Intel will die am Montag angekündigte Aktienplatzierung offenbar deutlich größer ausfallen lassen als zunächst kommuniziert. Nach Angaben von Personen, die mit der Transaktion vertraut sind, soll das Volumen von 15 auf rund 20 Milliarden US-Dollar steigen – ein Drittel mehr als ursprünglich geplant. Zuerst berichtet hatte darüber die Nachrichtenagentur Bloomberg. Intel selbst wollte sich dazu nicht äußern.
Orderbuch mehrfach überzeichnet
Hintergrund der Aufstockung ist nach Darstellung der Insider eine ungewöhnlich hohe Nachfrage institutioneller Anleger. Für die Platzierung liegen Aufträge über mehr als 100 Milliarden US-Dollar vor. Das Angebot ist damit mehrfach überzeichnet – Investoren haben also ein Vielfaches der angebotenen Aktien geordert. Wird zusätzlich die Mehrzuteilungsoption gezogen, mit der Konsortialbanken über das Grundvolumen hinaus weitere Stücke zuteilen können, könnte Intel deutlich mehr als 20 Milliarden US-Dollar einnehmen.
Die neuen Aktien sollen Anleger mit einem Abschlag erhalten. Der Ausgabepreis soll nach den Bloomberg-Informationen bei rund 95 US-Dollar oder darüber liegen. Bei 95 US-Dollar entspräche das einem Rabatt von 6,5 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Endgültig festgezurrt sind Größe und Preis der Platzierung nach diesen Angaben noch nicht. Begleitet wird die Transaktion von JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup.
Aktie unter Druck – Jahresbilanz dennoch stark
An der Börse überwog zunächst die Sorge um die Verwässerung. Werden neue Aktien ausgegeben, verteilt sich der Gewinn je Aktie auf mehr Anteilsscheine, der prozentuale Anteil bestehender Aktionäre am Unternehmen sinkt entsprechend. Die Intel-Aktie verlor am Montag im regulären Handel 4,1 Prozent und gab nach Börsenschluss noch leicht weiter nach. Zuletzt wurde das Papier mit 97,47 US-Dollar ausgewiesen.
Die Kursreaktion relativiert sich mit Blick auf den bisherigen Jahresverlauf: Seit Jahresbeginn steht bei Intel ein Plus von rund 164 Prozent. Der Chipkonzern gehört damit zu den auffälligsten Erholungswerten im Halbleitersektor, nachdem das Unternehmen zuvor über Jahre technologisch und operativ zurückgefallen war.
Bilanzsanierung als Priorität des Konzernchefs
Die Kapitalmaßnahme fügt sich in die Strategie von Konzernchef Lip-Bu Tan ein. Tan hat die Sanierung der Intel-Finanzen zur Priorität erklärt und dafür bereits externe Geldgeber an Bord geholt. Zu den Investoren zählen nach den vorliegenden Informationen die US-Regierung sowie mit Nvidia ein direkter Wettbewerber aus der Chipbranche. Für Intel ist das ein Bruch mit der früheren Praxis, das kapitalintensive Fertigungsgeschäft weitgehend aus eigener Kraft zu finanzieren.
Der Kapitalbedarf ergibt sich aus dem Ausbau der eigenen Fertigung. Intel betreibt im Unterschied zu vielen Wettbewerbern eigene Werke und tritt zugleich als Auftragsfertiger für Dritte an. Beides bindet erhebliche Mittel, bevor Erlöse anfallen. Wofür Intel die Erlöse aus der aufgestockten Platzierung im Einzelnen verwenden will, ist den vorliegenden Angaben nicht zu entnehmen.
Teil einer branchenweiten Finanzierungswelle
Intel ist mit dem Schritt nicht allein. Mehrere große Technologiekonzerne holen sich derzeit parallel Mittel an den Kapitalmärkten, um Investitionen rund um künstliche Intelligenz zu finanzieren. Alphabet arbeitet an Eigenkapitalmaßnahmen von bis zu 85 Milliarden US-Dollar, Oracle plant ein Aktienverkaufsprogramm über 20 Milliarden US-Dollar. In der Summe fließen damit binnen kurzer Zeit dreistellige Milliardenbeträge in den Sektor – ein Umfeld, das großvolumige Platzierungen wie die von Intel überhaupt erst in dieser Geschwindigkeit möglich macht.
Für Investoren stellen sich damit zwei getrennte Fragen. Die erste betrifft die Nachfrageseite: Ein Orderbuch von mehr als 100 Milliarden US-Dollar signalisiert, dass institutionelle Anleger bereit sind, Intels Neuaufstellung zu finanzieren – zu einem Preis, der unter dem letzten Börsenkurs liegt. Die zweite Frage betrifft die Altaktionäre, deren Anteile durch die Ausgabe neuer Papiere verwässert werden. Ob sich die zusätzlichen Mittel in einer Position auszahlen, die Intel dauerhaft am Geschäft mit KI-Rechenleistung beteiligt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen.
Was noch offen ist
Die zentralen Parameter der Transaktion sind nach den Insiderangaben noch nicht abschließend fixiert. Offen sind demnach das endgültige Volumen, der exakte Ausgabepreis und die Frage, in welchem Umfang die Mehrzuteilungsoption tatsächlich gezogen wird. Eine offizielle Bestätigung der Aufstockung durch Intel liegt bislang nicht vor; alle genannten Größen beruhen auf Angaben von Personen aus dem Umfeld der Platzierung. Erst mit dem endgültigen Pricing wird sich zeigen, wie hoch der Abschlag zum Börsenkurs ausfällt und wie viele neue Aktien Intel insgesamt ausgibt.
Quelle: Nachrichten Ticker - www.wallstreet-online.de
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