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Der Konflikt zwischen Iran und USA zieht sich in die Länge. Die Folgen dieser Hängepartie für die weltweiten Aktienmärkte sind vielseitig.

Die spektakulären Kursgewinne an den Aktienmärkten in den letzten Wochen fußen im Wesentlichen auf zwei Säulen: Erstens werden enorme Gewinnsteigerungen vor allem der US-Unternehmen erwartet. Ganz wesentlich tragen sinkende Kosten durch den verstärkten Einsatz von KI dazu bei.

Der Markt wettet auf eine Iran-Lösung

Über steigende Margen schlägt sich das nun auch in den Bilanzen nieder. Konkret: In den USA erwarten Analysten mittlerweile 15 Prozent Gewinnwachstum bei den S&P 500-Unternehmen in diesem Jahr. Das ist ein sehr hoher Wert.

Zweitens wettet der Markt darauf, dass der Iran-Konflikt den gleichen Verlauf nimmt wie alle vorherigen Eskalationen, die das Weiße Haus in den letzten 16 Monaten ausgelöst hat. Erst wird kräftig eskaliert, dann aber auch eine zeitnahe Einigung herbeigeführt.

Märkte preisen politische Eskalationen systematisch vorweg ein

In allen Fällen war es dabei ratsam, bereits frühzeitig wieder den Einstieg in den Aktienmarkt zu suchen, da die Märkte eine spätere Einigung jeweils vorwegnehmen. Das hat nur bedingt etwas mit der US-Regierung zu tun, sondern gehört vielmehr zur Natur der Börse.

Um nur ein weiteres Beispiel zu nennen: Die Wende nach dem Corona-Crash im März 2020 erfolgte bekanntlich auch schon lange bevor die erste Infektionswelle überhaupt ihren Höhepunkt überschritten hatte.



Bloomberg

Gewinnerwartung S&P 500

Dr. Dennis Riedl ist promovierter Mathematiker und Experte für Aktienmärkte. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Trump hat keine gute Verhandlungslage

Dieses Muster hat sich bei den Anlegern mittlerweile eingebrannt. Das Problem ist nur, dass die USA beim konkreten Fall des Iran nicht am längeren Verhandlungshebel zu sitzen scheinen.

Der im Laufe der Jahre leid- und krisenerprobte Iran kann eine Blockade der Straße von Hormus mutmaßlich länger durchhalten als die USA mit ihrem Präsidenten, den sinkende Umfragewerte weiter unter Druck setzen.

Die Zwischenwahlen im November erfordern eine baldige Entspannung im Nahen Osten, um die Wählerschaft nicht mit noch höheren Spritpreisen zu vergraulen. Aber die von Iran geforderten Konzessionen gehen viel weiter, als die USA eigentlich zu akzeptieren bereit waren.

So gehen die Aktienmärkte mit der Krise um

Neben der frühen Einpreisung bald stattfindender Entwicklungen funktionieren die Aktienmärkte in der Regel so, dass sie gewissen Narrativen folgen. Aktuell lautet dieses Narrativ (noch), dass eine Entspannung des Konflikts einschließlich der Öffnung der Straße von Hormus zeitnah erfolgen wird.

Das Narrativ erhält zwar derzeit Kratzer, bleibt aber vorherrschend. Erst ab einem gewissen Punkt schlägt die Stimmung um. Dafür braucht es nicht zwingend einen einzelnen markanten Auslöser, häufig reichen bereits schleichende Marktbewegungen.

Wenn es mangels Fortschritten bei den Verhandlungen aber zu diesem Punkt kommt, dann wäre ein vergleichbares Muster wie zu Beginn des Kriegs zu erwarten: Der seit Anfang März zuvor kaum gestiegene Ölpreis hat nun deutlich angezogen und signalisiert damit bereits zunehmende Zweifel am bislang dominanten Markt-Narrativ. 

Bei weiter ausbleibenden Fortschritten könnte er auf neue Höhen zusteuern. Gleichzeitig würden Energietitel dann mit anziehen.

Europas Börsen besonders betroffen

Der Rest des Aktienmarkts würde demgegenüber erneut unter Druck geraten. Die zuletzt deutlich erholten Börsen Europas wären wiederum stärker betroffen als die USA, wie schon bei der ersten Korrekturwelle.

Mit einer tatsächlichen Entspannung im Nahen Osten würde sich dieses Muster dann wiederum ins genaue Gegenteil verkehren. Diese binäre Situation eines Entweder-Oder ist für Anleger herausfordernd, folgt aber durchaus auch einer gewissen Rationalität.

Das Risiko variiert nach Branchen

Ein Ausweg besteht darin, Segmente zu meiden, die am stärksten von diesem binären Charakter betroffen sind (Energie, Logistik, Luftfahrt, etc.). Sie bieten zwar große Chancen, bringen aber eben auch stark erhöhte Risiken mit sich.

Mit Branchen, die weitgehend unabhängig von den Entwicklungen im Nahen Osten sind, kann man hingegen den allgemeinen Aufwärtstrend der Märkte spielen, ohne sich dieser besonderen Volatilität auszusetzen.

Dazu zählen derzeit beispielsweise strukturelle Trends beim Ausbau der KI-Infrastruktur oder wirtschaftlich im Aufschwung befindliche Länder, wie man sie derzeit gehäuft unter den „Emerging Markets“ findet.

Dennis Riedl

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6 Kommentare

  1. Interesting update on Jetzt zeigt sich, wie gefährlich Iran-Wette an den Börsen ist. Looking forward to seeing how this develops.

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