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Auf der Plattform Polymarket wetten Nutzer auf Kriege, Wahlen oder Festnahmen. Ein aktueller Fall zeigt, wie weit manche gehen: Journalisten werden bedroht, um eine Wette zu gewinnen. Im Spiel sind mittlerweile Millionen.
Ein Raketenangriff, eine journalistische Meldung – und plötzlich geht es um Hunderttausende Dollar. Der Hype um die Wettplattform „Polymarket“ nimmt immer verstörendere Formen an.
Ein aktuelles Beispiel ist besorgniserregend: Anfang März berichtet der israelische Militärkorrespondent Emanuel Fabian von der „Times of Israel“ über einen iranischen Raketenangriff nahe der Stadt Beit Schemesh. Die Rakete sei in einem offenen Gebiet eingeschlagen, schrieb er unter Berufung auf Rettungsdienste und Militärquellen.
Polymarket: 14 Millionen Dollar auf Raketeneinschlag in Israel gewettet
Was zunächst wie eine Randnotiz im Kriegsgeschehen wirkte, löste Tage später eine Welle von Todesdrohungen aus. Der Grund: Fabians Bericht beeinflusste eine Wette auf Polymarket. Mehrere Nutzer hatten darauf gesetzt, dass der Iran an diesem Tag keinen erfolgreichen Angriff auf israelisches Gebiet durchführen würde.
Da auf Polymarket nur ein Treffer zählt, wenn ein Geschoss tatsächlich einschlägt – nicht, wenn es abgefangen wird –, konnte Fabians Bericht über Sieg oder Niederlage der Wette entscheiden. Mehr als 14 Millionen Dollar waren auf genau dieses Ereignis gesetzt worden.
Morddrohungen wegen einer Wette
Was folgte, beschreibt Fabian als beispiellose Kampagne. Mehrere Personen kontaktierten ihn per E-Mail, Discord, WhatsApp und über soziale Netzwerke. Sie forderten ihn auf, seine Meldung zu ändern. Andere verbreiteten sogar gefälschte Screenshots angeblicher E-Mails, in denen Fabian die Darstellung angeblich korrigiert habe.
Schließlich eskalierten die Nachrichten. Ein Absender drohte laut Fabian, man werde nach einem Verlust von 900.000 Dollar „nicht weniger investieren, um dich fertigzumachen“. Der Journalist erstattete Anzeige.
Der Fall zeigt, wie sogenannte „Prediction Markets“ eine neue Dynamik erzeugen: Journalistische Informationen werden zu Kursfaktoren eines globalen Wettmarkts.
Börse für Ereignisse
Polymarket gehört zu den größten Markets der Welt. Das Prinzip ähnelt einer Börse, allerdings für Ereignisse statt für Unternehmen.
Nutzer kaufen sogenannte Event-Kontrakte, deren Preis zwischen null und einem Dollar liegt. Der aktuelle Preis spiegelt dabei die vom Markt geschätzte Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses wider.
Kostet ein „Ja“-Kontrakt 0,80 Dollar, bewertet der Markt das Ereignis demnach mit etwa 80 Prozent Wahrscheinlichkeit. Tritt das Ereignis ein, steigt der Wert auf einen Dollar. Tritt es nicht ein, fällt er auf null.
Dieses Modell hat sich in kurzer Zeit zu einem boomenden Markt entwickelt.
Branchenstatistiken zeigen:
- Anfang 2024: weniger als 100 Millionen Dollar monatliches Handelsvolumen
- Anfang 2026: mehr als 13 Milliarden Dollar pro Monat bei Plattformen wie Polymarket und Kalshi
Immer wieder Verdacht auf Insiderhandel
Ein besonders heikler Fall ereignete sich kurz vor amerikanischen Luftschlägen gegen den Iran. Laut Analysen der Blockchain-Firma Bubblemaps setzten mehrere neu angelegte Konten Stunden vor den Angriffen gezielt auf genau dieses Szenario. Insgesamt verdienten sechs Accounts rund 1,2 Millionen Dollar. Der erfolgreichste Nutzer verwandelte etwa 61.000 Dollar Einsatz in fast eine halbe Million Dollar Gewinn.
Das auffällige Muster: Viele der Krypto-Wallets wurden erst kurz zuvor mit Geld aufgeladen. Die zentrale Frage lautet deshalb: War das Glück, oder verfügten die Trader über militärisches Vorwissen?
Weitere kuriose Polymarket-Wetten
Der Iran-Fall ist kein Einzelfall. Analysten und Journalisten dokumentierten mehrere ähnliche Wetteinsätze. Besonders Aufmerksamkeit erregte Anfang 2026 eine Wette auf den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Ein anonymer Trader setzte rund 30.000 Dollar darauf, dass Maduro noch im Januar aus dem Amt gedrängt werde, nur Stunden bevor eine überraschende US-Operation tatsächlich zu seiner Festnahme führte.
Der Einsatz verwandelte sich in mehr als 400.000 Dollar Gewinn und löste sofort Spekulationen über möglichen Insiderhandel aus, da der Account erst kurz zuvor angelegt worden war.
Analysten und Journalisten beobachten zudem immer wieder auffällige Handelsmuster rund um politische Entscheidungen oder diplomatische Ereignisse. Untersuchungen zeigen, dass einzelne Konten kurz vor wichtigen Ankündigungen oder Treffen plötzlich hohe Summen auf exakt das spätere Ergebnis setzen. Solche Muster nähren den Verdacht, dass manche Marktteilnehmer über Informationen verfügen könnten, die der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich sind.
Gleichzeitig wächst das Volumen der Wetten auf geopolitische Krisen rapide. Allein Märkte rund um den Konflikt mit Iran generierten auf Polymarket innerhalb weniger Monate ein Handelsvolumen von mehr als einer halben Milliarde Dollar. Je sensibler das Ereignis – ob militärische Operation, Regierungswechsel oder diplomatischer Durchbruch –, desto größer ist meist auch das Interesse der Wettmärkte.
Grauzone zwischen Finanzmarkt und Glücksspiel
Regulatorisch bewegen sich Prediction Markets in einer schwierigen Zone.
- Einerseits ähneln Event-Kontrakte Finanzderivaten
- Andererseits funktionieren sie wie Wetten auf reale Ereignisse
In den USA fällt ein Teil des Marktes inzwischen unter die Aufsicht der Finanzbehörde „CFTC“. Der Konkurrent Kalshi hat Insiderhandelsregeln eingeführt, ähnlich denen an Börsen.
Polymarket dagegen argumentiert, informierte Teilnehmer verbesserten sogar die Prognosekraft des Marktes. Gründer Shayne Coplan erklärte in Interviews, Märkte würden präziser, wenn Menschen mit Wissen oder Expertise Geld auf ihre Einschätzung setzen.
Kritiker sehen darin genau das Problem.
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6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Interesting update on Kriegsreporter erhält Morddrohungen wegen irrer Kriegs-Wette. Looking forward to seeing how this develops.
Good point. Watching closely.
Great insights on News. Thanks for sharing!
Solid analysis. Will be watching this space.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.