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Immer mehr Deutsche investieren an der Börse. Kanzler Merz wirbt für Aktien und erklärt, wie er es seinen Kindern beibringt. So gelingt auch Ihnen der Einstieg in die Börse.
Der Aktienmarkt ist für viele kein Experiment mehr, sondern Teil der privaten Finanzplanung. Auch Kanzler Friedrich Merz greift das Thema öffentlich auf. Auf einer Veranstaltung der Deutschen Börse in Eschborn schilderte er kürzlich, wie seine Kinder früh mit dem Kapitalmarkt in Berührung kamen. Auslöser war eine einfache Frage seiner jüngsten Tochter: Was ist eigentlich eine Aktie?
Merz beließ es nicht bei einer Erklärung. Zu Hause legte er mit allen drei Kindern ein virtuelles Depot an, das einen Teil seines eigenen Portfolios abbildete. Die Kinder durften mit Taschengeld an der realen Rendite teilhaben – positiv wie negativ. „Meine Kinder hatten plötzlich einen Zugang zu diesem Thema“, sagte Merz.
Investieren ist in Deutschland kein Randthema mehr
Er verbindet solche Beispiele mit einem klaren politischen Anspruch. Finanzbildung müsse früher beginnen, Risiken müssten erklärt und eingeordnet werden. „Sie müssen mit den Kindern reden und versuchen, das zu erklären“, sagte der Kanzler. Das dürfe sich nicht auf die eigene Familie beschränken. Eltern und Fachleute sollten auch in Schulen gehen und erklären, „was Sie hier machen“.
Perspektivisch soll sich aus dieser Offenheit mehr Kapitalmarktbeteiligung ergeben. Merz nannte ein konkretes Ziel: Die Zahl der Aktionäre in Deutschland solle sich im Laufe der Wahlperiode verdoppeln. „14 Millionen Aktionäre sind es schon mal. Wenn es am Ende dieser Wahlperiode 28 Millionen sind, dann haben wir einen Erfolg“, sagte er.
Ihr Börsenstart 2026: Ein einfacher Startplan und wichtige erste Überlegungen
Doch zu viele Deutsche sind von der Börse noch nicht überzeugt. Viele glauben, man müsse den Markt verstehen, bevor man investiert. In der Praxis ist es aber umgekehrt: Man versteht den Markt erst, wenn man investiert.
1. Das unangenehme, aber ganz normale Gefühl beim Start
Wer erstmals Geld an der Börse anlegt, fühlt sich selten sicher. Zu präsent sind Berichte über Kurseinbrüche, Finanzkrisen oder einzelne extreme Erfolgsgeschichten. Daraus entsteht leicht das Gefühl, man müsse permanent informiert sein, Marktbewegungen vorhersagen können und jede Entscheidung perfekt timen. Diese Annahme führt jedoch in die Irre.
Langjährige Anleger kommen zu einer anderen Schlussfolgerung: Sicherheit entsteht nicht durch Wagemut, sondern durch ein solides Verständnis der Funktionsweise von Märkten. Wer weiß, warum Preise schwanken und wie langfristige Renditen entstehen, kann gelassener investieren. Kapitalanlage ist damit kein Zufallsspiel, sondern ein Handwerk, das sich Schritt für Schritt erlernen lässt.
2. Der aller, allererste Schritt: Ziel klären, nicht Titel auswählen
Viele Einsteiger setzen am falschen Punkt an und suchen sofort nach einer konkreten Aktie. In der Regel geht das in die Hose. Ohne ein übergeordnetes Ziel bleibt diese Auswahl beliebig. Zunächst ist die Frage entscheidend, welchen Zweck das investierte Geld erfüllen soll. Soll es über viele Jahre hinweg Vermögen aufbauen, für das Alter vorsorgen oder möchte man zunächst den Markt kennenlernen? Wer diese Zielsetzung für sich geklärt hat, kann Anlageentscheidungen sehr viel sachlicher bewerten und reagiert weniger impulsiv auf Marktschwankungen.
3. Die Frage aller Fragen: ETF oder Einzeltitel?
Für den Einstieg bietet sich meist eine einfache Lösung an: breit gestreute ETFs. Punkt. Sie investieren gleichzeitig in zahlreiche Unternehmen und Regionen und senken dadurch das Risiko einzelner Fehlentwicklungen. Der Aufwand bleibt überschaubar, und das Konzept ist auf langfristige Stabilität ausgelegt. Begeisterung oder schnelle Erfolgserlebnisse liefern ETFs allerdings kaum. Spektakuläre Gewinne sind nicht ihr Ziel.
Direkt in einzelne Unternehmen zu investieren kann dagegen spannender sein und ein tieferes Verständnis für Geschäftsmodelle vermitteln, setzt aber deutlich mehr Analyse und die Bereitschaft zu größeren Schwankungen voraus. Verluste wirken hier unmittelbarer. Deshalb hat sich ein stufenweiser Ansatz bewährt: zuerst breit investieren und Routine gewinnen, danach prüfen, ob gezielte Einzelinvestments sinnvoll ergänzen.
4. Klein anfangen: Regelmäßigkeit geht vor Höhe
Für den Beginn sind keine hohen Summen notwendig. Schon kleine monatliche Beträge ermöglichen den Einstieg. Entscheidend ist weniger die Höhe der Einzahlung als ihre Kontinuität.
Automatisierte Sparpläne nehmen wiederkehrende Entscheidungen ab und erleichtern es, dauerhaft investiert zu bleiben. Auf diese Weise wird Geldanlage Teil des Alltags und nicht jedes Mal eine neue Grundsatzfrage.
5. Langfristig investieren
Aktienmärkte sind kein Instrument für kurzfristige Ziele. Wer investiert, sollte einen Horizont von mindestens zehn Jahren einplanen. In diesem Zeitraum verlieren kurzfristige Schwankungen an Bedeutung, während der langfristige Wachstumseffekt zum Tragen kommt. Geld, das kurzfristig benötigt wird, gehört nicht an die Börse.
6. Kursschwankungen einplanen
Rückgänge sind kein Ausnahmefall, sondern Teil des Systems. Märkte steigen nicht geradlinig. Wer das akzeptiert, vermeidet panische Verkäufe in ungünstigen Momenten. Historisch haben sich breit aufgestellte Märkte nach Krisen immer erholt, allerdings nicht ohne zwischenzeitliche Rückschläge.
7. Timing ignorieren
Der perfekte Einstiegszeitpunkt ist im Rückblick immer klar, im Voraus aber nicht erkennbar. Für langfristige Anleger ist es meist sinnvoller, kontinuierlich zu investieren, statt auf vermeintlich bessere Gelegenheiten zu warten. Regelmäßige Investitionen glätten Kursschwankungen und reduzieren das Risiko falscher Entscheidungen.
8. Nicht alles auf Aktien setzen
Aktien sind ein zentraler Baustein des Vermögensaufbaus, aber nicht der einzige. Eine Kombination aus Aktien und sicheren Anlagen sorgt dafür, dass finanzielle Ziele auch in schwierigen Marktphasen erreichbar bleiben. Diese Balance erhöht nicht nur die Stabilität des Portfolios, sondern auch die eigene Gelassenheit.
Aktienmarkt: Was Sie konkret mit 2000 Euro tun könnten
Angenommen irgendwo auf Ihrem Konto schlummern 2000 Euro. Warum nicht damit den Schritt an die Börse wagen? Je nachdem, welches Ziel Sie verfolgen, ergeben sich unterschiedliche, realistische Wege: der langfristige Vermögensaufbau, ein vorsichtiger Einstieg oder bewusstes Lernen.
- Möglichkeit 1: Der ruhige Start – 2000 Euro breit investieren
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, kann den gesamten Betrag in einen oder zwei weltweit gestreute ETFs investieren. Damit wird das Geld auf viele Unternehmen und Länder verteilt – ein Ansatz, der sich über Jahrzehnte bewährt hat. Ergänzend bietet sich ein monatlicher Sparplan von etwa 50 bis 100 Euro an, um kontinuierlich weiter zu investieren. Diese Kombination aus Einmalanlage und regelmäßigen Einzahlungen eignet sich besonders für Anleger, die wenig Zeit aufwenden und dennoch langfristig am Wachstum der Weltwirtschaft teilhaben wollen.
- Möglichkeit 2: 1400 Euro ETF, 600 Euro als Lernbudget
Ein Teil des Kapitals kann stabil angelegt werden, während ein kleinerer Betrag bewusst für erste Erfahrungen mit Einzelaktien genutzt wird. Dieses sogenannte Lernbudget hat einen klaren Zweck: Es schafft einen realistischen Zugang zu Themen wie Geschäftsmodellen, Bewertungen und den eigenen Emotionen bei Kursbewegungen, ohne das gesamte Kapital diesem Risiko auszusetzen. Verluste sind hier nicht wünschenswert, aber einkalkuliert, weil sie Teil des Lernprozesses sein können, der sich später auszahlen könnte.
- Möglichkeit 3: 2000 Euro gezielt zum Lernen einsetzen
Wer den Schwerpunkt ausdrücklich auf Erfahrung und Verständnis legt, kann den gesamten Betrag als Lernkapital betrachten. Das setzt allerdings Disziplin voraus. Spekulative Trends, kurzfristige Hypes oder Versprechen schnellen Reichtums gehören nicht dazu. Investiert werden sollte nur in Unternehmen oder Anlageideen, die nachvollziehbar sind und sich erklären lassen. Alles andere ist kein Investieren, sondern Wetteinsatz.
Unabhängig von der gewählten Variante gilt: Sinnvolles Investieren folgt Logik, nicht Lautstärke. Wer ruhig vorgeht, klare Gründe für seine Entscheidungen hat und sich nicht von kurzfristigen Bewegungen treiben lässt, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
Niemand startet mit voller Sicherheit. Die meisten beginnen, weil sie verstehen, dass Nichtstun ebenfalls eine Entscheidung ist – oft eine teure. Investieren muss weder kompliziert noch zeitintensiv sein. Ein einfacher Plan, überschaubare Beträge und ein langer Zeithorizont reichen aus. Der wichtigste Schritt ist nicht der perfekte Einstieg, sondern der erste.
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6 Kommentare
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