Verarbeitungskapazitäten – also darum, welches Metall sich am schnellsten und effizientesten bearbeiten lässt.

Kreditlinien und Personalnot schränken Wachstum ein

Der Experte weist zudem auf einen weiteren limitierenden Faktor im Edelmetallhandel hin, der dazu führen kann, dass einzelne Händler nur eingeschränkt lieferfähig sein können: „Viele mittelständische Unternehmen in unserer Branche, darunter Händler, aber auch Scheideanstalten und Verarbeiter, arbeiten mit Kreditlinien.“ Dies ist vollkommen normal und eine Folge des hohen Kapitalbedarfs im Edelmetallgeschäft, der sich nicht alleine mit Eigenkapital abdecken lässt.

Durch die starken Preissteigerungen der letzten zwei Jahre, aber auch das stetig steigende Kauf- und gleichzeitige Verkaufsinteresse durch die Kundschaft, stoßen die Kreditlinien zunehmend an ihre Grenzen.

Wenn die Preise steigen, bindet derselbe Warenbestand plötzlich deutlich mehr Kapital. Gleichzeitig lassen sich Kreditlinien nicht beliebig und schon gar nicht kurzfristig verdoppeln oder verdreifachen. Die Folge sei, dass Unternehmen ihre Vorräte reduzieren müssen und insgesamt weniger flexibel werden.

Ähnlich wie Michael Eubel sieht auch Branchenkenner Wolfgang Wrzesniok-Roßbach die Produktion von Anlageprodukten wie Münzen und Barren als potenzielle Engstelle: „So teilen sich verschiedene Produkte die gleichen Produktionsanlagen und müssen jeweils für das herzustellende Produkt neu eingerichtet werden.“

Edelmetall-Verarbeitung bleibt „Hochrisikogeschäft“

Deshalb können die jeweiligen Bestellungen nur nacheinander abgearbeitet werden und es kann schon deshalb sein, das bestimmte Produkte vergriffen sind, bis sie mit dem nächsten Produktionslauf wieder „an der Reihe“ sind.

Dazu kämen personelle Grenzen: „Das gilt ganz besonders auch für Scheideanstalten: Die Verarbeitung von Edelmetallen ist ein Hochrisikogeschäft und erfordert qualifiziertes und extrem zuverlässiges Personal. Auch deshalb können Scheideanstalten auf extreme Nachfragespitzen nur begrenzt reagieren, weil beispielsweise eine zusätzliche dritte (Nacht-)Schicht in der Praxis nicht kurzfristig umsetzbar ist“, fasst Wolfgang Wrzesniok-Roßbach zusammen.

Entspannung denkbar, doch neue Projekte dauern Jahre

Mit Spannung verfolgen auch die Experten, wie Anleger, Händler und die Industrie auf den Nachfrageboom bei physischen Edelmetallen reagieren: „Im Markt hört man derzeit häufig, dass die Nachfrage stärker in Richtung kleinerer Stückelungen geht. Gleichzeitig wird viel Material angekauft und wieder eingeschmolzen“, berichtet Wolfgang Wrzesniok-Roßbach.

„Langfristig ist eine Entspannung bei der Silberversorgung zumindest theoretisch denkbar, wenn Minenbetreiber zunehmend versuchen, aufgrund des hohen Silberpreises die Exploration von Silber auszuweiten – allerdings können solche Projekte mehrere Jahre dauern“, prognostiziert Michael Eubel.

Sebastian Wieschowski

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6 Kommentare

  1. Interesting update on Gold unter Druck – warum Silber trotzdem Mangelware bleibt. Looking forward to seeing how this develops.

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