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Auf Trumps Einflusspährenpolitik und Chinas Reaktion muss Deutschland mit vertieften Handelspartnerschaften und Stärkung des EU-Binnenmarkts antworten
Nun ist es nicht mehr zu übersehen: US-Präsident Donald Trump hat das Ende des schrittweise liberalisierten und regelbasierten Handelsregimes eingeläutet. Es beginnt eine neue Epoche der rohen Machtpolitik um Einflusszonen.
Dies wird die deutsche Wirtschaft hart treffen, denn als rohstoffarmes Land ist Deutschland auf Importe angewiesen, die es vornehmlich mit Exporten von Industriewaren finanziert.
Für Erhalt der deutschen Industrie braucht es neue Auslandsmärkte
Die Skalenlogik der modernen Industrie, d. h. die Senkung der Stückkosten durch Erhöhung der Ausbringungsmenge, hat zur Folge, dass bei sinkendem Absatz die Kosten pro Stück zunehmen und damit die Wettbewerbsfähigkeit abnimmt.
Für den Erhalt der Industrie in Deutschland sind Auslandsmärkte somit von großer Bedeutung.
Russland und China sind wegbrechende Märkte
Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine begann der Verlust von Exportmärkten, wobei noch der Verlust einer billigen Energiequelle hinzukam. Zuvor hatten die USA bereits Druck auf Deutschland ausgeübt, den Handel mit der Volksrepublik China zu reduzieren.
Da China, das diktatorisch regiert wird, bereits gegenüber Estland und Australien gezeigt hat, dass es bereit ist, Handelssanktionen zur Durchsetzung seiner außenpolitischen Ziele zu erlassen, bestand ein zusätzlicher Grund, die Abhängigkeit vom chinesischen Markt zu begrenzen.
Zudem hat China technologisch aufgeholt und sich vom Abnehmer deutscher Industrieprodukte zum Hauptkonkurrenten auf den Weltmärkten gewandelt.
Unter dem US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden keimte die Hoffnung auf, dass die Exportverluste in China durch vermehrte Exporte in die USA unter dem Slogan „Friend Shoring“, dem verstärkten Handeln unter demokratischen Freunden, ausgeglichen werden könnten. Tatsächlich stiegen die Exporte in die USA an.
Deutsche Wirtschaft muss den Handel mit neuen Märkten, wie dem südamerikanischen, ausbauen
Die rechtswidrigen Zölle von Präsident Trump haben nun auch die Exporte in die USA einbrechen lassen. Im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2024 gingen die Exporte in die USA von Januar bis November 2025 um 9 Prozent zurück, die Exporte nach China sogar um 10,7 Prozent.
Weitere Rückgänge sind nicht auszuschließen, denn Trump hat der EU bereits mit neuen Strafzöllen gedroht, sollte sie ihre Gesetze, die die Marktmacht großer Tech-Konzerne begrenzen sollen, nicht zurücknehmen.
Zudem verkündete er, dass die USA nicht auf die Importe ihrer direkten Nachbarn angewiesen seien. Gerade nach Mexiko exportieren deutsche Firmen Vorprodukte, die dort für den US-amerikanischen Markt weiterverarbeitet werden.
Chancen und Risiken neuer Märkte: Mercosur im Fokus
Deshalb ist es wichtig, dass die deutsche Wirtschaft den Handel mit anderen Ländern, wie dem südamerikanischen Markt (Mercosur), ausbaut. Dabei ist allerdings zu beachten, dass dies nicht zulasten des Klimaschutzes geht. Eine verstärkte Erderwärmung wäre für alle mit hohen Kosten verbunden. Zudem bleibt abzuwarten, wie Trump auf das EU-Mercosur-Abkommen reagiert.
Da er Lateinamerika wieder zum Hinterhof der USA machen will, könnte er die Mercosur-Staaten mit zoll- und militärpolitischen Mitteln unter Druck setzen, sollten diese den amerikanischen Konzernen nicht den gleichen oder sogar besseren Marktzutritt einräumen, wie er im EU-Mercosur-Vertrag den europäischen Unternehmen gewährt wird.
Damit sich die Handelspartner trotz des zu erwartenden Drucks seitens der Trump-Regierung zugunsten Europas entscheiden, muss Rücksicht auf deren Interessen genommen werden. Nicht alle eigenen Interessen sollten mit Macht durchgesetzt werden.
Stärkung des europäischen Binnenmarktes als Antwort
Aus diesen Gründen ist vor allem eine Vertiefung des Handels mit den europäischen Nachbarländern geboten. Eine Stärkung des europäischen Binnenmarktes würde Europa mehr Verhandlungsstärke gegenüber den USA und China verleihen. Im Vergleich zu 2024 hat sich der Handel mit EU-Staaten bereits um 4 Prozent erhöht.
Wünschenswert wäre ein noch höheres Wachstum, das erreicht werden könnte, wenn Fiskal- und Monetärpolitik stärker auf Wachstum ausgerichtet würden. Darüber hinaus bietet eine gemeinsame europäische Politik der Abkehr von fossilen Energieträgern gerade für die innovationsstarke deutsche Industrie langfristige Absatzchancen.
Für die Stärkung des europäischen Binnenmarktes gilt jedoch ebenso, dass die Interessen der deutschen Wirtschaft nur konsensual verfolgt werden sollten. Ein Beharren auf kurzfristige Vorteile läuft Gefahr, nationalistische Gegenwehr zu erzeugen.
Neue Grenzen innerhalb Europas würden die deutsche Exportwirtschaft schwächen. Ein europäischer Subventionswettlauf geht zu Lasten aller Steuerzahler:innen. Nationale Engstirnigkeit führt zu Aktion gegen Deutschland.
Prof. Dr. Christoph Scherrer, Volkswirt und Politologe, forscht zur internationalen politischen Ökonomie und nachhaltigen Steuerung globaler Märkte. Er war Professor in Kassel und ist Mitglied des Kassel Institute for Sustainability. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
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12 Kommentare
Mercosur wird als Chance dargestellt, aber der Artikel erwähnt auch Risiken. Welche konkreten Risiken sind mit dem Ausbau des Handels mit Südamerika verbunden, und wie können diese minimiert werden?
Die 9-prozentige Rückgang der Exporte in die USA und sogar 10,7 Prozent nach China zwischen Januar und November 2025 sind deutliche Warnsignale. Das zeigt, wie schnell sich die Handelslandschaft verändern kann und wie anfällig Deutschland ist.
Der Artikel erwähnt die Vorprodukte, die Deutschland nach Mexiko exportiert. Wäre es nicht sinnvoller, diese Vorverarbeitung direkt in den USA zu etablieren, um Trump’s Argumentation zu entkräften und gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen?
Die Aussage, dass Russland und China als Märkte wegbrechen, ist alarmierend, besonders in Kombination mit dem Verlust der billigen Energiequelle aus Russland. Wie realistisch ist es, diese Verluste durch ‚Friend Shoring‘ vollständig zu kompensieren, wenn Trump bereits Drohungen ausspricht?
Der Artikel betont die Bedeutung von Auslandsmärkten für die deutsche Skalenlogik der Industrie. Aber wie sieht es mit der Diversifizierung der Produktionsstandorte aus, um die Abhängigkeit von einzelnen Absatzmärkten zu verringern?
Die Entwicklung, dass China vom Abnehmer zum Konkurrenten wird, ist ja nicht neu, aber die Geschwindigkeit, mit der das passiert, scheint zu überraschen. Welche konkreten Maßnahmen können deutsche Unternehmen ergreifen, um in diesem Wettbewerb zu bestehen?
Innovation und Spezialisierung sind hier Schlüsselwörter, denke ich. Deutschland kann sich nicht mit China in der Massenproduktion messen.
Die Drohung Trump’s mit neuen Strafzöllen, falls die EU ihre Tech-Gesetze nicht zurücknimmt, ist ein klarer Versuch der Einflussnahme. Ist die EU bereit, hier Zugeständnisse zu machen, oder setzt sie auf eine konfrontative Haltung?
Die Skalenlogik der Industrie und die Notwendigkeit steigender Ausbringungsmengen sind zentrale Punkte. Wie können deutsche Unternehmen ihre Produktionsprozesse anpassen, um trotz sinkender Märkte wettbewerbsfähig zu bleiben und die Stückkosten zu senken?
Es ist beunruhigend zu lesen, dass Trump die Importe aus Nachbarländern der USA als unwichtig betrachtet. Das untergräbt etablierte Lieferketten und schafft Unsicherheit für deutsche Unternehmen, die in diese eingebunden sind.
Absolut. Diese Aussage deutet auf eine protektionistische Wende hin, die weit über die üblichen Handelsstreitigkeiten hinausgeht.
Ich finde es richtig, den Fokus auf den EU-Binnenmarkt zu legen, aber reicht das wirklich aus, um die Einbußen durch die Trump-Politik und Chinas Wettbewerbsfähigkeit aufzufangen? Die Rohstoffabhängigkeit Deutschlands bleibt ein großes Problem.