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Die Zinsen für Japans Staatsanleihen schnellen seit Wochenbeginn nach oben, weil ihre Besitzer sie möglichst schnell verkaufen wollen. Schuld ist die Politik der Regierung, die wohl neue Schulden bedeuten wird. Das hat globale Folgen.

Auf den ersten Blick ist das, was gerade in Japans Politik passiert, nicht zu außergewöhnlich. Premierministerin Sanae Takaichi, erst seit Ende Oktober im Amt, möchte die Sozialpolitik ändern. Unter anderem würde ihre Regierung gerne die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre aussetzen. Das soll Verbrauchern im Land mehr verfügbares Einkommen verschaffen, so den Konsum ankurbeln und damit die Wirtschaft.

Japan leidet schon seit langem unter ähnlich schwachem Wirtschaftswachstum wie Deutschland. Weil die 64-jährige Takaichi nicht durch eine Parlamentswahl ins Amt kam, sondern weil ihr Vorgänger Shigeru Ishiba vergangenes Jahr zurücktrat, will sie sich dafür eine größere parlamentarische Mehrheit sichern. Dafür kündigte sie am Montag Neuwahlen für den 8. Februar an. So weit – so normal.

Anleihenmärkte in Japan spielen verrückt

Doch die Anleihenmärkte an den japanischen Börsen sind seitdem in Aufruhr. Die Zinsen für 30-jährige Schuldscheine stiegen von 3,25 auf 3,85 Prozent in nur zwei Tagen. Die Zinsen für 40-jährige Anleihen erreichten sogar einen neuen Rekordwert von 4,2 Prozent. So teuer waren Schulden für Japan noch nie. 

Der sprunghafte Anstieg in dieser Woche ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Seit Takaichis Amtsantritt sind die Zinsen für 30-jährige Anleihen schon um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Das klingt nicht viel, ist aber eine Steigerung um knapp 20 Prozent.

Japan baut seine Rekord-Schulden noch aus

Auslöser für den Anstieg ist, dass Anleger vermehrt japanische Anleihen abstoßen. Eine Auktion für neu ausgegebene 20-jährige Schuldscheine fand zuletzt kaum Käufer. Wenn wie in Japan jetzt viele Investoren mit dem Wunsch, ihre Anleihen zu verkaufen, auf nur wenige potenzielle Käufer treffen, dann sinkt zwangsweise der Kurs der Anleihe. Gibt es zum Beispiel eine Anleihe, die der Staat am Laufzeitende mit 100 Euro begleicht, für 90 Euro zu kaufen, ist das ein attraktives Geschäft. Wenn aber der Kurs einer Anleihe sinkt, dann steigen automatisch die Zinsen. 

Zahlt Japan etwa 3 Prozent Zinsen auf eine Anleihe mit dem Nennwert von 100 Euro, dann sind es jedes Jahr drei Euro. Wenn Sie diese Anleihe jetzt aber für 90 Euro kaufen, bekommen Sie immer noch drei Euro Zinsen pro Jahr. Auf den Kaufpreis gerechnet sind das aber dann 3,3 Prozent. Will der japanische Staat jetzt also neue Anleihen ausgeben, muss er von Anfang an mindestens 3,3 Prozent Zinsen bieten, sonst wäre es für Anleger lukrativer, bestehende Anleihen von anderen Investoren aufzukaufen.

Neue Schulden für Japan?

Dass Anleger überhaupt so viele japanische Staatsanleihen loswerden wollen, liegt eben an Takaichis Politikkurs. Fallen im aktuellen Beispiel die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer für Lebensmittel für zwei Jahre weg, muss der Staat diesen Einnahme-Ausfall kompensieren. Investoren befürchten, dass das über neue Schulden passieren wird. Japan ist aber bereits heute der am höchsten verschuldete Industriestaat der Erde. 

Für 2025 gibt es noch keine exakten Zahlen, die Schätzungen liegen aber bei einem Schuldenberg von 230 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Zum Vergleich: Deutschland liegt aktuell bei etwa 63 Prozent. Je höher diese Quote, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ein Staat all seine Schulden bedienen kann. Wem dieses Risiko zu hoch ist, der verkauft eben jetzt seine Anleihen.

Warum das Geschehen in Japan auch Deutschland beeinflusst

Nun könnte man denken, dies sei ein rein japanisches Problem und müsse uns nicht groß interessieren, doch aus dem Fernen Osten könnten die Nachwehen bis zu uns reichen. Das liegt daran, dass Japan eben stark in den globalen Finanzmarkt eingebunden ist.

Die Sorge ist nun, dass japanische Institutionen wie etwa Versicherungen, Banken und Rentenfonds die fallende Kurse heimischer Staatsanleihen ausnutzen, um ihre Portfolios umzuschichten. Für sie könnten die günstigen japanischen Schuldscheine ein lukratives Geschäft sein. 

Ausländische Staatsanleihen werden verkauft

Um Geld zur Verfügung zu haben, damit sie diese kaufen können, würden sie dann aber wohl ausländische Staatsanleihen verkaufen. Das wird wahrscheinlich primär US-amerikanische Anleihen treffen, die gerade auch nicht zu den beliebtesten gehören, aber auch deutsche. Unsere Staatsanleihen gelten global als sehr attraktiv, weil Deutschland eine hohe Kreditwürdigkeit besitzt und damit eine sichere Anlageform darstellt.

Möglich wäre also, dass zumindest bis zur japanischen Wahl am 8. Februar große Fonds aus Japan auch deutsche Anleihen verkaufen, um sich mit den aktuell günstigen japanischen Werten einzudecken. Das wiederum würde bei uns auch dazu führen, dass die Kurse unserer Staatsanleihen sinken und die Zinsen steigen. Tatsächlich ging es in den vergangenen Tagen schon nach oben, die Anstiege sind aber geringer als 0,1 Prozentpunkte bisher. Die Zinsen für deutsche Anleihen bewegen sich seit Anfang Dezember bereits in einem stabilen Band.

Christoph Sackmann

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29 Kommentare

  1. Die Entwicklung der japanischen Anleihenmärkte hat sicherlich auch Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Welche Länder sind besonders betroffen?

  2. Sanae Takaichi möchte die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel aussetzen, um den Konsum anzukurbeln. Ist das wirklich eine nachhaltige Lösung, oder nur ein kurzfristiger Versuch, die Wirtschaft zu stimulieren?

  3. Es ist besorgniserregend, dass die Zinsen für japanische Staatsanleihen so stark steigen, während die Wirtschaft stagniert. Das könnte zu einer Rezession führen.

  4. Lea G. Schneider am

    Die Tatsache, dass Shigeru Ishiba zurückgetreten ist und Sanae Takaichi nun im Amt ist, scheint ein entscheidender Faktor für die aktuelle Marktreaktion zu sein. Warum ist das so?

  5. Laura Hoffmann am

    Die Erhöhung der Zinsen um 0,6 Prozentpunkte für 30-jährige Anleihen klingt vielleicht nicht viel, aber die relative Steigerung von fast 20 Prozent ist doch bemerkenswert. Das zeigt, wie sensibel die Märkte auf Veränderungen reagieren.

  6. Die Tatsache, dass die Zinsen auf 40-jährige Anleihen einen Rekordwert erreicht haben, deutet darauf hin, dass Anleger langfristig mit Problemen in der japanischen Wirtschaft rechnen.

  7. Laura G. Schneider am

    Ich frage mich, ob die Neuwahlen am 8. Februar die Situation beruhigen werden. Könnte eine stärkere parlamentarische Mehrheit Takaichi mehr Spielraum für ihre Politik geben?

  8. Die Erhöhung der Zinsen für 30-jährige Staatsanleihen auf 3,85 Prozent in nur zwei Tagen ist doch eine beachtliche Entwicklung – wie bewerten Ökonomen diese Geschwindigkeit?

    • Es deutet auf eine wachsende Besorgnis der Anleger über die fiskalische Stabilität Japans hin, insbesondere im Hinblick auf die geplante Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.

  9. Wenn der Kurs einer Anleihe sinkt, steigen die Zinsen. Das ist eine einfache, aber wichtige Erklärung für die aktuelle Situation in Japan. Wie wirkt sich das auf japanische Sparer aus?

  10. Die Notwendigkeit, höhere Zinsen auf neue Anleihen zu bieten, um Anleger anzulocken, wird die Staatsverschuldung Japans weiter erhöhen. Ist das ein Teufelskreis?

  11. Die Auktion für 20-jährige Schuldscheine fand kaum Käufer. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die japanische Wirtschaft schwindet, oder?

  12. Die Situation erinnert ein wenig an die Probleme, mit denen Deutschland ebenfalls zu kämpfen hat, nämlich ein schwaches Wirtschaftswachstum. Gibt es hier Parallelen in der Politik?

    • Interessanter Vergleich! Beide Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen, aber die japanische Politik scheint derzeit riskanter zu sein.

  13. Die Aussage, dass die Zinsen für 30-jährige Anleihen seit Takaichis Amtsantritt um fast 20 Prozent gestiegen sind, ist sehr aufschlussreich. Das zeigt deutlich den Einfluss ihrer Politik auf die Finanzmärkte.

  14. Laura M. Schäfer am

    Die Neuwahlen könnten eine Chance für eine politische Neuausrichtung sein. Wer sind die Hauptkonkurrenten von Takaichi und welche Positionen vertreten sie?

  15. Die Situation in Japan zeigt, wie wichtig eine solide Finanzpolitik ist. Andere Länder sollten daraus lernen, bevor sie in ähnliche Schwierigkeiten geraten.

  16. Hans R. Schneider am

    Die Politik von Premierministerin Takaichi scheint die Märkte zu verunsichern. Ist es möglich, dass sie ihre Pläne überdenken wird, um die Situation zu stabilisieren?

  17. Peter Schneider am

    Die Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel könnte kurzfristig den Konsum ankurbeln, aber langfristig wird sie die Staatsfinanzen belasten. Ist das ein kalkuliertes Risiko?

  18. Die geringe Anzahl an Käufern bei der letzten Anleihenauktion ist ein Warnsignal. Was unternimmt die Regierung, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen?

  19. Es ist verständlich, dass Anleger japanische Staatsanleihen abstoßen, wenn sie befürchten, dass der Staat durch die Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel Einnahmen verliert. Wie groß ist der erwartete Einbruch bei den Steuereinnahmen?

  20. Die Abhängigkeit von ausländischen Anlegern bei der Finanzierung der Staatsverschuldung macht Japan besonders anfällig für Marktschwankungen. Wie hoch ist dieser Anteil?

  21. Lukas Schäfer am

    Die Berechnung, dass Anleger bei sinkendem Anleihenkurs höhere Zinsen erhalten, ist logisch. Aber wie wirkt sich das auf die Rentabilität von Banken und Versicherungen aus?

  22. Anna I. Schäfer am

    Die Tatsache, dass die Zinsen für 40-jährige Anleihen einen neuen Rekordwert von 4,2 Prozent erreicht haben, ist alarmierend. Bedeutet das, dass Japan Schwierigkeiten haben wird, seine Schulden in Zukunft zu bedienen?

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